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RUDERN: Der Ruder-Pionier Litauens

Der Luzerner Werner Zwimpfer (71) opfert sich für den Rudersport in Litauen auf. Was mit einer rührenden Tat begann, ist zu einer rührenden Lebensgeschichte geworden.
Bespricht sich noch kurz mit seinem litauischen Schützling, bevor dieser das Training auf dem Rotsee beginnt: der Luzerner Werner Zwimpfer (rechts) und der zweifache Skiff-Europameister Mindaugas Griskonis. (Bild Pius Amrein)

Bespricht sich noch kurz mit seinem litauischen Schützling, bevor dieser das Training auf dem Rotsee beginnt: der Luzerner Werner Zwimpfer (rechts) und der zweifache Skiff-Europameister Mindaugas Griskonis. (Bild Pius Amrein)

Stefan Klinger

Es war eines dieser einschneidenden Erlebnisse, bei denen man sich auch nach zig Jahren noch so detailliert an alles erinnert, als wäre es erst gestern passiert. Einer dieser Momente, der das Leben in eine bestimmte Richtung dreht: Als Werner Zwimpfer, damals bei der Rotsee-Regatta für die Betreuung der Gästeteams zuständig, am 7. Juli 1993 gerade Feierabend machen wollte, standen plötzlich Juozas Bagdonas und ­Einius Petkus vor ihm – hungrig, müde und hilflos.

Das Problem der beiden litauischen Ruderer: Während sie mit dem Flugzeug anreisten und alle Papiere richtig ausgefüllt hatten, wurde der Rest der Delegation, der mit dem Auto unterwegs war, an der polnisch-deutschen Grenze vom Zoll wegen unvollständiger Papiere festgesetzt. «Die beiden kamen zu mir und hatten kein Geld, keine Unterkunft und wussten nicht, was sie machen sollten», blickt Zwimpfer zurück, «also habe ich sie halt zu mir nach Hause mitgenommen, für sie gekocht und sie für eine Nacht bei mir einquartiert.»

Schlüsselerlebnis vor 22 Jahren

Ja so ist er eben, der Werner Zwimpfer, der sich stets als «Werni» vorstellt: ein nahbarer, hilfsbereiter, geselliger Kerl, der nicht lange nach Lösungen sucht, sondern selbst anpackt.

Und so hängte er sich damals, nachdem er mit Kochen fertig war, sofort ans Telefon. Er liess seine Kontakte spielen und besorgte dem litauischen Duo noch in der Nacht beim Seeclub Luzern ein Boot sowie beim italienischen Team einen Steuermann. Zwimpfers Gastfreundschaft und Einsatzwillen beeindruckten die Verbandsstrategen in Litauen so sehr, dass sie ihn kurz darauf zu einer Reise in die Hauptstadt Vilnius einluden. Allerdings nicht ohne Hintergedanken. Der Ruderverband des erst 1990 aus der Sowjetunion losgelösten Landes steckte noch in den Kinderschuhen – die litauischen Offiziellen baten Zwimpfer daher um Hilfe. Sie baten ihn, ihren Athleten doch hin und wieder mal ein Trainingslager in Westeuropa zu organisieren.

22 Jahre später sitzt Werner Zwimpfer nun am Ufer des Rotsees und lacht übers ganze Gesicht. Im grünen Trikot des Nationalen Olympischen Komitees von Litauen und mit einer weissen Mütze mit dem eingestickten Namen des Landes auf dem Kopf schwelgt er freudig in den Erinnerungen an damals. Er schwärmt von all dem, was sich seither bei den litauischen Ruderern getan hat, und erzählt voller Eifer, was er alles für den Verband erledigt.

Litauens Athlet bei sich einquartiert

Und das ist eine ganze Menge. Denn seit der heute 71-Jährige im Jahr 2003 sein Luzerner Spielwarengeschäft, heute unter dem Namen «Spielkiste» bekannt, nach 33 Jahren an seine Nachfolger verkauft hat, übernahm er immer mehr Aufgaben. Leistete er davor schon Aufbauarbeit, wurde er danach erst recht zu Litauens Ruderpionier.

Ein paar Beispiele: Er vermittelt dem litauischen Verband immer wieder bei Schweizer Klubs ausrangierte Ruderboote zum Nulltarif. «Inzwischen habe ich schon über 120 nach Litauen gebracht», erzählt er stolz. Er organisiert Trainingslager in der Schweiz, bereitet die Reisen zu den Wettkämpfen in ganz Europa vor und betreut die Athleten dann auch gleich noch vor Ort.

So auch aktuell am Rotsee: Weil die meisten litauischen Ruderer dieser Tage lieber an der Universiade in Südkorea teilnehmen, ist lediglich Mindaugas Griskonis – immerhin zweifacher Europameister im Skiff – in Luzern am Start. Und für ihn scheut Zwimpfer keine Mühen. Er hat Griskonis und dessen Partnerin vom Zürcher Flughafen abgeholt, bei sich daheim in Neuenkirch einquartiert und kocht zweimal am Tag für die beiden. Er begleitet Griskonis bei den Trainings, geht für ihn in die Mannschaftsführersitzungen und hilft ihm bei allem, was anfällt.

Zwimpfer bekommt kein Gehalt

«Ich habe Werni 2002 bei einem Trainingslager in Sarnen kennen gelernt und schätze ihn seither sehr. Er begleitet uns zu allen Regatten und ist sehr wichtig für uns, weil er immer alles sehr gut organisiert», sagt Griskonis, «in Litauen ist Werni übrigens eine Berühmtheit, auch das Fernsehen hat schon über ihn berichtet. Werni ist so berühmt, dass mich andere Sportler immer fragen: Was macht ihr Ruderer anders als wir, dass ihr euch sogar einen Schweizer Manager leisten könnt?»

Die Antwort: nichts. Denn der Werni will gar keinen Lohn. Bei den Reisen zu Wettkämpfen oder Trainingslagern bekommt er zwar alles vom Verband bezahlt, ein Gehalt gibt es aber nicht. «Mein Lohn sind die Medaillengewinne der Athleten», sagt Zwimpfer mit funkelnden Augen, «mir macht das einfach so viel Spass, sie zu betreuen.» Die Liebe zum Rudersport und dem Land, das Wissen etwas Gutes für ambitionierte Sportler zu tun, geht bei dem Olympia-Fünften von 1968 und einstigen Rotsee-Dritten gar soweit, dass er sich ein bisschen Litauisch angeeignet hat.

Als Sportförderer ausgezeichnet

Zwimpfers Einsatz wird längst nicht mehr nur von den Athleten und Verbandsstrategen geschätzt. Im Januar reiste er zur Wahl zu Litauens Sportler des Jahres an, weil zwei seiner Teams ausgezeichnet werden sollten. Was er nicht wusste: Am Ende des Abends sollte er selbst auf der Bühne stehen und eine goldene Trophäe überreicht bekommen – als Litauens Sportförderer des Jahres.

Dass Juozas Bagdonas und Einius Petkus im Juli 1993 gar die Regatta auf dem Rotsee gewannen, sei nur eine Randnotiz. Denn die Geschichte von Litauens Ruderpionier Werner Zwimpfer ist auch so eine richtig rührende.

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