SARNEN: Switzerland Marathon light: Glücksgefühle dank Temporausch

Der 4. Switzerland Marathon light um den Sarnersee wird zu Formtests genutzt. Bei tiefen Temperaturen und perfektem Laufwetter gehen die Tagessiege an Sisay Yasew und Helen Bekele (Äthiopien).

Jörg Greb
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Der Sarner Halbmarathon erfreut sich grosser Beliebtheit. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 3. September 2017))

Der Sarner Halbmarathon erfreut sich grosser Beliebtheit. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 3. September 2017))

Jörg Greb

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Gut ein Kilometer war zurückgelegt, Sarnen verlassen, und der Blick in die Laufrichtung zeigte Überraschendes: Schnee auf den Berggipfeln um den See und Schnee bis weit hinunter bei den Berner Alpen am Horizont. Erschreckend wirkte dies für die wenigsten der Läuferinnen und Läufer. Endlich Laufwetter, ideale Temperaturen und durch den Regen aufgefrischte und reine Luft. Das animierte. So drückten die Äthiopier Sisay Yasew und Temesgen Daba vom ersten Meter an aufs Tempo. Und einer hängte an: Adrian Lehmann, der Halbmarathon-Europameister mit dem Schweizer Team vor 13 Monaten. «Eigentlich sind diese beiden Kollegen schneller als ich, aber ich wollte etwas wagen», sagte der 27-Jährige. Und schliesslich hat es ja auch jenes Ergebnis vom vergangenen Mai am GP Bern gegeben, als Lehmann Yasew überspurtete.

Die Hoffnung auf einen Vollerfolg hatte Lehmann allerdings früh zu begraben. Nach rund zwei Kilometer oder einem Zehntel der Distanz liess er die Widersacher ziehen. Doch vor allem mit Daba blieb er in Sichtkontakt. Und bei der ersten richtigen Bergabpassage bei Kilometer 15 vermochte er aufzuschliessen. «Ich liess es ‹tschädere›, und rasch war ich dran», so Lehmann. Rund zehn Minuten später nutzte er seine Stärke erneut und setzte sich ab. Nach 1:06:22 Stunden und 2:25 Minuten nach Sieger Sisay überquerte Lehmann mit einer Siegerpose die Ziellinie als Zweiter.

Vorbereitung in eigenem Höhenzimmer

«Nicht top, aber auch kein Flop», bilanzierte er. Er blieb deutlich über seiner Halbmarathon-Bestmarke. Indem er aber nicht erholt angetreten war, erklärte sich das Ergebnis. «Mein Aufbau ist auf den Berlin-Marathon ausgerichtet, und ich fuhr das Training für dieses Rennen nicht zurück», sagte Lehmann. Wie Neuenschwander (siehe Box) hat auch er sich mit Höhentraining vorbereitet. Im Gegensatz zur Rekordhalterin allerdings nicht in der Höhenlage des Engadins, sondern im eigenen Höhenzimmer zu Hause in Bern. Und weil er das Resultat unter den ungewöhnlichen Umständen betrachtete, bilanzierte er: «Es ging weniger um eine Zeit denn ums Gefühl. Und dieses war gut.» Ebenso, weil es ihm gelang, die an sich selbst gestellten mentalen Aufgaben zu meistern.

Nicht aufs Gefühl verlassen musste sich Helen Bekele. Die Äthiopierin aus Genf unterstrich mit ihren 1:09:48 Stunden ihre Topverfassung. Sie verbesserte sich um mehr als 90 Sekunden. Den Streckenrekord von Maja Neuenschwander unterbot sie um 2:36 Minuten.

Röthlin mit Steigerungslauf

Nicht mit Rekordabsichten stieg ein Altbekannter ins Rennen: Viktor Röthlin. Erstmals seit seinem Rücktritt vor drei Jahren befestigte sich der Marathon-Europameister von 2010 eine Startnummer auf der Brust. «Schlag den Vik» hiess die Prüfung innerhalb des Rennens. Zuhinterst lief der Initiant sein Rennen an. Stetig steigerte er seinen Rhythmus, und auf dem letzten Kilometer drehte er auf. Allen, die ihn schlugen, winkte ein Spezialpreis. Als «extrem cool» empfand er das Rennen, zumal er ganz unterschiedliche Konstellationen und Kontakte mit Mitkonkurrenten erlebte. Nach 1:37:50 Stunden war Röthlin im Ziel.

Von den Innerschweizern sorgten Andreas Meyer (Luzern) als Zwölfter in 1:12:49 und Andrin Kelly (Schattdorf) als 17. in 1:16:26 für die besten Männerklassierungen im Halbmarathon. Mit Sandra Müller-Rausch (Engelberg) als Siebte mit 1:28:05 und Alexandra Wallimann (Kerns) als 11. mit 1:29:51 lieferten die Frauen-Topergebnisse. Über die 10-km-Distanz musste sich Yvonne Kägi (Gettnau) nur von Aude Salord (Horgen) schlagen lassen. Bei den Männern belegte Philipp Arnold (Cham) Platz 3.

Hinweis

Ranglisten auf www.switzerland-marathon-light.ch