SCHIESSEN: Er trifft fast immer ins Schwarze

Auf nationaler Ebene hat Fabio Wyrsch schon mehrfach für Furore gesorgt. Nun möchte sich der 17-jährige Urner erstmals für die U-21-Europameisterschaften qualifizieren.

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Fabio Wyrsch setzt mit seinem Luftgewehr im Schützenhaus von Altdorf am 10-Meter-Stand zum Schuss an. (Bild Urs Hanhart)

Fabio Wyrsch setzt mit seinem Luftgewehr im Schützenhaus von Altdorf am 10-Meter-Stand zum Schuss an. (Bild Urs Hanhart)

Urs Hanhart

Fabio Wyrsch befindet sich im Schützenhaus von Altdorf. Im dortigen 10-Meter-Stand absolviert er eine wettkampfnahe Trainingssession. Zunächst zwängt er sich in seine massgeschneiderte Schiessjacke und streift an der linken Hand einen Spezialhandschuh über. Danach nimmt er sein futuristisch anmutendes Hightech-Luftgewehr, legt einen Diabolo in den Lauf, schliesst den Verschluss, um den Ladevorgang zu beenden, legt die Waffe an, visiert die Scheibe einige Sekunden an, drückt ab und trifft genau ins Zentrum des kleinen schwarzen Punktes. Nach mehreren Schüssen, die alle nahezu am identischen Fleck einschlagen, verrät der 17-jährige Schattdorfer: «Ganz wichtig ist, dass man immer den gleichen Ablauf hat und diesen auch verinnerlicht. Nur so ist es möglich, sich voll zu konzentrieren und total zu fokussieren.»

Wyrsch weiss wovon er spricht. Er zählt im Juniorenbereich zu den besten Luftgewehr- und Kleinkaliberschützen in der Zentralschweiz. Seit einem Jahr gehört er dem schweizerischen Regionalkader an. Seinen grössten Erfolg als Einzelschütze erzielte der junge Urner 2014, als er sich an der Luftgewehr-Schweizer-Meisterschaft in der U-17-Kategorie die Bronzemedaille sichern konnte. Kürzlich belegte der angehende Elektroinstallateur beim Meyton-Cup, einem international stark besetzten Wettkampf in Innsbruck, den sehr guten 4. Platz. Aus zeitlichen Gründen konzentriert sich Wyrsch auf das 10-Meter-Schiessen mit dem Luftgewehr und das 50-Meter-Schiessen mit dem Kleinkalibergewehr. In diesen beiden olympischen Disziplinen schätzt er sich selber in etwa gleich stark ein.

In den Fussstapfen des Vaters

«Das Schiessen verlangt eine enorme Präzision und auch sehr viel Disziplin. Alles muss perfekt sein, wenn man reüssieren will. Das finde ich faszinierend», sagt der talentierte Urschweizer. Dass sich Wyrsch ausgerechnet dem Schiesssport verschrieben hat, kommt nicht von ungefähr, wie er verrät: «Mein Vater Paul Wyrsch, der auf nationaler Ebene noch immer zu den Besten gehört, hat mich schon als Kind regelmässig zum Schiessstand mitgenommen. So habe ich ebenfalls für diese Sportart Feuer gefangen.» Das nötige Talent hat Sohnemann Fabio offensichtlich in die Wiege gelegt bekommen. Aber Talent allein reicht wie in den meisten anderen Sportarten auch im Schiessen nicht, wenn man es weit bringen will. Fabio Wyrsch ist sich dessen bewusst und investiert deshalb viel Zeit und Energie, um sich der angestrebten Perfektion immer mehr anzunähern beziehungsweise kontinuierliche Fortschritte zu erzielen. Er absolviert drei Einheiten pro Woche mit reinem Schiesstechniktraining, zweimal am Swiss-Olympic-Labelstandort Zentralschweiz in Luzern und einmal in Altdorf. Hinzu kommen noch regelmässige Besuche im Fitnessstudio und Mentaltrainings. Insgesamt wendet der Nachwuchscrack wöchentlich 14 bis 16 Stunden für seinen Sport auf, was nur dank seines sportfreundlichen Lehrbetriebs (Elektro Planzer AG) möglich ist. Betreut und gecoacht wird er von mehreren Trainern. Seine Haupttrainerin ist Vrena Ryter aus Brittnau.

Schlagzeug, ein idealer Ausgleich

Allerdings betont Wyrsch: «Für mich geniesst die Berufsausbildung oberste Priorität. Diese darf unter dem Sport nicht leiden.» Das zweite grosse Hobby des 1,80 Meter grossen und 72 Kilogramm schweren Athleten ist die Musik. Er spielt bei der Musikgesellschaft Schattdorf als Schlagzeuger. «Das ist ein idealer Ausgleich zum Schiessen. Diese Kombination ist perfekt für mich. Durch die Musik komme ich auf andere Gedanken, und ich kann geistig wieder auftanken», so Wyrsch.

Auch WM-Qualifikation im Visier

Das nächste wichtige Ziel des hoffnungsvollen Nachwuchsschützen ist die U-21-Schweizer-Meisterschaft, die Anfang März in Bern ausgetragen wird. «Dort erhoffe ich mir eine Medaille. Zumindest möchte ich in die Top-Vier vorstossen», sagt Wyrsch und fügt an: «Mein Hauptziel in diesem Jahr ist die erstmalige Qualifikation für die U-21-Europameisterschaft im 50-Meter-Kleinkaliberschiessen, die im Juni in Estland über die Bühne gehen wird.» Wyrsch strebte auch die Selektion für die 10-Meter-Luftgewehr-EM an, kam jedoch im nationalen Qualifikationswettkampf nicht optimal auf Touren. Nun hofft er, dass es ihm beim Selektionswettkampf für Estland besser läuft. Für die Schweiz dürfen in der Junioren-Kategorie drei Schützen antreten. Im nächsten Jahr strebt der ehrgeizige Jungspund dann die Qualifikation für die WM an. Zu seinen langfristigen Zielen sagt Wyrsch: «Ich möchte mich in der Elitekategorie etablieren und irgendwann an Olympischen Spielen starten. Damit würde ein Traum von mir in Erfüllung gehen. Ich bin mir aber bewusst, dass dies nur ganz wenige schaffen.»