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RUDERN: Das goldige Comeback des Flaggschiffs

Der Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann mit den Luzernern Mario Gyr und Simon Schürch ist Europameister! Ein Erfolg, der angesichts der Umstände besonders emotional und wertvoll ist.
Bejubeln ihren ersten gemeinsamen EM-Titel – und was für einen: Simon Niepmann (von links), Lucas Tramèr, Mario Gyr und Simon Schürch. (Bild: AP/Alik Keplicz)

Bejubeln ihren ersten gemeinsamen EM-Titel – und was für einen: Simon Niepmann (von links), Lucas Tramèr, Mario Gyr und Simon Schürch. (Bild: AP/Alik Keplicz)

Stefan Klinger

Am Ende ihrer goldenen Dienstreise zur Europameisterschaft im polnischen Posen wurde es für Mario Gyr (30/Luzern), Simon Schürch (24/Schenkon), Simon Niepmann (29/Basel) und Lucas Tramèr (25/Vésenaz GE) direkt ungemütlich. Nachdem Gyr noch zur Dopingkontrolle gemusst hatte, hatte das siegreiche Quartett höchste Mühe, den nur zweieinhalb Stunden nach dem Final startenden Heimflug noch zu erreichen. Doch ähnlich wie zuvor im EM-Final auf dem Malta-See legten die vier auch auf dem Posener Flughafen einen beeindruckenden Spurt hin – und kamen gerade noch rechtzeitig am Gate an.

Dass ihnen dadurch keine Zeit blieb, ihren grössten Erfolg im Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann – einer olympischen Bootsklasse – erst einmal ein wenig zu feiern, werden Gyr, Schürch, Niepmann und Tramèr durchaus verschmerzen können. Immerhin soll der EM-Titel erst der Anfang einer Reise sein, die im August 2016 an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro einen glorreichen Abschluss finden soll.

Seit dieser Saison wieder ein Team

Eine Reise, die im Grunde vor mehr als vier Jahren begonnen hatte, nun aber nach einer zweijährigen Unterbrechung erst so richtig Fahrt aufnimmt. Denn schon im vergangenen Olympia-Zyklus waren die vier von 2010 bis 2012 zusammen gerudert, doch nach Rang fünf an den Spielen von London gingen sie erst einmal getrennte Wege. Während Gyr und Schürch die vergangenen beiden Jahre im Doppelzweier antraten, starteten Niepmann und Tramèr so lange im Zweier ohne Steuermann.

Seit dieser Saison ist das Quartett wiedervereint und rudert nun auf einem höheren, erfolgversprechenderen Niveau – es ist schlichtweg einen Schritt weiter. «Früher haben wir immer im Vorlauf und im Halbfinal unsere besten Rennen gezeigt und konnten dann im Final, wenn es richtig drum ging, nicht mehr zulegen. Nun sind wir aber physisch und psychisch auf einem höheren Niveau», verdeutlicht Mario Gyr, «wir sind nun eine kompakte Einheit und inzwischen so gut, dass wir auch mit einem schlechten Halbfinallauf, wie dem am Samstag, trotzdem noch in den Final einziehen und dort dann einen Tag später ein völlig anderes Rennen auspacken können.»

Dieser Beweis einer konstanten Leistungssteigerung von Rennen zu Rennen innerhalb einer Regatta, zu der das Quartett früher nicht in der Lage war, ist nicht das Einzige, was diesen Erfolg besonders wertvoll macht. Anders als bei vielen Wettkämpfen im Jahr eins nach Olympia, wenn sich die Teams neu sortieren, oder bei manchen Weltcups, die aus Termin- oder Logistikgründen mitunter sehr schwach besetzt sind, war diese EM ein echter Gradmesser. Immerhin geht es schon im August an der WM in Frankreich um die Olympiaqualifikation. Und so traten in Posen die besten Teams des Kontinents in der bestmöglichen Besetzung an.

Gyr: Schwere OP vor zehn Wochen

Eine Tatsache, die dem Schweizer Quartett Mut für die nächsten Monate macht. «Beim Weltcup in Varese in drei Wochen werden auch noch die Neuseeländer, Australier und Chinesen dabei sein – dann werden wir wissen, was im Hinblick auf die WM möglich ist», erklärt Gyr, «wir werden uns bis dahin weiter steigern. Uns hilft jede Woche Training, denn wir haben noch viel Potenzial.»

Ein Grund dafür, dass das Team noch nicht sein ganzes Potenzial ausgeschöpft hat, ist der Luzerner. Immerhin musste Gyr erst vor zehn Wochen eine mehrstündige Operation an der Niere über sich ergehen lassen und fiel wochenlang aus. «Bei den Rennen in Bled vor drei Wochen war ich noch Passagier, aber heute konnte auch ich Physis ins Boot bringen», sagt er, «da geht noch mehr.»

Mitte März fand sich Mario Gyr im Spital zwischen Patienten mit gravierenden gesundheitlichen Problemen wieder. Schon die kleinsten alltäglichen Dinge wie Lachen bereiteten ihm damals Schmerzen. Und in den Tagen danach hatte er beim Gehen so grosse Probleme, dass eine Grünphase nicht ausreichte, um eine Strasse überqueren zu können. Diese Zeit hat den 30-jährigen angehenden Anwalt fürs Leben geprägt – aber nicht aus der Bahn geworfen. Und sie macht diesen Erfolg für ihn umso emotionaler. «Wenn ich daran denke, wie es mir vor zehn Wochen ging», sagt er gerührt, «und jetzt kann ich wieder Vollgas geben und an einer EM alle schlagen – das ist einfach genial.»

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