Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

RUDERN: «Das Haus ist ein extremer Fortschritt»

Der Schweizer Verbandsdirektor Christian Stofer ist an der Lucerne Regatta ein gefragter Mann. Mit uns spricht er über die neue Infrastruktur, das Hoch der Schweizer und Doping.
Interview Jonas von Flüe
Christian Stofer hat schon viele positive Reaktionen über die neue Infrastruktur am Rotsee erhalten. «Die Leute sind begeistert», sagt er. (Bild Dominik Wunderli)

Christian Stofer hat schon viele positive Reaktionen über die neue Infrastruktur am Rotsee erhalten. «Die Leute sind begeistert», sagt er. (Bild Dominik Wunderli)

Interview Jonas von Flüe

Christian Stofer, Hunderte Athleten und Betreuer belagern in diesen Tagen den Rotsee. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie die vielen Boote auf der Rotseewiese sehen?

Christian Stofer*: Aus Sicht des Sportchefs denke ich zunächst: Wir haben zu wenig Platz. Aber das können wir nicht ändern und das gehört halt zum Rotsee. Ich finde es einfach Jahr für Jahr beeindruckend, dass der Rotsee so viele Mannschaften aus aller Welt anzieht. Sie wissen, dass die Bedingungen hier immer perfekt sind und man auch bei Wetterverhältnissen rudern kann, bei denen die Rennen auf anderen Seen längst abgesagt worden wären.

Was für Rückmeldungen haben Sie bisher auf die neue Infrastruktur erhalten?

Stofer: Die Leute sind begeistert und können fast nicht glauben, dass ein solches Gebäude innerhalb von neun Monaten gebaut wurde. Die Zufriedenheit der Gäste ist viel höher. Auch vom internationalen Verband. Und wir können nach den ersten Tagen im Betrieb sagen: Das Haus funktioniert wunderbar und ist ein extremer Fortschritt gegenüber früher.

Einen extremen Fortschritt hat auch der Schweizer Rudersport gemacht. Vier Boote haben sich für die Olympischen Spiele in Rio qualifiziert. So viele wie seit dem Jahr 2000 in Sydney nicht mehr. Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Stofer: Es braucht zum einen ein gutes Trainingssystem und gute Strukturen. Das nationale Leistungszentrum in Sarnen bietet den Athleten optimale Bedingungen. Zum anderen braucht es aber auch ehrgeizige Athleten, die sich tagtäglich ins Zeug legen. Rudern ist eine Fleisssportart, jeder Erfolg wird hart erarbeitet.

Vor acht Jahren, an den Olympischen Spielen in Peking, war nur ein einziges Schweizer Boot am Start ...

Stofer: Da wussten wir, dass wir etwas ändern müssen. Wir haben gnadenlose Analysen gemacht und Antworten erhalten, die nicht allen gefallen haben. Wir haben in der Folge ein System erarbeitet, das von unseren Trainern implementiert und immer weiterentwickelt wurde. Damals ruderten die besten Boote normalerweise im B-Final, heute kämpft unser bestes Boot in jedem Rennen um Medaillen. Und davon profitieren alle im Rudersport involvierten Personen.

Vor allem dank des Leichtgewichts-Vierers erhält das Rudern viel Aufmerksamkeit. Wie äussert sich das?

Stofer: Wenn man erfolgreiche Boote hat, wird der Sport automatisch vermehrt wahrgenommen. Auch von anderen Sportarten. Andere Funktionäre wissen: Die Ruderer arbeiten gut. Ich wurde plötzlich für Vorträge eingeladen, an denen ich aufzeigen konnte, wie wir arbeiten und warum wir so erfolgreich sind. Aber hinter dem Erfolg steckt keine Magie. Die Anerkennung ist das Resultat harter Arbeit. Über viele Jahre hinweg. Nehmen wir Mario Gyr als Beispiel. Den momentanen Erfolg hat er sich über zehn Jahre erarbeitet. Aber klar geniessen wir es, wenn nach der Europameisterschaft der Zieleinlauf unserer Boote in der Tagesschau gezeigt wird und die Zeitungen gross darüber berichten.

