Rücktritt von Football-Star trübt Vorfreude auf den Super-Bowl

Am Sonntag ermittelt die NFL ihre beiden Super-Bowl-Teilnehmer. Der Rücktritt des Stars Luke Kuechly wirft indes Schatten auf die Liga.

Nicola Berger
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Luke Kuechly bei seiner Abschiedsvorstellung Ende 2019.

Luke Kuechly bei seiner Abschiedsvorstellung Ende 2019.

Bild: Jacob Kupferman/Getty

Eigentlich ist das Play-off eine wunderbare Zeit für die National Football League NFL und ihren Kommissionär Roger Goodell. Ab Anfang Januar bis zur Super-Bowl vom 2. Februar steht der Sport im Zentrum; es sind Wochen, die gut sind für das Geschäft einer Liga, die pro Saison fast 16 Milliarden Dollar umsetzt. Weil ausnahmsweise kaum jemand diese lästigen Themen anspricht: Gesundheitsrisiken, Hirnschäden, Rassismus.

Doch dann betätigte sich Luke Kuechly als Partycrasher. Kuechly ist einer der besten Defensivspieler der NFL, ein Aushängeschild der Carolina Panthers. Oder eher: Er war das. Denn am Mittwoch verkündete Kuechly überraschend seinen Rücktritt, mit 28 Jahren und trotz einem Vertrag, der ihm bis 2021 gegen 25 Millionen eingebracht hätte. Seine Gesundheit war ihm mehr wert. Denn die Liste an Menschen, die für eine lange Karriere im American Football einen sehr hohen Preis bezahlt haben, ist lang. Die Folgeschäden können gravierend sein, es gibt zahllose Fälle von Spielern, die schwere Hirnschäden davontrugen und früh starben, weil sie ihrer Karriere bis zur Selbstaufgabe alles unterordneten. Und weil die Gladiatorenmentalität nirgendwo so tief verankert ist wie in der Macholiga NFL: dass es zum guten Ton gehört, Alarmsignale des Körpers zu ignorieren.

Stars lassen sich Rücktritte Millionen kosten

Bei Kuechly ist es anders. In seinem Abschiedsvideo sagte er:

«Ich würde gerne weiterspielen, aber ich glaube nicht, dass das der richtige Entscheid wäre.»

Kuechly ist innert Jahresfrist der dritte namhafte Profi, der sich frühzeitig aus der Liga zurückzieht. 2019 waren schon Andrew Luck (Indianapolis Colts) und Rob Gronkowski (New England Patriots) zurückgetreten, ehe sie 30 wurden. Beide liessen sich den Entscheid Millionen kosten. Vor ihnen traten in dieser Dekade bereits die Linebacker Patrick Willis und NaVorro Bowman sowie der Offensivspieler Calvin Johnson im Zenit ihres Schaffens zurück. Nicht jeder Fall ist gleich gelagert, aber es scheint, dass sich bei der aktuellen Generation ein Mentalitätswechsel vollzogen hat: Es stellen sich nicht mehr alle ewiglich in den Dienst eines Teams, damit ein milliardenschwerer Besitzer noch mehr Geld scheffeln kann, während sie sich selber enormen Risiken aussetzen. Gronkowski, Luck und Kuechly haben finanziell selber längst ausgesorgt; sie fällten aus Selbstschutz Entscheide der Vernunft.

Ein weiterer Spieltag aus reiner Profitgier?

Die Liga muss die Rücktrittswelle beunruhigen. Dass Posterboys im besten Alter die Karriere beenden, weil sie nicht wissen, ob sie sonst unbeeinträchtigt leben können: Es wirft einmal mehr ein Schlaglicht auf die NFL, deren Entscheidungsträger die Saison zukünftig aus reiner Profitgier gerne um einen zusätzlichen Spieltag erweitern würden.

Dabei sind die Abschiede von Kuechly, Gronkowski und Luck auch ein Mahnmal dafür, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als Geld und Entertainment – so hochklassig dieses auch sein mag.


Das Warten der Chiefs

Super Bowl

Seit 1969 haben sich die Kansas City Chiefs nie mehr für eine Superbowl qualifiziert. Nun könnte das Warten ein Ende haben: im AFC-Championship-Game gegen die Tennessee Titans sind die Chiefs der grosse Favorit. In der Vorwoche kanterte Kansas City die Houston Texans nach zwischenzeitlichem 0:24-Rückstand mit 51:31 nieder, der virtuose Quarterback Patrick Mahomes erlebte eine weitere Sternstunde und warf fünf Touchdowns. Coach der Chiefs ist der rührige Andy Reid, der beste aktive Trainer, der noch nie eine Super Bowl gewonnen hat. In der zweiten Partie duellieren sich die favorisierten San Francisco 49ers mit den Green Bay Packers. Beide Spiele werden auf ProSieben live übertragen. Die Superbowl findet am 2. Februar in Miami statt.