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Interview

EVZ-Alatalo und sein Vater im Interview: «Wir müssen sicher die Mutter beruhigen»

Am Sonntag (17.45 Uhr) spielt der EV Zug im Cup-Achtelfinal beim EHC Visp. Dabei trifft EVZ-Verteidiger Santeri Alatalo auf Vater Matti.
Sven Aregger
Sohn Santeri Alatalo (Verteidiger EV Zug) und Vater Matti Alatalo (Trainer EHC Visp) vor dem Cupspiel. (Bild: Nadia Schärli, Zug, 17. Oktober 2019)

Sohn Santeri Alatalo (Verteidiger EV Zug) und Vater Matti Alatalo (Trainer EHC Visp) vor dem Cupspiel. (Bild: Nadia Schärli, Zug, 17. Oktober 2019)

Donnerstagabend in Zug, der EHC Visp gastiert in der Swiss League bei der EVZ Academy. Vor dem Spiel treffen sich Visp-Trainer Matti Alatalo und Zug-Verteidiger Santeri Alatalo in der Sportsbar der Bossard-Arena zum finnischen Familienaustausch. Matti, der Vater, und Santeri, der Sohn, treten am Sonntag gegeneinander an – im Cup-Achtelfinal zwischen Visp und dem EV Zug.

Wie oft sitzen Sie zusammen an einem Tisch?

Matti Alatalo: So oft wie möglich, aber wegen unseres Berufs ist das nicht einfach. Zumindest telefonieren wir ein- oder zweimal pro Woche.

Um welche Themen kreisen die Gespräche?

Santeri Alatalo: Vor allem um Hockey. Wir reden aber auch über die Familie, über das Leben im Wallis, in Zug und in Finnland, wo meine Schwester wohnt.

Matti Alatalo, Sie interessieren sich für Kunst und Kultur und lesen viel. Sprechen Sie darüber mit Santeri?

Matti Alatalo: Wir Älteren haben eher Zeit zum Lesen. Santeri vertieft sich momentan in Schulbücher.

Santeri Alatalo: Ich absolviere ein finnisches Fernstudium, den Bachelor in Betriebswirtschaft.

Matti Alatalo: Wir diskutieren daher eher über gesellschaftliche Themen, vieles dreht sich um die Schweiz.

Der Vater

Trainer Matti Alatalo (60) stammt aus dem nordfinnischen Oulu. Weil sein Potenzial als Hockeyprofi limitiert war, absolvierte er ein Sportstudium und amtete als Assistenztrainer des Eishockeyteams der Cornell University im US-Bundesstaat New York. Acht Jahre war er Headcoach in der höchsten finnischen Liga (Liiga), wobei er auf fast 500 Spiele kam. 2000 feierte er als Assistent mit dem ZSC den Meistertitel und war später Cheftrainer des Farmteams GCK Lions. Seit 2017 ist er im EHC Visp engagiert, sein Vertrag läuft bis 2021. (ars)

Wer hat denn mehr Schweizer Eigenarten übernommen?

Matti Alatalo: Santeri geht allein schon wegen seines perfekten «Schwiizerdütsch» als Schweizer durch. Und ich verstehe jeden Dialekt. Für unsere Familie war immer sehr wichtig, dass wir uns bestmöglich integrieren. Als ich Trainer in Zürich wurde, war Santeri 5 Jahre alt. Er hat in der Schule schnell Kollegen gefunden, diese Freundschaften bestehen bis heute.

Santeri Alatalo: Als mein Vater später den Job beim Klub JYP übernehmen konnte, kehrten wir vorübergehend nach Finnland zurück. Ich war damals 12 und es war schwierig, mit meinen Schweizer Freunden in Kontakt zu bleiben, es gab ja noch keine sozialen Medien. Trotzdem hat es funktioniert.

Was ist die Schweiz für Sie?

Santeri Alalalo: Heimat. Die Schweiz ist genauso unser Zuhause wie Finnland. Es ist schwierig zu sagen, ob wir mehr Finnen oder mehr Schweizer sind. Wir können uns beide vorstellen, nach unserer Karriere in der Schweiz zu bleiben.

Was unterscheidet das Leben in der Schweiz von jenem in Finnland? Fehlt Ihnen hier etwas?

Santeri Alatalo: Schweizer und Finnen haben eine ähnliche Mentalität, sie sind zurückhaltende Menschen. Am meisten vermisse ich das finnische Essen.

Matti Alatalo: In Finnland isst man mehr Fisch, hier ist es eher fleischlastig. Manchmal sehne ich mich nach dem tiefen, schneereichen Winter im Norden. Dafür ist in der Schweiz der Sommer sehr lang, das geniesse ich auch.

Finnland wurde dieses Jahr Weltmeister. Haben Sie mitgefiebert?

Santeri Alatalo: Ja, es war verrückt, wie die Menschen reagiert haben, wie gross ihre Freude war. Ich gratulierte Toni Rajala und Harri Pesonen (Stürmer des EHC Biel und der SCL Tigers, Anm. d. Red.), auch mit einigen Nationalspielern meines früheren Klubs Hämeenlinna hatte ich Kontakt.

Was bedeutet der Titel fürs Land?

