RUDERN: Rotsee gibt Schmid Power

Michael Schmid will beim Weltcup auf dem Rotsee im Leichtgewichtseiner seinen Erfolg vom Vorjahr wiederholen. Der Start in der nichtolympischen Klasse soll ihm im Hinblick auf Olympia 2016 helfen.

Stefan Klinger
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Der Luzerner Michael Schmid startet heute auf dem Rotsee um 9.25 Uhr. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Der Luzerner Michael Schmid startet heute auf dem Rotsee um 9.25 Uhr. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Im Fall von Michael Schmid ist es mehr als nur ein belangloses Sprichwort: «Morgenstund hat Gold im Mund.» Es ist ein Satz, mit dem sich so mancher gezwungene Frühaufsteher «halblebig» tröstet, wenn der Wecker mal wieder viel zu früh geklingelt hat. Für den 26-Jährigen aus Luzern ist es dieser Tage jedoch das Motto beim Heim-Weltcup auf dem Rotsee. Vorlauf heute um 9.25 Uhr, Halbfinal morgen um 9.12 Uhr und – im Optimalfall – Final am Sonntag um 10.05 Uhr. Das hört sich zwar nicht allzu früh an, doch das täuscht. Immerhin muss Schmid schon vier Stunden vor seinem Wettkampf raus aus dem Bett.

72,5 Kilogramm als Gewichtslimit

Denn die erste Entscheidung in den Rennen des Leichtgewichtseiners fällt an Land. Zwei Stunden vor dem Start darf Schmid höchstens noch 72,5 Kilogramm wiegen. Ein Gewicht, das er nicht mal eben locker-flockig erreicht. Vielmehr bewegt sich Schmid stets an oder knapp über der Grenze. In den frühen Jahren seiner Karriere war das im Leichtgewichtsrudern vorgeschriebene Gewichtslimit gar eine so grosse Herausforderung für ihn, dass er 2009 und 2010 lieber in der offenen Kategorie antrat, um sich erst einmal ohne Rücksicht aufs Gewicht zu entwickeln.

Und so beginnt für Schmid, der wie alle Schweizer Rotsee-Teilnehmer in dieser Woche im Verbandszentrum in Sarnen wohnt, der Tag auf der Waage. Gefolgt von einer (sehr) kurzen Einheit auf dem Ergometer – je nachdem, wie das Wiegen ausgefallen ist. Knapp zweieinhalb Stunden vor dem Wettkampf gehts dann nach Luzern. An den Ort, wo er vor einem Jahr seinen ersten wichtigen Erfolg feierte. Ein Erfolg, der ihm einen grossen Schub verlieh.

Immerhin wurde Schmid, der schon als Teenager beim Weltcup auf dem Rotsee als Helfer immer alles gab, 2013 Zweiter. Seine erste Weltcup-Medaille, und das dann auch noch bei diesem prestigeträchtigen Rennen in der Heimat. Emotionen pur. Und vor allem: jede Menge Motivation für die Zukunft. «Das hat mir damals extrem viel gegeben», blickt Schmid zurück, «das und die WM ein paar Wochen später sowie die EM vor knapp sechs Wochen haben mir gezeigt, was ich erreichen kann. Sie sind die Bestätigung dafür, dass sich all der Aufwand in den vergangenen Jahren gelohnt hat.» Denn an der WM erreichte er den A-Final und wurde Sechster, an der EM holte er sich die Bronzemedaille. Doch was liegt noch drin für ihn? Wo führt ihn sein Aufstieg unter die Besten in dieser Bootsklasse noch hin? Schmid zuckt mit den Schultern, will sich nicht auf etwas Konkretes festlegen. «Ich habe schon noch weitere Ziele», sagt er, «ich bin sehr motiviert und möchte schauen, was noch möglich ist.»

Schmid trainiert Hochschulsportler

Über allen Zielen schwebt dabei der Traum, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. 2012 ist ihm das nicht gelungen, für die Spiele 2016 in Rio de Janeiro solls klappen. Dass er jedoch auch in diesem Jahr wieder in einer nichtolympischen Bootsklasse antritt, während die internationale Konkurrenz schon mal Kilometer um Kilometer im Olympiaboot frisst, beeinträchtige den Kurs Richtung Rio nicht allzu sehr. «Der Verband wollte uns in diesem Jahr noch einmal in den Kleinbooten haben, um uns individuell weiterzuentwickeln. Ich bin mir sicher, dass ich persönlich davon profitiere, wenn ich im Einer antrete. Nächstes Jahr zählts dann im Vierer, wenn es an der WM um die Olympiaplätze geht», sagt Schmid. «Wir haben einen Athleten-Pool für den Vierer ohne Steuermann, von dem einige schon über Erfahrung im Vierer verfügen und physisch stark sind. Wir müssen es dann eben im Grossboot zusammenbringen.»

Für Schmid ein realistisches Ziel. Und so richtet er weiter alles auf Olympia 2016 aus. Nach seinem Bachelor in Sportwissenschaften und Psychologie wollte er ursprünglich einen Master in Sport oben draufsetzen. Immerhin sieht Schmid, der kürzlich auch eine Konditionstrainerausbildung abgeschlossen hat und bei den Luzerner Hochschulsportlern ein- bis zweimal pro Woche das Krafttraining leitet, im Sportbereich seine berufliche Zukunft. Weil die Möglichkeiten in Sachen Sport-Master in der Schweiz ihm jedoch nicht ganz zusagten, begann er im Frühjahr eben mit dem Psychologie-Master. «Ins Ausland zu gehen, ist für mich bis 2016 keine Option», stellt er klar, «mein Fokus liegt bis zu den Olympischen Spielen auf dem Rudern. Bis dahin werde ich das Studium nicht zu fest forcieren, sondern nur machen, was neben dem Sport drinliegt.»
Ab heute steht jedoch erst einmal der Weltcup auf dem Rotsee an. Dort will Michael Schmid am liebsten eine ähnliche Leistung zeigen wie 2013. Egal, ob am Sonntag die Morgenstund dann Gold, Silber oder Bronze im Mund hat.