Rund 76 Millionen Franken Umsatz – «Der FCL ist ein Innerschweizer KMU»

Das letzte Halbjahr war schwierig für den FCL. Auch wegen der wirtschaftlichen Bedeutung muss der Ligaerhalt oberstes Ziel sein.

Daniel Wyrsch
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Jubel nach dem 3:0-Sieg im Testspiel von Marbella gegen Gaz Metan aus Rumänien (von links): Lucas Alves, Idriz Voca, Eric Tia Chef und Marco Burch.

Jubel nach dem 3:0-Sieg im Testspiel von Marbella gegen Gaz Metan aus Rumänien (von links): Lucas Alves, Idriz Voca, Eric Tia Chef und Marco Burch.

Martin Meienberger/Freshfocus (17. Januar 2020)

Der vergangene Herbst war einer zum Vergessen für den FC Luzern. Zuerst übten sich die Geldgeber Bernhard Alpstaeg, Samih Sawiris, Hans Schmid und Marco Sieber in Selbstzerfleischung. Schliesslich ging es um nichts weniger als die Mehrheitsanteile am Klub.

Dann schwappte die Krise Ende Oktober auch über auf die Mannschaft. Diese verlor beinahe zwei Monate lang jedes Spiel in der Super League – nach sechs Niederlagen in Serie kann sich der FCL glücklich schätzen, dass mit dem FC Thun und Neuchâtel Xamax zwei Teams noch schlechter dastehen. Doch für Trainer Thomas Häberli war nach neun Monaten und 33 Ligapartien mit 39 Punkten (1,18 pro Match) trotz einem heroischen 2:1-Heimsieg über Basel am Ende der Hinrunde Schluss.

Der Klub braucht ein starkes Aktionariat

Umso wichtiger ist die zuvor fixierte Vereinbarung zwischen den Aktionären Alpstaeg, Sawiris, Schmid, Sieber und Vizepräsident Josef Bieri, für die Finanzen des FCL bis zumindest Sommer 2021 geradezustehen – und somit die Lizenz für die kommende Saison sicherzustellen.

Obwohl Luzern die vergangenen zwei Geschäftsjahre dank den Verkäufen von Torhüter Jonas Omlin (zu Basel), Trainer Gerardo Seoane (zu YB) und Ruben Vargas (zu Augsburg) insgesamt über 6,5 Millionen Franken eingenommen hat und eben diese beiden Saisons mit schwarzen Zahlen abschloss, ist für FCL-Finanzchef Richard Furrer klar: «Wir brauchen ein starkes Aktionariat.» Das heisst mit anderen Worten: Es besteht keine Sicherheit, dass jedes Jahr derart hohe Transfereinnahmen einen Verlust verhindern.

Für den neusten Geschäftsbericht hat die FC Luzern-Innerschweiz AG zusammen mit der Swiss Football League (SFL) eine Studie über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Fussballspiele in Auftrag gegeben, welche die FC-Luzern-Gruppe während der Saison 2018/19 ausgerichtet hat. Auftragnehmer waren die Rütter Soceco AG, ein privates Forschungsunternehmen aus Rüschlikon, und das Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern. Damit wurde eine während der Saison 2013/14 gemachte Studie auf den neusten Stand (Update) gebracht.

FCL-Finanzchef Richard Furrer.

FCL-Finanzchef Richard Furrer.

PD (16. November 2016)

Richard Furrer, Leiter Finanzen, stellt fest: «Der FCL ist ein Innerschweizer KMU.» Tatsächlich gehört der Super-Ligist mit einem Umsatz von knapp 76 Millionen Franken zu den Klein- und Mittelunternehmen.

Über 40 Millionen Franken Bruttowertschöpfung

Entscheidender findet Furrer aber den Bruttowertschöpfungseffekt. Er entspricht dem von einem Unternehmen in einer bestimmten Zeitperiode geschaffenen Wertzuwachs. Zum Beispiel 5.00 Franken pro Bratwurst, wenn der Standbetreiber diese für 7.50 verkauft und sie beim Metzger für 2.50 Franken bezogen hat. «Wir erzielten letzte Saison eine Bruttowertschöpfung von über 40 Millionen Franken», sagt Furrer, «das ist stark.»

Die Wertschöpfung ausserhalb des Kantons stammt beispielsweise von den Fans bei Auswärtsspielen für die Reise, Eintritte, Verpflegung und teils auch Unterkünfte. Der insgesamt hohe Anteil des Effekts in der übrigen Schweiz ist vor allem dadurch bedingt, dass viele Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette ihre Vorleistungen aus anderen Teilen des Landes beziehen.

Ausgelöstes Steuervolumen beträgt 3,8 Millionen

Nicht weniger stolz ist Richard Furrer auf die total 324 Vollzeitstellen, die in Zusammenhang mit dem FCL in der vergangenen Spielzeit gebracht werden können. Neben den «normalen» Angestellten des FCL flossen in diese Zahl auch «indirekte» Arbeitskräfte mit ein. Zum Beispiel diejenigen Personen, die beim Verband oder beim Ausrüster Craft in Neuenburg für den FCL zuständig sind.

Die Zahlen «beweisen den Wert der Marke FC Luzern», so Furrer. Im Umkehrschluss zeigen sie auch, wie wichtig der sportliche Erfolg unter dem neuen Trainer Fabio Celestini ist. In der am Samstag beim FC Zürich beginnenden Rückrunde muss darum das prioritäre Ziel sein, den Klassenerhalt zu schaffen. Ein Abstieg hätte nicht zuletzt wirtschaftlich massive Folgen.

Der FCL zahlte 3,4 Millionen Franken Steuern plus 400'000 Franken Billettsteuern, «die nur in Luzern erhoben werden», betont Furrer. Davon profitieren andere hiesige Sportvereine.