Matti Alatalo: Sehr viel. Eishockey ist Nationalsport in Finnland. Der Erfolg stärkt das Selbstbewusstsein des Landes, er bringt die Menschen zusammen. Wir wissen, dass wir etwas können, dass wir etwas erreicht haben. Für ein kleines Land mit beschränkten Ressourcen war der Triumph phänomenal.

Gibt es Parallelen zwischen der finnischen und der Schweizer Hockeykultur?

Santeri Alatalo: Als ich 2012 in der damaligen NLA begann, war die höchste finnische Spielklasse noch stärker. Aber inzwischen gibt es hier viele gute Ausländer und Coaches. Sie bringen grosses Wissen ins Schweizer Eishockey. Die Schweizer waren läuferisch und technisch schon immer hervorragend, jetzt machen sie auch in Sachen System und Hockey-Sense stetig Fortschritte. Man sieht das in der Champions League: Vier Schweizer Teams stehen in den Achtelfinals, Finnland stellt bloss ein Team.

Matti Alatalo: Die National League ist inzwischen besser als finnische Liiga. Die Ausländer sind hier auf Topniveau, in Finnland gibt es weniger und vor allem auch weniger talentierte Importspieler. Die Liiga hat einen ausgeprägten Ausbildungscharakter, viele junge Talente reifen heran, das zeigt sich auch in den NHL-Drafts. In der Schweiz gefällt mir das Swissness-Motto der Nationalmannschaft. Die Spieler sind heute wieder stolz, ihr Land zu vertreten. Der Erfolg des Nationalteams in den vergangenen Jahren ist kein Zufall, er basiert auf der guten Arbeit der Klubs.

Der Sohn

Verteidiger Santeri Alatalo debütierte 2012 mit dem HC Davos in der höchsten Schweizer Spielklasse. Seit 2013 ist der Finne mit Schweizer Lizenz, der aus dem Nachwuchs des finnischen Klubs HPK Hämeenlinna kommt, für den EV Zug tätig. Er hat bei den Zentralschweizern noch einen Vertrag bis 2021. Der spielstarke und offensiv tatkräftige 29-Jährige war nie besser als in der vergangenen Saison, er erhielt die meiste Eiszeit im Team und war mit elf Assists der produktivste Zuger Verteidiger in den Playoffs. (ars)

Ihre Klubs treffen am Sonntag im Cup aufeinander. Was ging Ihnen bei der Auslosung durch den Kopf?

Matti Alatalo: Wir hatten da eine Vorahnung. (lacht) Vor der Auslosung sagten wir uns: Hoffentlich gibt es dieses Duell. Und als es dann Tatsache war, freuten wir uns sehr. Wir spielen ja zum ersten Mal gegeneinander.

Hat Visp gegen Titelverteidiger Zug eine Chance?

Matti Alatalo: Der EVZ ist ein grosses Kaliber. Aber wir müssen an die Sensation glauben. Vielleicht erwischen die Zuger einen schlechten Tag – und wir wachsen über uns hinaus.

Santeri Alatalo: Der EHC Visp ist das Team der Stunde, reiht Sieg an Sieg und schiesst haufenweise Tore. Wenn wir denken, dass es ein lockerer Abend wird, geraten wir in Schwierigkeiten.

Visp hat ein neues Stadion und ist einer der ambitioniertesten Klubs in der Swiss League. Allerdings scheiterte das Team zuletzt zweimal in den Viertelfinals. Wie gross ist der Druck?

Matti Alatalo: Ich konzentriere mich nicht darauf, was im Februar oder März sein wird. Im Vordergrund steht die tägliche Arbeit. Und wenn ich den Job gut mache, wird sich das im Laufe der Saison auszahlen.

In den vergangenen beiden Saisons mussten Sie auch Kritik einstecken.

Matti Alatalo: Kritik gehört dazu. Nach über 1000 Spielen in den zwei höchsten Schweizer Spielklassen berührt mich das nicht mehr. Ich kenne meine Fähigkeiten und kann Kritik aushalten.

Fallen Sie eigentlich in den Trainermodus, wenn Sie die Leistungen Ihres Sohnes bewerten?

Matti Alatalo: Ich sehe mich als Mentor, dabei geht es um mentale Aspekte. Als Vater willst du dich um deine Kinder kümmern. Aber ich mische mich nicht in die Arbeit der Zuger Trainer ein. Die wissen genau, was sie machen. Ich bin jedenfalls stolz auf Santeri.

Santeri Alatalo: Als Bub rannte ich meinem Vater ins Training hinterher. Er hat mich aber nie unter Druck gesetzt, die Leidenschaft für Eishockey musste von mir selber kommen.

Ist das Cup-Spiel Anlass zu einem Familientreffen?

Santeri Alatalo: Dafür bleibt wohl keine Zeit. Aber wir müssen bestimmt meine Mutter beruhigen, da sie immer stark mitfiebert. Wir wissen allerdings noch nicht, wem sie die Daumen drücken wird. Das werden wir wohl erst nach dem Spiel erfahren.

Schweizer Cup

Achtelfinals. Sonntag, 13.00: Langenthal – Bern. – 13.30: Biel – Ambri-Piotta. Davos – Lugano. – 15.30: ZSC Lions – Genève-Servette. – 15.45: Rapperswil-Jona Lakers – Fribourg-Gottéron. Olten – SCL Tigers. – 17.30: Ajoie – Lausanne. – 17.45: Visp – Zug.

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