SC CHAM: Missverhältnis in der Transferbilanz

Von sieben Zuzügen des Sportclubs sind fünf Verteidiger. Angesichts von vier Abgängen von Defensivkräften ist letztere Zahl nicht erstaunlich. Doch diese einseitige Transferbilanz rächt sich im offensiven Bereich schon im ersten Spiel.

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Nach dem Abgang des Vereinsrekordspielers Reto Scherer findet sich mit Roman Dätwyler nur noch ein einziger echter Stürmer im Kader. Und dieser fehlt am Mittwochabend zum Saisonauftakt in Bavois (20.00, Peupliers) – ferienhalber. «Er hat früh kommuniziert, dass er zu diesem Zeitpunkt weg sein wird», sagt Chams Trainer Jörg Portmann.

Es ist nicht so, dass die Chamer dieser Situation sehenden Auges begegnet wären: Der Sportchef Marcel Werder verpflichtete mit Omar Thali (22) vom SC Kriens einen vielversprechenden Angreifer. Doch der Zuger und frühere Schweizer Nachwuchsnationalspieler ist trotz unterschriebenen Vertrags abgesprungen. Thali ist dem Lockruf einer Agentur erlegen, die Fussballer mit Matura an amerikanische Universitäten vermittelt. Dort nehmen sie ein Studium auf und spielen parallel für das Team der Schule. In einer offiziellen Mitteilung schreibt Werder: «Der Zeitpunkt für die Auflösung des Vertrages so kurz vor Saisonstart ist natürlich alles andere als optimal und zeigt einmal mehr auf, wie schnelllebig und unverbindlich das Fussballgeschäft mittlerweile geworden ist.»

Herger muss es heute richten

Hinter diesen Floskeln des nach aussen hin immer sehr ruhigen Sportchefs verbirgt sich eine tiefe Verärgerung – nicht zuletzt über die Machtlosigkeit: Einen Spieler zu zwingen, ist nicht zielführend, vor allem nicht im Amateurbereich. Werder sucht gegenwärtig nach einem neuen Stürmer. Heute in Bavois wird aller Voraussicht nach der eigentliche Zehner Roman Herger im Sturm spielen und sich an den Verteidigertürmen abarbeiten. «Er ist physisch nicht so stark wie Dätwyler. Aber dank seiner Spiel­intelligenz kann er das wettmachen», ist Trainer Portmann überzeugt. Dass er Tore schiessen kann, hat Herger letzte Saison bewiesen: Mit elf Treffern war er zweitbester Schütze hinter Dätwyler (13).

(bier)