Kriens-Trainer Bruno Berner: «Vielleicht ist dieses Coronavirus eine Chance für uns alle, umzudenken»

So erlebt Bruno Berner, der Trainer der Krienser Challenge-League-Fussballer, den Corona-Lockdown.

Turi Bucher
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Er stand schon länger nicht mehr im Stadion: Kriens-Trainer Bruno Berner.

Er stand schon länger nicht mehr im Stadion: Kriens-Trainer Bruno Berner.

Dominik Wunderli

Seit die Coronawelle durch unser Land rollt und nebenbei auch den Fussballbetrieb mit sich riss, sitzt Bruno Berner (42) der Trainer des SC Kriens aus der Challenge League, daheim. Berners Frau arbeitet weiterhin, in Zürich im Rechtsdienst einer Bank. Kriens, das ist in diesen schwierigen Zeiten auch für die Berners nicht das Thema Nr. 1. Der ehemalige Profi von GC, Basel, Freiburg, Leicester City oder Blackburn hütet daheim die Kinder im Alter von 10 und 8 Jahren und sagt: «Ich will jetzt nicht gleich von einer neuen Weltordnung sprechen. Aber vielleicht ist dieses Coronavirus für uns alle eine Chance, eine Gelegenheit, umzudenken und zu handeln»

Mit «uns allen» meint Berner auch jene aus dem Fussball-Business. «Jene, die 300000 Franken pro Woche verdienen, jene, die nicht mehr wissen, was ein Fünfliber wert ist.» Diese Denkpause könne in diesem Business, das ein ungesundes Mass angenommen habe, «helfen, einen neuen Verteilschlüssel anzuwenden. Ich rede von Vereinen und Fussballern, die am Hungertuch nagen, denn es ist bei weitem nicht so, dass jeder professionelle Fussballer ein Millionär ist».

Mehr Respekt, Anstand und Diskretion

Der SC Kriens, das ist gut zu spüren, wenn Berner in diesem Corona-März redet, muss an die dritte, vierte Stelle rücken, jetzt wird über die Kleinfeld-Spielfeldrand hinaus geschaut. «Vielleicht können wir alle aus dieser Durststrecke unsere Lehren ziehen. Im Fussball wie im täglichen Leben hat die Ich-Bezogenheit ein Übermass angenommen, ist viel weniger Toleranz vorhanden. Ich wünsche mir für die Menschen mehr Respekt, mehr Anstand, mehr Diskretion auch.» Berner erwähnt in diesem Zusammenhang auch Christian Streich, den Trainer des deutschen Bundesligavereins SC Freiburg. Er, Streich, sei einer, der auch mal über das Leben spricht, über die Dinge fern von den 90 Minuten.

«Ich verneige mich vor jedem einzelnen Mediziner»

Fussball findet bis auf weiteres nicht statt. Kriens- Trainer Bruno Berner vervollständigt unterdessen drei «Was-wäre-Wenn-Fragen».  

Wenn das Coronavirus überstanden ist, «dann gedenke ich zuerst den Menschen, die das Virus nicht überlebt haben. Danach verneige ich mich vor jedem einzelnen Mediziner und Helfer für die unermüdlichen Einsätze während dieser Zeit. Und dann dürfen wir nicht einfach wieder in den alten Trott zurückfallen, sondern unsere Lehren mit der bestmöglichen Analyse für die gemeinsame Zukunft ziehen.»  

Wenn der SC Kriens wieder spielen kann, «dann freuen wir uns riesig aufeinander, auf jedes einzelne Training und jedes einzelne Spiel.»

Wenn der SC Kriens es sogar noch in die Barragespiele schafft, «dann ziehen wir es voll durch und steigen in die Super League auf.» (tbu.)

In seiner täglichen Home-Office-Arbeit steht für Berner der SCK im Moment zwar nicht an vorderster Stelle, doch sei er mit Bruno Galliker und Werner Baumgartner mehrmals wöchentlich in Kontakt. Die individuellen Trainingspläne sind an die SCK-Fussballer verteilt, «auch wenn der SC Kriens nicht über die technologischen Mittel verfügt, dass wir jeden Spieler kontrollieren könnten, ob er sich auch an die Fitness-Richtlinien hält. Die wissen selber, was sie zu tun haben», signalisiert Berner Vertrauen.

Fussballerisch kann er sich aktuell deshalb vor allem um die Prüfungsarbeiten für die Uefa-Pro-Trainerlizenz kümmern. Einmal im Besitz dieser Lizenz, könnte er Schweizer oder europäische Spitzenvereine coachen. Ein einwöchiger Gastbesuch bei einem ausländischen Verein im Mai oder im Juni ist wegen des Coronavirus vorläufig verschoben. «Die theoretische Prüfung in Form einer Abschlussarbeit und die praktische Prüfung stehen noch aus», erzählt Berner. Die praktische Prüfung findet in Form eines Trainings mit seiner SCK- Mannschaft statt. Dieses Training wird dann von einem Experten beurteilt. Die Prüfungstermine: Die bestimmt Corona.

Als Fussball-Experte des Schweizers Fernsehens muss Berner, wie viele andere Leute in anderen Branchen auch, zur Zeit mit einem Lohnausfall leben, und was die Verlängerung seines Trainervertrages in Kriens betrifft, sagt er: «Stillstand.»

Wieso eigentlich keine Sommermeisterschaft?

Berner vertritt die Haltung, dass die Meisterschaft 2019/2020 wenn immer möglich zu Ende gespielt werden sollte. Innerhalb von zwei, drei Wochen mit Trainingsaufbau wäre sein Team, sagt Berner, wieder parat. Ein sofortiger Start der Ernstkämpfe ohne Trainingsvorlaufzeit kann sich Berner nicht vorstellen. «Das muss professionell organisiert sein, sonst riskieren wir verletzte Spieler». Aber Berner versichert: «Wenn es wieder losgeht, wird die Freude bei allen riesig sein, wird viel Adrenalin ins Blut gepumpt.»

Berner findet übrigens, dass die Meisterschaft, wird sie denn bis Ende Sommer noch fertig gespielt, auch «ein Steilpass» (Berner) für eine sogenannte Sommermeisterschaft, wie sie auch in Russland und in skandinavischen Ländern gespielt wird, sein könnte. Eine Saison, in der es nur eine Vorbereitungsphase Anfang Jahr gibt und in der in den Sommermonaten Mai, Juni, Juli voll durchgespielt wird. «Ich zähle mich zu den Befürwortern», sagt Berner.

Auf dem Whatsapp-Status von Kriens-Trainer Bruno Berner steht zur Zeit: «Show Resilience – Zeig’ Widerstandsfähigkeit und Ausdauer.» Er sei ein ausdauernder Mensch, sagt er, «ich halte nichts von kurzfristigem Erfolg, ich strebe Nachhaltigkeit an.» Die Resilience-Botschaft sei schon seit einiger Zeit auf seinem Handy gespeichert, erklärt Berner. «Sie hat nichts mit dem Coronavirus zu tun.» Aber es ist eine Botschaft, welche in diese schwierigen Tage passt.