SCHACH: Er hat die nächsten Züge schon im Kopf

Der Chamer Cyrill Leuthold liebt das Spiel mit König und Dame. Um seine Fähigkeiten am Brett zu verbessern, nutzt er viele Informationsquellen.

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Cyrill Leuthold liebt das Spiel mit den Figuren und hat sich mittlerweile zum Mannschaftskapitän der Aktiven emporgearbeitet. (Bild: Stefan Kaiser)

Cyrill Leuthold liebt das Spiel mit den Figuren und hat sich mittlerweile zum Mannschaftskapitän der Aktiven emporgearbeitet. (Bild: Stefan Kaiser)

Marco Morosoli

Cyrill Leuthold ist ein Hüne. Obwohl er erst im März 17 Jahre alt wird, ist er mit einer Grösse von 1,85 Metern schon tüchtig in die Höhe geschossen. Doch bei der Sportart Schach, die er leidenschaftlich betreibt, spielt die körperliche Konstitution eine eher untergeordnete Rolle. Ausdauer ist aber trotzdem gefragt: «Ich sitze bei meinen Spielen oft drei bis vier Stunden am Brett.» Das fordert nicht nur den Geist. Am vergangenen Wochenende hat Cyrill Leuthold mit dem Juniorenteam des Schachklubs Cham in der Schweizerischen Junioren-Mannschaftsmeisterschaft (SJMM) in Winterthur gegen Riehen und den lokalen Klub gespielt. Die Ennetseer spielten gegen beide Teams remis. In der ersten Runde hatten die Chamer, die in der obersten Spielklasse agieren, gegen Gonzen noch mit 0,5 zu 3,5 verloren. Leuthold war dabei mit einem Remis gegen seinen Widersacher für die einzige Erfolgsmeldung besorgt.

Täglich eine Dosis Schach

Der 17-jährige Kantonsschüler ist bereits ein erfahrener Spieler. Er sass schon mit zehn Jahren am Brett. Zum Königsspiel gebracht hat ihn wohl sein Vater, dieser hat aber immer nur hobbymässig Jagd auf König und Dame gemacht. Immerhin konnte sein Sohn bei Partien gegen ihn Selbstvertrauen aufbauen. Er sagt zu diesen Begegnungen am Brett in familiärer Atmosphäre: «Wenn ich gegen meinen Vater spiele, gewinne ich immer.» Öfter steht Leuthold aber im Klubtraining im Chamer Lorzenstübli, das wöchentlich einmal stattfindet, am Brett. Doch auch sonst lässt ihn die Denksportart selten los: «Ich beschäftige mich jeden Tag mit dem Schachspiel.»

Mittlerweile hat er eine Eröffnungsvariante verinnerlicht, die bei jeder Partie zum Zuge kommt: «Das ist natürlich ein Nachteil, aber als Amateur fehlt mir einfach die Zeit, um verschiedene Eröffnungsvarianten anzuwenden.»

Zeitdruck ist für ihn kein Problem

Vor einer Partie verzichtet Cyrill Leuthold auf jeglichen Firlefanz: «Ich stelle immer schnell alle Figuren auf.» Eine Vorliebe hat er jedoch schon: «Ich bevorzuge das Spielen mit den schwarzen Figuren.» Mit dem Zeitdruck am Brett kommt der in Zug wohnhafte Kantonsschüler eigentlich sehr gut zurecht: «An der Mannschaftsmeisterschaft hat jeder zwei Stunden Zeit, um 40 Züge zu machen.» Dieses Zeitfenster habe er bis anhin aber nie ganz ausgereizt. Beim Spielen hat Leuthold immer eine Uhr auf Mann, die ihm anzeigt, wie viel Bedenkzeit ihm noch bleibt. Um beim Spielen effizient zu sein, hat Cyrill Leuthold immer den nächsten Zug schon in Gedanken im Kopf. Das spart auf die Dauer nicht nur Zeit, sondern auch Nerven.

Steter Kampf um die Rangierung

Nicht ins Gepäck gehört hingegen das Smartphone: «Ich habe keine Probleme damit, einmal vier Stunden auf dieses Kommunikationsmittel zu verzichten.»

In seiner sechsjährigen Zeit als Aktiver hat sich das Mitglied des Schachklubs Cham sukzessive nach vorne gearbeitet. Derzeit hat er eine ELO-Zahl diese zeigt die Stärke eines Spielers an – von 1679 Punkten. Um dieses Level zu halten oder aber gar zu verbessern, muss Leuthold so viele Partien wie möglich erfolgreich gestalten. «Gewinne ich eine Partie gegen einen stärker eingestuften Gegner, dann bringt mir dies ELO-Punkte. Resultiert hingegen eine Niederlage, dann hat dies den Verlust von ELO-Punkten zur Folge», sagt Leuthold.

Zum Vergleich: Ein Weltklassespieler wie der Norweger Magnus Carlsen kommt derzeit auf eine ELO-Zahl von 2862. Gegen den skandinavischen Könner würde Leuthold natürlich gerne einmal am Brett stehen, er macht sich diesbezüglich allerdings keine Illusionen: «Das wird wohl nicht möglich sein.» Aber eine Partie des Norwegers nachspielen kann Leuthold ja alleweil. Heute gibt es im Internet zahlreiche Plattformen, die Partien zum Nachspielen anbieten.

Die Ruhe in Person

Solche Studien helfen dann natürlich Cyrill Leuthold auch, um sein eigenes Spiel zu verbessern. Wichtig ist für den Kantonsschüler beim Spiel am Brett ein Faktor: «Ich muss immer ruhig bleiben. Verlierst du im Schach, dann bist du immer selber schuld. Die Schiedsrichter kannst du für eine Pleite nicht verantwortlich machen.» In seiner Freizeit hat es der Chamer Klubspieler eher mit Mannschaftssportarten. Das mag daher rühren, dass er früher selber einmal beim EV Zug Eishockey gespielt hat. Auch Fussball stand bei ihm früher hoch im Kurs. «Ich musste mich aber auf einen Sport konzentrieren, als ich in die Kantonsschule übergetreten bin», sagt der Schüler, der schon eine genaue Vorstellung hat, was er einmal studieren will: Wirtschaft.

Dem Schach will er aber die Treue halten: «Von diesem Sport leben können nur solche, die an der Spitze mitmischen. Doch davon träume ich nicht einmal. Schachspielen macht mir Spass.» Und er ist dabei auch gut unterwegs. Im Vorjahr hat er am Luzerner Open, der offenen Zentralschweizer Meisterschaft, in sieben Partien nur einmal verloren. Er erkämpfte sich dabei vier Punkte und landete in der Schlussabrechnung auf dem sehr guten 13. Platz.

Leuthold kann sich aber nicht nur bei den Junioren behaupten. Der 17-Jährige ist auch Leiter der Chamer Aktiven geworden, welche in der 3.-Liga-Meisterschaft mitmachen.

Die Ennetseer haben dabei ein grosses Ziel: den Aufstieg in die 2. Liga. Und dieser lässt sich immer noch realisieren. Cham liegt derzeit auf dem 2. Tabellenplatz.