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RUDERN: Schmied des eigenen Glücks

Seine Leistungen an internationalen Wettkämpfen lassen aufhorchen: Jan Schäuble (17) steht vor einer hoffnungsvollen Karriere. Diese erleidet in diesen Tagen indes eine krankheitsbedingte Kunstpause.
Roland Bucher
Bereit für neue Höhenflüge: der 17-jährige Jan Schäuble (Hergiswil). (Bild: Roger Grütter (Stansstad, 26. Mai 2017))

Bereit für neue Höhenflüge: der 17-jährige Jan Schäuble (Hergiswil). (Bild: Roger Grütter (Stansstad, 26. Mai 2017))

Roland Bucher

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Das Husarenstück lieferte Jan Schäuble (17) Ende August 2016 an der Junioren-WM in Rotterdam ab. Als jüngster Teilnehmer skullte der Nidwaldner im A-Final auf den von seinem Vereinstrainer Jürgen Träger als «genial» gefeierten fünften Rang: «In diesen Momenten habe ich gespürt», erinnert sich das Mitglied des Seeclubs Stansstad, «dass aus mir etwas werden kann.»

Oder im Klartext: «Mir wurde bewusst, dass ich auch international konkurrenzfähig bin.» Das sei eine unerhörte Motivation gewesen, sich – um in der Ruderersprache zu verbleiben – noch härter in die Riemen zu legen. Auch wenn – lassen wir dieses Detail beiseite – Jan halt nicht Riemenruderer ist, sondern skullt.

Mama gab die Initialzündung

Klein Jan, heute immerhin 184 Zentimeter lang, übte sich früher in anderen Sportarten. «Tennis und Skifahren», erzählt er, das seien seine ersten Schritte in die sportliche Aktivität gewesen. Doch dann trat Mama Sabine auf den Plan: Die wie ihr Gemahl aus Deutschland stammende Frau trat 2008 dem Ruderclub Stansstad bei. Jan war schnell begeistert, trat ein Jahr später dem Verein bei: «Ich wusste nicht ganz genau, was da auf mich zukommt», lächelt der junge Mann, «aber es dauerte nicht lange, da hats mir den Ärmel so richtig reingezogen.» Übrigens: Papa Günter komplettierte das Familientrio ein Jahr später. «Regatten gerudert sind meine Eltern nie, sie sind aber trotzdem meine Vorbilder», richtet Jan Schäuble eine Gruss- und Dankesadresse aus.

Indes verdiente sich Jan Schäuble seine Sporen so schnell ab, dass er dem absoluten Anfängerstatus schnell einmal entwich und sich an den Grössen in der regionalen Ruderszene zu orientieren begann. Zum Beispiel an Michael Schmid, dem 29-jährigen Luzerner, der soeben am Sonntag in Racice (CZE) Gold im Leichtgewicht-Einer skullte. Womit wir auch dem kleinen Geheimnis näherkommen, weshalb nicht Luzerner Ruder-Übergrösse und Olympiasieger Mario Gyr eine Vorbildfunktion einnahm: «Mario ist ein Riemenruderer», erklärt Jan Schäuble, «und da lag mir Michael als Skuller natürlich näher.» Michael habe ihn immer beeindruckt, auch in persönlichen Gesprächen, in denen Tricks und Kniffe ausgetauscht wurden: «Ich mag ihm dieses EM-Gold so sehr gönnen.»

Und, glänzt auch Jan Schäuble einmal in der Goldwährung? «Ich weiss, dass ich die Begabung besitze, ein guter und erfolgreicher Wettkampfruderer zu werden», sagt er, «und ich spüre auch die Unterstützung des Verbandes.» Aber: «Ich bin eher ein zurückhaltender Typ und posaune nicht gerne mit grossen Worten herum.» Immerhin, so viel ist ihm zu entlocken: «Ich werde in einem Jahr meine schulische Ausbildung am Kollegium in Stans abgeschlossen haben. Dann werde ich noch intensiver auf die Karte Rudern setzen.» Mit einem im Hinterkopf weit hinten deponierten Traumziel: «Einmal an Olympischen Spielen dabei zu sein – das wäre die Krönung.»

Comeback auf dem Rotsee

Nun, Olympia ist nicht jenes Zauberwort, das Jan Schäuble in diesen Tagen prägt, es ist eher die Suche nach vollständiger Genesung von einer Krankheit, die ihn vor ein paar Wochen überfiel: das Pfeiffer-Drüsenfieber. «Im Moment ist nicht an Wettkampfeinsatz zu denken», berichtet der Hergiswiler, «das hat der Arzt ziemlich strikt untersagt.» Er darf momentan auch nicht jene 12 bis 16 Stunden wöchentliches Training durchziehen, die seit einiger Zeit seinen Alltag bestimmen. «Ich will meine gute Form unter allen Umständen konservieren», betont der Sportler, der sich später beruflich in der Chemiebranche oder in der Wirtschaft etablieren möchte, «denn in sechs Wochen stehen die Schweizer Meisterschaften auf dem Rotsee an.»

Dort will er einmal mehr den Beweis antreten, dass mit ihm in Zukunft zu rechnen ist. Und wenn ihm Anfang August in Trakai (Litauen) an den Junioren-Weltmeisterschaften gar noch eine Verbesserung dieses fünften Platzes vor Jahresfrist gelingen würde, dann wäre die hoffnungsvolle Karriere des Jan Schäuble definitiv in Stein gemeisselt. Er sei bereit, alles, was er an Kräften aufbringen könne, für das Rudern einzusetzen. Oder, um es in den Worten seines Lebensmottos zu formulieren: «Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.»

Und, zum Schluss noch eine Randbemerkung, Jan Schäuble? «Ja», sagt er artig bescheiden, wenn noch ein Plätzchen zu finden sei, «dann erwähnen Sie doch, dass mich mit Vereinstrainer Jürgen Träger und Nationaltrainer John Faulkner zwei unglaublich engagierte Leute fordern und fördern. Ihnen beiden habe ich sehr viel zu verdanken.»

Auf dass es dort ende, wo Vorbild Michael Schmid am Sonntag für Jan Schäuble die äusserst hohe Messlatte setzte.

Steckbrief von Jan Schäuble

Geboren 29. Dezember 1999
Wohnort Hergiswil
Grösse 1,84 Meter
Gewicht 69 Kilogramm
Ausbildung Schüler am Kollegium Stans
Verein Seeclub Stansstad
Trainer Jürgen Träger und John Faulkner
Kader Nationalteam Junioren
Klasse Einer und Zweier
Erfolge 2017: Rang 6 Junioren-EM Einer
2016: Rang 5 Junioren-WM; Rang 7 Junioren-EM Einer;
Schweizer Meister Einer und Zweier
Vorbilder Michael Schmid sowie meine Eltern

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