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RUDERN: Kleine Emotionen nach grosser Leistung

Michael Schmid hat sich an der WM im Leicht- gewichts-Doppelzweier einen Olympiastartplatz geholt. Angesichts der Ereignisse in diesem Jahr ist das eine mentale Meisterleistung.
Stefan Klinger, Aiguebelette
Sein Partner Daniel Wiederkehr streckt die Arme in die Höhe, und Michael Schmid lächelt, nachdem sich die Schweizer im B-Final der WM in den Savoyen den Olympia-Startplatz gesichert haben. (Bild: EPA/Olivier Anrigo)

Sein Partner Daniel Wiederkehr streckt die Arme in die Höhe, und Michael Schmid lächelt, nachdem sich die Schweizer im B-Final der WM in den Savoyen den Olympia-Startplatz gesichert haben. (Bild: EPA/Olivier Anrigo)

Die vergangenen Monate haben ihn gezeichnet: Als Michael Schmid rund drei Stunden nach dem vierten Platz im B-Final, der den zehnten Gesamtrang und vor allem die Olympiaqualifikation bedeutete, am französischen WM-See Lac d’Aigubelette entlanglief, nahm er die Glückwünsche der Schweizer Ruderfreunde noch immer recht verhalten entgegen. Rein körperlich hatte sich der 27-Jährige aus Luzern zwar schon wieder einigermassen erholt von den Strapazen des Tages, doch mental war er schlichtweg zu ausgelaugt, um das Erreichte ausgelassen feiern zu können.

«Ich spüre jetzt eine grosse Genugtuung und Erleichterung und freue mich über den Olympiaplatz», sagte Schmid, «aber diese Saison war extrem anstrengend, gerade mental. Ich brauche jetzt erst mal Erholung. Wir hatten die ganze Saison das Messer am Hals.»

Schmids bittere Erinnerung an 2012

Denn Schmid und sein Bootspartner Daniel Wiederkehr mussten unbedingt unter die Top elf an der WM kommen, um sich den Olympiastartplatz zu sichern. Andernfalls wäre ihnen nur noch eine klitzekleine Chance bei einer letzten Qualifikationsregatta im Frühjahr 2016 in Luzern geblieben. Und schon das Wort «Qualifikationsregatta» ruft bei Schmid ein ungutes Gefühl hervor. Denn 2012 musste er schon einmal, damals mit Silvan Zehnder im Boot, versuchen, an diesem Event nach dem Strohhalm zu greifen. Nur zwei Monate vor den Spielen in London platzte dann aber sein Olympiatraum. «Ich wollte auf keinen Fall noch einmal an die Qualifikationsregatta.»

Doch dann gab es für ihn, der letztes Jahr im nicht-olympischen Leichtgewichts-Skiff WM- und EM-Dritter sowie Rotsee-Sieger wurde, seit dem Wechsel in den olympischen Doppelzweier gleich mehrere Rückschläge. Der grösste: Ende Mai brach er sich bei einem Zwischenfall auf dem Velo die Hand. Das kostete ihn die EM-Teilnahme – und vor allem auch wichtige Trainingseinheiten. Ganze vier Wochen konnten Schmid und Wiederkehr nicht gemeinsam rudern. Für eine Crew, bei der schon davor in Sachen Abstimmung noch einiges zu verbessern war, ein herber Rückschlag.

Die Konsequenz: Auf dem Rotsee verpassten sie beim letzten Weltcup vor der WM die Halbfinals und wurden nur 15. «Klar hatten wir gewusst, dass wir am Rotsee-Weltcup nicht top sein würden. Aber wenn die Generalprobe dann in die Hose geht, macht es das im Kopf nicht einfacher», blickt Schmid zurück, «ausserdem musst du viel trainieren, um nicht abgehängt zu werden. Wenn du aber viel trainierst und es dabei nicht läuft, dann wird es mental schwierig.»

Doch Schmid und Wiederkehr kämpften sich durch. Sie veränderten die Sitzordnung und setzten den Luzerner als Schlagmann ein. Sie arbeiteten in mühsamer Kleinarbeit an ihrem Startproblem und der mangelnden Abstimmung. Als das nun an der WM alles einigermassen funktionierte, konnten sie endlich auch von ihrem schon die ganze Zeit starkem physischen Niveau profitieren. «Seit dem Rotsee haben wir einen so grossen gemeinsamen Trainingsblock absolviert wie noch nie», sagt Schmid, «wenn ich sehe, wie sehr wir uns in diesem Zeitraum verbessert haben, bin ich zuversichtlich, dass wir bis Olympia noch einiges auf die anderen aufholen können.» Doch nun stehen für Michael Schmid erst einmal zwei Wochen Ferien an.

