Springreiten-Weltcup in Basel: Schon wieder ein Schweizer Sieg

Steve Guerdat gewinnt den Weltcup am CSI Basel und tritt damit in die Fussstapfen seines Freundes Martin Fuchs.

Jakob Weber
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Der Schweizer Steve Guerdat gewinnt mit dem unerfahrenen Victorio völlig überraschend den Grand Prix und den Weltcup von Basel.

Der Schweizer Steve Guerdat gewinnt mit dem unerfahrenen Victorio völlig überraschend den Grand Prix und den Weltcup von Basel. 

Bild: Georgios Kefalas/Keystone

«Das lange Warten auf einen Schweizer Sieg.» Die Antwort auf die Frage nach seinem bisher prägensten Ereignis hier in Basel gibt Andy Kistler am vergangenen Donnerstag ohne lange zu überlegen. Der aktuelle Schweizer Equipenchef und zukünftige Präsident des CSI Basel war in der St. Jakobshalle stets mit einer grossen Team am Start, doch die Schweizer Erfolge wollten einfach nicht eintreffen.

Erst 2018, beim neunten CSI Basel, änderte sich das. Martin Fuchs gewann am Sonntag mit dem Grand Prix die Hauptprüfung. Ein Jahr später wiederholte der heute 27-jährige Thurgauer seinen Erfolg am Sonntag und gewann die erste Weltcup-Prüfung, die überhaupt in Basel ausgetragen wurde.

Auch in diesem Jahr war Fuchs, der seit Januar erstmals in seiner Karriere die Nummer 1 der Weltrangliste ist, im Vorfeld in aller Munde. Doch bis auf seinen Sieg im niedriger dotierten Eröffnungsspringen am Donnerstag gelangen ihm ohne sein Weltklassepferd Clooney, das aktuell geschont wird, keine weiteren Topplatzierungen. Und trotzdem jubeln die 5600 Zuschauer in der nicht ganz ausverkauften Halle am Ende auch im dritten Jahr in Serie wieder über einen Schweizer Sieg.

Die Hindernisse wackeln mehrfach, aber fallen nicht

Im Stechen touchieren die Hufe seines Pferdes Victorio gleich mehrfach die Hindernisse, doch von einem Abwurf bleibt Steve Guerdat verschont. Nach seinem Ritt stoppt die Uhr bei 31.44 Sekunden. Noch kommen acht weitere Reiter, doch die Zeit ist sehr gut. Als kurz darauf der schnelle Belgier Niels Bruynseels beim drittletzten Hindernis einen Abwurf produziert, fällt Guerdat seiner Verlobten Fanny Skalli in den Arm. «Es ist ein sehr gutes Gefühl. Normalerweise bin ich zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Heimweg. Ich erwartete nicht besonders viel von diesem Wochenende. Es war Victorios erster Weltcup, sein erster Fünfsterne-Grand-Prix», sagte Guerda an der Pressekonferenz nach dem Sieg.

Dadurch ist der Doppelerfolg Tatsache. Denn bereits am Freitag hatte Guerdat überraschend auch den zweitwichtigste Prüfung des CSI Basel, den mit 200’000 Franken dotierten Grand Prix, gewonnen.

Für den Weltcup-Sieg am Sonntag bekommt Guerdat sogar 210’000 Franken. Ausserdem übernimmt der Jurassier die Führung in der Weltcup-Gesamtwertung. Dass seine besten Pferde aktuell pausieren, störte Guerdat in diesem Jahr in Basel offenbar nicht. Zusammen mit dem auf diesem Niveau doch eher unerfahrenen Victorio blieb der Romand sowohl am Freitag als auch am Sonntag, als es darauf ankam, fehlerfrei. «Ich überlegte nach dem Sieg am Freitag, am Sonntag nicht zu starten, weil es eigentlich nicht besser geht. Doch am Samstag haben wir dann nach dem Ausreiten entschieden, doch zu starten. Victorio war sogar noch besser. Ich bin absolut begeistert von meinem Pferd», sagt Guerdat und fügt an: «Es hat eine Weile gedauert, bis wir uns gefunden haben.»

Er hat den CSI Basel in den letzten elf Jahren von Null zu einem Fünfsterneturnier gemacht. Mit 83 Jahren gibt Präsident Willy Bürgin sein Amt jetzt an Andy Kistler weiter. Am Sonntag wurde Bürgin vor dem Weltcupspringen per Kutschenfahrt durch die St. Jakobshalle feierlich verabschiedet.

Er hat den CSI Basel in den letzten elf Jahren von Null zu einem Fünfsterneturnier gemacht. Mit 83 Jahren gibt Präsident Willy Bürgin sein Amt jetzt an Andy Kistler weiter. Am Sonntag wurde Bürgin vor dem Weltcupspringen per Kutschenfahrt durch die St. Jakobshalle feierlich verabschiedet.

Bild: Georgios Kefalas/Keystone

Durch den überraschenden Doppelerfolg seines Schützlings verabschiedet sich Andy Kistler nach Jahren ohne Schweizer Heim-Erfolge in Basel mit einem «fantastischen» Ergebnis als Equipenchef aus Basel. Anfang Februar wird er zurückkehren und das Turnier in seiner Funktion als Präsident weiterentwickeln. Denn auch in Zukunft sollen die weltbesten Reiter nach Basel kommen. Und auch die Schweizer Erfolge dürfen gerne anhalten.