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RUDERN: Seit 1962 dreht sich alles ums Rudern

Der Nidwaldner Urs Fankhauser holte 24-mal den Schweizer-Meister-Titel in der Elitekategorie. Der 73-Jährige ist am Wochenende einmal mehr am Rotsee im Einsatz.
Claudio Zanini
Die Begeisterung für den Rudersport ist für den 73-jährigen Urs Fankhauser aus dem nidwaldnerischen Hergiswil nach wie vor ungebrochen, hier am Ufer des Rotsees. (Bild Boris Bürgisser)

Die Begeisterung für den Rudersport ist für den 73-jährigen Urs Fankhauser aus dem nidwaldnerischen Hergiswil nach wie vor ungebrochen, hier am Ufer des Rotsees. (Bild Boris Bürgisser)

Claudio Zanini

Urs Fankhauser setzt sich im neuen Ruderzentrum am Rotsee an einen Tisch und sagt: «In erster Linie bin ich erleichtert, dass das neue Ruderzentrum rechtzeitig auf diese Saison fertiggestellt wurde und die Finanzierung gesichert ist.» Schön sei es, dass er dies noch in seiner Rolle als Verbandsfunktionär erleben dürfe, meint der 73-Jährige zufrieden.

Mit dem Rotsee verbindet Fankhauser einiges. Das Gewässer ziehe sich gar «wie ein roter Faden» durch sein Leben. Zum einen hat er alle vier bisherigen Weltmeisterschaften dort miterlebt. Immer in einer anderen Funktion: als junger Zuschauer (1962), Aktiver (1974), Verbandsfunktionär (1982) oder OK-Mitglied (2001). Zum andern ist er seit 2005 als Chef Regattawesen im Ruderverband für die Koordination von Regatten in der ganzen Schweiz zuständig. Und als Delegierter des Verbands half er mit, die Naturarena Rotsee zu realisieren.

Der vermeintlich kluge Schachzug

Nun hat sich die Ruderszene also wieder in Luzern einquartiert. Ende Mai waren noch Venezolaner, Briten oder Russen da. Es ging um Olympiatickets und Weltcup-Medaillen. An diesem Wochenende trifft sich die nationale Elite. Fankhauser erinnert sich an den ersten Grossanlass am Rotsee – WM 1962. «Da waren am Finaltag 45 000 Zuschauer vor Ort.» Die deutschen Teams dominierten die Konkurrenz nach Belieben. In sechs der damals sieben Bootsklassen räumten sie Gold ab. Fankhauser ruderte zu diesem Zeitpunkt zwar schon, war aber noch Junior. Angefangen hatte alles, als bei einem schulärztlichen Untersuch festgestellt wurde, dass der Viertklässler zu schnell in die Höhe schoss. «Der Arzt sagte, ich müsse rudern, um mit dem Rücken keine Probleme zu bekommen.» Da er von der Physiognomie her geradezu prädestiniert war für den Sport, bekam er Spass daran. «Lange Beine sind natürlich für die Hebelverhältnisse besser», erklärt Fankhauser.

Also stieg er ein ins Ruderboot und wurde erfolgreich. Bis zum Karriereende würde sein Palmarès 24 Schweizer-Meister-Titel beinhalten. Zweimal startete Fankhauser bei den Olympischen Spielen. Als 25-Jähriger durfte er erstmals in Mexiko 1968 teilnehmen. «Da die Wettkämpfe in Mexiko auf 2000 Metern über Meer stattfanden, gingen wir als Vorbereitung fünf Wochen nach St. Moritz ins Höhentraining.» Der vermeintliche Vorteil, den sich das Schweizer Team erhoffte, funktionierte jedoch nur in der Theorie. «Wir trainierten im September auf dem Silvaplanersee – Olympia fand ja erst im Oktober statt. In St. Moritz schneite es morgens ab und zu. Wenig später hatten wir 35 Grad in Mexiko – und geschätzte 90 Prozent Luftfeuchtigkeit.» Die Zeit für die Akklimatisierung reichte den Schweizern nicht. Der Medaillentraum platzte. Auch vier Jahre später, in München 1972, ging Urs Fankhauser leer aus. Aber immerhin reichte es beide Male zum olympischen Diplom.

Auch ohne olympischen Ruhm gehört der mittlerweile in Hergiswil wohnhafte Nidwaldner zu den erfolgreichsten Ruderern in der Schweiz. Rudern als Spitzensport zu betreiben, war für ihn die beste, wenn auch eine harte Lebensschule. «Durchhaltevermögen und mentale Stärke habe ich nicht zuletzt dem Spitzensport zu verdanken, der Sport schult einen. Man lernt, für die Tätigkeiten nach der aktiven Karriere sich zu organisieren und alles unter einen Hut zu bringen», führt er aus.

Bei den «Old Boys» im Boot

Direkt nach der Karriere wechselte er ins Funktionärsamt. Während 12 Jahren war er Chef Leistungssport im Schweizerischen Ruderverband. Und da trieb er die Professionalisierung des Sports voran. Es war die Zeit, als die westlichen Nationen im Allgemeinen einen Sprung machten. «In den 70er- und 80er-Jahren waren die DDR, die Russen und die Neuseeländer viel professioneller aufgestellt bezüglich Trainingsmethodik. Aber Ende der 80er-Jahre holten Frankreich, Italien, England, aber auch weitere westliche Nationen wie die Schweiz, die USA und Kanada auf.»

Auch Luzern hat gegenüber anderen Ruderdestinationen Boden gutgemacht mit dem schmuckvollen Ruderzentrum. Die Bewährungsprobe auf internationaler Ebene haben die neuen Ruderanlagen bereits bestanden. Auf nationaler Ebene wird dies am Wochenende geschehen. Fankhauser ist zusammen mit dem Direktor des Schweizerischen Ruderverbandes, Christian Stofer, für die Organisation des Anlasses verantwortlich. Die Vorarbeiten seien abgeschlossen – jetzt wolle er die Schweizer Meisterschaften einfach geniessen. Er selbst rudert immer noch – mit den «Old Boys» des Seeclubs Luzern, einer Gruppe von Herren in fortgeschrittenem Alter. «Das ist immer noch etwas vom Schönsten: morgens von Luzern in Richtung Küssnacht oder Hergiswil über den See zu gleiten.» Seine anhaltende Begeisterung wird wohl vermeiden, dass er demnächst das Ruder aus der Hand gibt ...

Schweizer Meisterschaften, Luzern

Programm. Samstag: 9.30–20.00 Vorläufe und Halbfinals. – Sonntag: 7.15–16.20 (Finals)

Ort: Rotsee.

Infos/Startzeiten: www.ruderverband.ch

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