RUGBY: Das Ei ist bereit für den Anstoss

Auf dem Kunstrasen Schönenbüel in Unterägeri kämpfen die Frauen um den Europameistertitel. Stefan Gisler hat ein besonderes Highlight.

Andrea Muff
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Stefan Gisler sieht sich zusammen mit dem Zuger Rugby Club als Gastgeber an der Rugby-EM in Unterägeri. (Bild Stefan Kaiser)

Stefan Gisler sieht sich zusammen mit dem Zuger Rugby Club als Gastgeber an der Rugby-EM in Unterägeri. (Bild Stefan Kaiser)

Andrea Muff

Von diesem Spiel trägt man nicht nur Grasflecken auf den Trikots davon. Hartes Tackling ist an der Tagesordnung, und in manchen Kabinen stehen Badewannen mit Eis bereit, um nach dem Spiel die lädierten Knochen und Muskeln zu kühlen. Auch an dieser Frauen-Rugby-Europameisterschaft (EM) wird es zur Sache gehen, wenn die Frauen-Teams aus Belgien, Tschechien, Russland und der Schweiz um den Titel kämpfen. Zum ersten Mal wird die Frauen-Europameisterschaft in der Schweiz ausgetragen. Genauer in Unterägeri auf dem Kunstrasen Schönenbüel.

Stefan Gisler, Vorstandsmitglied von Zug Rugby Club, freut sich sehr über die Gastgeberrolle seines Clubs. «Es ist ein sehr schöner Ort zum Spielen», bestätigt er. Der Kunstrasen sei der erste in der Schweiz mit einer permanenten Feldzeichnung für Rugby gewesen. Zudem sind hier schon zwei Länderspiele der Frauen und Trainings ausgetragen worden. Auch habe die Gemeinde Unterägeri die Veranstaltung sofort unterstützt, dafür sei er sehr dankbar.

Einer für alle, alle für einen

Die Mitglieder des Rugby Clubs sind für den Barbetrieb zuständig und stehen am Grill. Sie stellen die Infrastruktur bereit, bauen die Tribünen und sammeln den Abfall ein. All das gehört zu den Aufgaben der Gastgeber: «Ich persönlich freue mich, all die Rugby-Fans zu empfangen», sagt Stefan Gisler.

Denn der Zuger übt selbst diesen Sport aus und ist zudem als Schiedsrichter tätig. «An der EM darf ich als Linienrichter zum ersten Mal international pfeifen», freut er sich. Auch sonst lobt er die körperbetonte Sportart. «Es ist ein sehr schöner Mannschaftssport. Jeder ist auf die Unterstützung seiner Mitspieler angewiesen.» Ganz besonders betont er die sogenannte dritte Halbzeit, auf die auch auf internationalem Parkett nicht verzichtet wird. «Das heisst, die Heimmannschaft lädt zu Bier und Grill ein», erklärt der passionierte Spieler.

Rugby ist ein sehr taktisches Spiel, und mit diesem Wettbewerb im Ägerital soll der Sport auch einem breiteren Publikum gezeigt werden. «Rugby gehört vor allem in der Deutschschweiz immer noch zu den Randsportarten», stellt Gisler fest. Denn die Begeisterung für Rugby schwappte von Frankreich her zu uns über. «Deshalb hat es im Welschen viel mehr Rugby-Clubs», erklärt Gisler. Die Organisatoren sind am Sonntag bei den Finalspielen mit drei- bis vierhundert Zuschauern zufrieden.

So ist die Deutschschweizer Frauen-Rugby-Landschaft überschaubar. Auch der Zug Rugby Club führt keine Frauen-Teams. Die erste Mannschaft der Männer spielt allerdings in der Nati B. Die meisten Spielerinnen der Nationalmannschaft stellen der Grass­hoppers-Club Zürich, Red Zone Bern/Yverdon und der Rugby Club Luzern.

Tatsächlich macht der 47-jährige Zuger auch einen spielerischen Unterschied zwischen den Frauen und Männern aus: «Frauen sind härter im Nehmen. Sie stecken klagloser ein.»

Mannschaft kann mithalten

Dank starken Resultaten haben sich die Schweizer Frauen in die Top 15 von Europa gespielt. Deshalb dürfen sie dieses Jahr schon zum zweiten Mal an der Europameisterschaft teilnehmen. Die Endrunde wird nun in Unterägeri gespielt. Im 6 Nations Cup spielen die besten sechs Rugby-Mannschaften Europas, dazu gehören England, Schottland, Frankreich, Italien, Irland und Wales. Die Europameisterschaft ist nach ihm der zweithöchste Wettbewerb.

Schon heute Abend spielt die Schweiz den Halbfinal gegen Russland. «Das Team gibt sich sehr kämpferisch und gibt nie auf. Damit steht für mich eine Topleistung im Vordergrund», analysiert Stefan Gisler die Chancen der Frauen-Nati. Er denke, dass sie mit den anderen Mannschaften mithalten kann.

Wann spielen die Schweizerinnen?

mua. Heute eröffnet Belgien gegen Tschechien um 16 Uhr die Halbfinalrunde. Die Schweizerinnen müssen um 18.30 Uhr gegen die Russinnen antreten. Am Sonntag um 11 Uhr wird um den dritten Platz gespielt, und um 14 Uhr folgt das grosse Finale. Der Eintritt für die Spiele ist frei. Mit einer Festwirtschaft wird für das leibliche Wohl gesorgt.