Wie erleben Sie die Wertschätzung innerhalb der Bevölkerung?

Stofer: Jeannine Gmelin, die sich im Skiff ebenfalls für die Olympischen Spiele qualifiziert hat, wurde vergangene Woche in der Migros in Sarnen von einer Kassiererin angesprochen, die sie im Fernsehen erkannt haben will. Sie hat sie zwar mit Patricia Merz verwechselt, aber diese Begegnung zeigt dennoch, dass man uns in der Bevölkerung wahrnimmt.

Dazu hat sicher auch die Auszeichnung «Team des Jahres» beigetragen, die dem Leichtgewichts-Vierer im Vorjahr verliehen wurde ...

Stofer: Mit Weltmeister- und Europameistertiteln spricht man vor allem Sportinteressierte an. Doch diese Verleihung hatte ein ganz anderes Publikum. Die vier Männer waren adrett und einheitlich gekleidet, haben eine gute Figur gemacht und unsere Sportart in ein positives Licht gerückt. Wir haben jetzt, vor den Olympischen Spielen, ein offenes Fenster, in dem wir uns präsentieren können. Das müssen wir nutzen.

Welchen Wert hat das Paradeboot für das ganze Team?

Stofer: Wir brauchen ein Flaggschiff. Früher war das Xeno Müller, den man in der ganzen Schweiz kannte. Er war ein Superruderer, hatte zuweilen gute Sprüche, aber auch ein Bad-Boy-Image. Heute ist es der Leichtgewichts-Vierer, der die Werte unseres Sports perfekt verkörpert: Teamgeist und Eleganz. Das ganze Team ist zudem ein Vorbild und Gradmesser für alle anderen Athleten und zeigt, dass man mit viel Fleissarbeit an die Weltspitze kommen kann.

Bei aller Vorfreude auf Olympia hat der Sport auch negative Schlagzeilen gemacht. Zwei Italiener wurden in diesem Jahr wegen Verstosses gegen die Dopingrichtlinien gesperrt. Wie intensiv beschäftigen Sie sich mit dem Thema?

Stofer: Das Thema Doping betrifft uns alle. Wir haben im Rudern verhältnismässig wenig Fälle, aber der Sport ist nicht clean. Doch das Kontrollsystem ist sehr eng, vor allem in der Schweiz. Auch am Rotsee werden Kontrollen gemacht. Es wäre ein Albtraum, wenn auch einer von unseren Athleten mal in einer Kontrolle hängen bleibt. Sei es, weil er seinen Aufenthaltsort dreimal nicht meldet, oder tatsächlich etwas nimmt. Wir können nur an den gesunden Menschenverstand appellieren. Es kommt uns jedoch entgegen, dass im Rudern wenig Geld im Spiel ist. Die Versuchung ist bei uns wahrscheinlich kleiner als in anderen Sportarten.

Muss man vor Olympia mit weiteren Fällen rechnen?

Stofer: Das denke ich nicht. Aber jeder einzelne Fall ist gravierend und wirft ein schlechtes Bild auf die Sportart. Diesen Kampf kann man nicht gewinnen. Der Spitzensport hat einen schlechten Ruf, aber der ist hausgemacht. Doping ist das eine, Korruption das andere. Wir können nur immer darauf hinweisen, dass unsere Athleten regelmässig von Antidoping Schweiz kontrolliert werden und wir ihnen vertrauen.

Hinweis

* Christian Stofer (40) ist seit rund acht Jahren Direktor des Schweizerischen Ruderverbandes. Zusätzlich bekleidet er an der Lucerne Regatta das Amt des Sportchefs. Als Aktiver erreichte er mit dem Doppelvierer an den Olympischen Spielen von Sydney (5.) und Athen (8.) zwei Diplomklassierungen. Er lebt mit seiner Partnerin Claudia Blasberg, ehemalige deutsche Spitzenruderin, und den beiden gemeinsamen Kindern in Sempach.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.