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Cupsieger-Coach Rudi Gutendorf wollte 2014 zurück an die Seitenlinie zum FCL

Luzerns Cupsieger-Trainer von 1960, Rudi Gutendorf, ist 93-jährig gestorben. Der sehr umtriebige Deutsche hatte total 55 Trainerstationen.
Daniel Wyrsch
Rudi Gutendorf (damals 34) führte den FC Luzern 1960 im Cupfinal in Bern gegen Grenchen zum ersten Pokal der Klubhistorie. (Bild: PD)

Rudi Gutendorf (damals 34) führte den FC Luzern 1960 im Cupfinal in Bern gegen Grenchen zum ersten Pokal der Klubhistorie. (Bild: PD)

Das Palmares des FC Luzern ist kurz. Drei Titel in 118 Jahren. Zwei deutsche Trainer führten den FCL zu diesen Pokalen: Der am 18. November 2017 im Alter von 77 Jahren in Kriens verstorbene Friedel Rausch feierte mit den Innerschweizern 1989 den Meistertitel und 1992 den Cupsieg, Rudi Gutendorf errang mit der von Captain Paul Wolfisberg angeführten Mannschaft 1960 die erste Cuptrophäe.

Am Freitag ist der Fussball-Weltenbummler 93-jährig im Beisein seiner Familie friedlich eingeschlafen (siehe Meldung vom Sonntag). Der Koblenzer steht mit 55 Trainerstationen in 32 Ländern auf fünf Kontinenten im Guinness-Buch der Rekorde und verdiente sich so einen besonderen Übernamen.

Aufsehen erregendes Interview um VfB Stuttgart

Seinen letzten offiziellen Trainerjob hatte Rudi Gutendorf 2003 als Nationalcoach von Samoa, seither sind 16 Jahre vergangen. Trotzdem: «Rudi Rastlos», wie er oft genannt wurde, ging bis weit über das Pensionsalter seiner geliebten Arbeit nach. Bis 77 war er also aktiv, doch heisst das nicht, dass er danach nicht offen gewesen wäre, sich der Herausforderung Bundesliga erneut zu stellen. In der ZDF-Talkshow Markus Lanz gab er freimütig zu, dass er einem Angebot des FC Schalke 04 nicht widerstehen könnte. Damals war er 87-jährig.

Den VfB Stuttgart hätte Gutendorf vor vier Jahren noch einmal wundersam retten wollen, wie schon anno 1966. «Der VfB hat mich angerufen», erzählte der alte Kämpe jedenfalls einem Radiojournalisten in einem Aufsehen erregenden telefonischen Interview im Südwestfunk. Nur: Die Stuttgarter behaupteten eisern, Gutendorf habe sich im Abstiegskampf selbst angeboten. Aus einem Engagement wurde nichts. Doch aus der Optik des 1926 geborenen Trainers wäre klar gewesen: Er hätte den VfB Stuttgart noch einmal vor dem Fall in die Zweitklassigkeit bewahrt, da plagten Gutendorf nicht die geringsten Zweifel.

Babbel bekam in Luzern den Vorzug

Dass Rudi Gutendorf im Greisenalter zurück an die Seitenlinie wollte, erfuhr der Schreibende dieses Artikels persönlich. Im Herbst 2014 war das Luzerner Projekt mit Trainer Carlos Bernegger und Sportchef Alex Frei in Schieflage geraten. Aus elf Spielen resultierten lediglich fünf Punkte. Anfang Oktober war mit der vierten aufeinanderfolgenden Niederlage in Sion (1:3) der Tiefpunkt erreicht.

Auf der Rückfahrt, kaum spurte ich das LZ-Auto auf die Autobahn ein, klingelte mein Handy. Am anderen Ende grüsste mich Rudi Gutendorf freundlich. Er fragte, wie denn Luzern gespielt habe. Als ich ihm kundtat, dass der FCL tief in der sportlichen Krise steckt, machte Gutendorf das kühnste Angebot, das ich je aus dem Mund eines 88-jährigen Menschen gehört habe: «Wenn die Luzerner Verantwortlichen mich wollen, stehe ich ab nächster Woche als Trainer zur Verfügung.» Mir verschlug es fast die Sprache. Kurz stellte ich mir vor, wie wohl Alex Frei reagieren würde, sollte Gutendorf ihm seine Coachingdienste anbieten... Doch dann stellte ich dem legendären Trainer, der in seinem Leben so viel erlebt hatte, die unvermeidliche Frage. «Entschuldigung Herr Gutendorf, sind Sie noch in der Lage, junge Profis zu trainieren?» Er hatte die Antwort schon bereit: «Ich bringe zwei junge Assistenztrainer mit.»

Bernegger wurde tags darauf freigestellt, ersetzt wurde er durch Markus Babbel – mit damals 42 Jahren ein Jungspund im Vergleich zu Gutendorf.

Wolfisberg glättete Wogen zwischen Trainer und Mannschaft

«Ohne Job zu sein, ist wie ein Drogenentzug», haderte Gutendorf mal in einem Interview. Dabei musste er erkennen, dass im heutigen Fussball fast nur noch auf dynamische Jungtrainer gesetzt wird. Die späte Rückkehr auf die Trainerbank blieb ihm damit verwehrt, dennoch hatte Gutendorf ein einzigartiges und abwechslungsreiches Trainerleben geführt. Dankbar hatte er an seinem 90. Geburtstag festgestellt, «dass ich gesund aus den gefährlichsten Ecken der Welt herausgekommen bin». Vielleicht hat er gerade darum in den letzten Jahren seines Lebens Flüchtlinge trainiert.

Luzern war ein angenehmer Ort für Gutendorf. Ihm gefiel die Stadt am See, nirgendwo arbeitete er länger. Sechs Jahre blieb er zwischen 1955 und 1961, 1958 stieg er mit dem FCL in die NLA auf. Nur Friedel Rausch (1985 bis 1992) stand auf der Allmend länger an der Seitenlinie.

Der Cupsieger-Captain von 1960, Paul Wolfisberg (86), sagte gestern Montag: «Rudi Gutendorf war ein super Typ, man konnte mit ihm reden. Wenn er mal einen Spieler schlecht behandelte, sagte ich es ihm. Er schätzte meine Einflussnahme.»

Trainer Rudi Gutendorf (stehend links) und seine Luzerner Cupsieger-Mannschaft von 1960 mit Captain Paul Wolfisberg (mit dem Pokal). (Bild: PD)

Trainer Rudi Gutendorf (stehend links) und seine Luzerner Cupsieger-Mannschaft von 1960 mit Captain Paul Wolfisberg (mit dem Pokal). (Bild: PD)

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