Stefan Klinger, Aiguebelette

Doppelvierer: Platz fünf für die «Feuerlöscher»

A-Final kli. Am Ende hatten die Jungs im Schweizer Doppelvierer noch einmal alles aus sich herausgeholt und waren ans Limit gegangen – Barnabé Delarze sogar übers Limit: Denn nachdem Delarze (21), der Neuenkircher Roman Röösli, Augustin Maillefer (22) und Nico Stahlberg (23) als Fünfte des A-Finals die Ziellinie überquert und damit die WM auf einem für das junge Quartett tollen Rang abgeschlossen hatten, war Delarze so erschöpft, dass nur noch die anderen drei zurück an Land ruderten. Dort angekommen, begab er sich erst einmal für ein paar Minuten in ärztliche Betreuung.

Aufschwung mit neuem Trainer
Die Szene war sinnbildlich für das Niveau, auf dem sich die Crew aktuell befindet: Anders als noch vor einem Jahr an den Titelkämpfen von Amsterdam fährt der Doppelvierer nun im A-Final, im Rennen der besten sechs Teams der Welt, nicht mehr weit hinterher. Doch schon der Weg in den A-Final und auf Platz fünf erfordert von ihm eine Höchstleistung. «Im ersten Moment war ich enttäuscht, dass wir keine Medaille geholt haben», sagt Röösli, «aber vor der WM war unser Hauptziel, hier einen Olympiaplatz zu holen – und dass uns das gelungen ist, macht die WM einzigartig.»

Vor allem, weil diese Saison alles andere als nach Plan verlief. Denn nachdem sich das Quartett über den Winter physisch massiv verbessert hatte, war man entsprechend euphorisch in die Saison gegangen. Doch an der EM Ende Mai kam der Rückschlag: A-Final verpasst. Die Folge: Mit Edouard Blanc holte der Verband jenen Trainer zurück, der das Quartett schon früher gecoacht hatte und sich fortan intensiv nur um die vier kümmerte. Und weil sie seit dem Weltcup auf dem Rotsee noch einmal massiv an ihrer Technik feilten, geht es seither bergauf.

«Nach dem Rotsee-Weltcup haben wir einen konsequenten Aufbau gemacht, davor waren wir die ganze Saison nur beschäftigt, irgendwelche Feuer zu löschen», sagt Röösli, «wir wollen eine Olympiamedaille holen. Das ist ein sehr hohes Ziel, aber wir haben in allen Bereichen noch Potenzial. Und wenn jetzt über den Winter alles rund läuft, können wir nächstes Jahr super geile Rennen bestreiten.»

Ruder-WM
Lac d’Aiguebelette (Fr). Olympische Bootsklassen. Finals. Männer. Offene Kategorie. Doppelvierer: 1. Deutschland (Schulze, Wende, Schoof, Gruhne) 5:53,22. 2. Australien 5:54,75. 3. Estland 5:56,34. 4. Grossbritannien 5:57,82. 5. Schweiz (Stahlberg, Maillefer, Röösli, Delarze) 5:58,26.

Zweier ohne: 1. Murray/Bond (Neus) 6:15,83. 2. Foad/Langridge (Gb) 6:22,35. 3. Vasic/Bedik (Ser) 6:25,36.

Vierer ohne: 1. Italien (Di Costanzo, Castaldo, Lodo, Vicino) 5:46,78. 2. Australien 5:48,74. 3. Grossbritannien 5:49,00.

Leichtgewichte. Doppelzweier: 1. Delayre/Azou (Fr) 6:13,38. 2. Fletcher/Chambers (Gb) 6:15,15. 3. Brun/Strandli (No) 6:15,62. – B-Final: 1. Mikolajczewski/Jankowski (Pol) 6:20,25. – Ferner: 4. Wiederkehr/Schmid (Sz) 6:22,04. – Wiederkehr/Schmid im 10. Schlussrang.

Skiff. D-Final: 1. Budko (Ukr) 6:59,38. 2. Kessler (Sz) 7:02,76. – Kessler im 20. Schlussrang.

Frauen. Doppelvierer: 1. USA (Elmore, Eisser, Kalmoe, Coffey) 6:27,07. 2. Deutschland 6:28,41. 3. Holland 6:29,69.

Zweier ohne: 1. Glover/Stanning (Gb) 6:52,99. 2. Prendergast/Gowler (Neus) 6:56,75. 3. Mueller/Logan (USA) 7:00,55.

Leichtgewichte. Doppelzweier: 1. MacKenzie/ Edward (Neus) 6:56,01. 2. Taylor/Copeland (Gb) 6:54,22. 3. McCann/Grobler (SA) 6:55,79. – C-Final: 1. Beleaga/Lehaci (Rum) 7:01,25. – Ferner: 4. Rol/Merz (Sz) 7:03,79. – Rol/Merz im 16. Schlussrang.

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