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RUDERN: Das Ziel heisst: Drei Boote bei Rio 2016

Das Schweizer Paradeboot kann auf dem Rotsee Gesamtweltcupsieger werden. Einen Tag vor Beginn der Regatta analysiert Verbandsdirektor Christian Stofer* den Zustand des Nationalteams.
Interview Stefan Klinger
Christian Stofer, Direktor des Schweizerischen Ruderverbandes, macht am Mittwoch am Rotsee eine Runde. (Bild Nadia Schärli)

Christian Stofer, Direktor des Schweizerischen Ruderverbandes, macht am Mittwoch am Rotsee eine Runde. (Bild Nadia Schärli)

Interview Stefan Klinger

Christian Stofer, beginnen wir mit ein bisschen Gedächtnistraining. Können Sie sich noch an die letzten Schweizer Gesamtweltcupsieger erinnern?

Christian Stofer: Das waren 2001 Markus Gier und Nicolas Lätt, damals im Leichtgewichts-Doppelzweier. Es ist schön und auch ein Signal, dass wir 14 Jahre später jetzt wieder ein Boot auf diesem Level haben. Einen Leichtgewichts-Vierer, der am Weltcupfinal in Luzern um den Gesamtsieg fährt.

Im Skisport sind Gesamtweltcupsieger gemachte Männer. Im Rudern dagegen hat der Gesamtweltcup im Vergleich zu EM und WM kaum einen Stellenwert. Warum ist das so?

Stofer:Unserem Leichtgewichts-Vierer würde dieser Erfolg sicher Prestige bringen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil das Team in dieser Saison gute Gegner hatte. Aber grundsätzlich stellt sich im Ruder-Weltcup, der aus drei Wettkämpfen besteht, immer auch die Frage, wer wie oft antritt. Bis vor zehn Jahren gab es für jeden Weltcuppunkt Geld. Seit die Weltcuppunkte allerdings nicht mehr mit Geld verbunden sind, lassen Verbände immer wieder Weltcups aus. Aus finanziellen Gründen oder wenn ihnen eine Station nicht in die Saisonplanung passt.

Also hat der Ruder-Weltverband am falschen Ende gespart.

Stofer: Das Geld wurde nicht gespart – sondern anders eingesetzt. Zum Beispiel dafür, dass es nun an den Strecken Videowände und professionelle Speaker gibt.

Um den Rudersport für Zuschauer attraktiver zu machen. Eigentlich ja ein guter Ansatz.

Stofer:Das ist eine Frage der Perspektive. Sicher hat es das Rudern für die Zuschauer an der Strecke attraktiver gemacht, aus der Budgetsicht eines Verbandes ist der Weltcup dadurch aber nicht mehr interessant. Der Weltcup garantiert dir zwar Regatten, bei denen du auf gute Gegner triffst, aber du hast eben nur Kosten und kannst keine Einnahmen generieren. Der EM-Titel unseres leichten Vierers wirkt sich bei Swiss Olympic auf die Beurteilung und damit auf die Fördergelder aus, eine Weltcupmedaille auf dem Rotsee nicht.

Das Schweizer Nationalteam ist leistungsmässig aktuell so breit aufgestellt wie schon lange nicht mehr. Woran liegt das?

Stofer:Der Generation von Athleten, die wir jetzt haben, ist nichts auf dem Silbertablett serviert worden. Im Leichtgewichtsbereich haben wir nach Peking 2008 eine Athletengeneration aufgebaut, die sich bis zur letzten Konsequenz in allen Bereichen dem Spitzensport verschrieben hat. Athleten, die trotz Verletzungen, teils unerfüllter Erwartungen oder Nichtselektion immer drangeblieben sind. Nun haben wir dort ein Weltklasseboot, bei dem die Gegner keine Freude haben, wenn sie auf der Startliste sehen, dass der Schweizer Vierer in ihrem Lauf ist. Dieser Weg ist ein Vorbild, dem andere folgen.

Was heisst das konkret?

Stofer:Nehmen wir Jeannine Gmelin. Ihre Silbermedaille an der EM Ende Mai ist kein Wunder, sondern harte Arbeit. Sie kam im letzten Sommer auf uns zu und wollte unbedingt in die Spitzensport-RS. Und die hat sie dann für konsequentes Training genutzt. Nun ist sie leistungsmässig in einem Bereich, durch den sie ernsthaft für die Olympia-Qualifikation in Frage kommt. Und dazu muss sie immerhin an der WM die Top 9 erreichen. Das wird zwar brutal hart, aber wenn sie im entscheidenden Moment ihre Leistung bringt, kann sie es schaffen.

Der Schweizer Verband hat ursprünglich das Ziel ausgegeben, bei den Olympischen Spielen 2016 mit drei Booten vertreten zu sein – so viele Boote wie letztmals 2004. Nun sind wir in der Endphase der vorolympischen Saison. Halten Sie dieses Ziel nach wie vor für realistisch?

Stofer: Ja, auch wenn es bis auf den Leichtgewichts-Vierer bei allen anderen knapp werden wird. Jeannine Gmelin war aber in dieser Saison mit ihren Platzierungen immer im benötigten Bereich. Der Männer-Doppelvierer ist beim Weltcup in Varese bei guter Konkurrenz in den Final gekommen. Und im Leichtgewichts-Doppelzweier haben sich Patricia Merz und Frédérique Rol seit der WM vergangenes Jahr in die richtige Richtung bewegt. Die Annäherung an den Bereich der Olympiaplätze stimmt auch bei ihnen.

Wie sieht es mit dem Leichtgewichts-Doppelzweier bei den Männern aus?

Stofer:Da ist leider der Handbruch bei Michael Schmid dazwischengekommen. Es ist natürlich nicht der Idealfall, wenn du in einem Projekt, bei dem du weisst, dass es noch einen Schritt nach vorne braucht, einen vorübergehenden Personalwechsel hast. Aber von der Physis her passt es. Die Frage ist, ob Michael Schmid und Daniel Wiederkehr es nun rechtzeitig im Zweier zusammenbringen.

Viele der angesprochenen Athleten sind noch jung. Selbst wenn sie die Olympiaqualifikation diesmal nicht schaffen, muss man sich offenbar nicht um die Zukunft der Schweizer Ruderer sorgen.

Stofer:Die meisten von ihnen sind jung, ihre beste Phase kommt erst noch. Die Frage wird allerdings sein, ob sie die Ausdauer haben, bis zu einem Alter um die 30 durchzuhalten. Nach der WM müssen sich diejenigen, die sich da nicht für Olympia qualifiziert haben, die Frage stellen: Verfalle ich in Selbstmitleid, oder gehe ich trotzdem konsequent den Weg weiter?

* Christian Stofer (39) ist seit Oktober 2008 Direktor des Schweizerischen Ruderverbandes. Stofer, der mit der zweifachen Olympia-Silbermedaillengewinnerin Claudia Blasberg verheiratet ist und zwei Kinder hat, gehörte einst selbst zur Weltelite. Im Doppelzweier und Doppelvierer holte er im Weltcup sieben Podestplätze und wurde bei Olympischen Spielen im Doppelvierer je einmal Fünfter und Siebter.

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