Schräge Töne

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag», über die fehlende Nationalhymne am Fussball-Cupfinal.

Dominik Buholzer
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Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

Hand aufs Herz: Wie weit kommen Sie bei der Schweizer Hymne? Schaffen Sie es über die erste Strophe hinaus, ohne dass Sie verstohlen einen Blick auf den Text werfen müssen? Ich muss gestehen, dass ich nach der ersten Strophe nur noch summe. Zu meiner eigenen Verteidigung sollte ich vielleicht anfügen, dass ich noch nie ein sonderlich guter Sänger war. Mein Ausfall wiegt also nicht schwer, im Gegenteil: Mein Umfeld ist möglicherweise sogar froh, wenn ich mich still halte.

Ich erhebe dafür auch nicht den Anspruch, dass jeder Sportler des Schweizerpsalms mächtig sein und ihn bei grossen Spielen voller Inbrunst ins Stadionrund hinausposaunen muss. Das hängt mit meiner Überzeugung zusammen, dass die Talente noch immer gerecht verteilt sind. Ein Fussballer ist ein Fussballer und kein Sänger. Seine Bühne ist der Rasen und nicht das Opernhaus oder das Hallenstadion.

Trotz all dem hat es mir kurz die Sprache verschlagen, als ich erfuhr, dass am Donnerstag beim Cupfinal auf das Abspielen der Schweizer Hymne verzichtet wurde – nicht weil mir dieser Moment vor dem Spiel jeweils dermassen unter die Haut gefahren wäre oder ich mich als überschwänglichen Patrioten bezeichnen würde, sondern wegen der Begründung, die der Schweizerische Fussballverband dafür ins Feld fuhr. Randalierer hätten im Jahr zuvor mit Pfiffen und Böllern den Schweizerpsalm entweiht. Das habe man dieses Mal nicht riskieren wollen.

Wir Schweizer tun uns gemeinhin ein wenig schwer mit unserer Hymne. Erst 1981 erklärte der Bundesrat den Schweizerpsalm zur offiziellen Nationalhymne. Weshalb die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft im Jahr 2012 einen Wettbewerb für einen neuen Text lancierte, hat sich mir bis heute nicht wirklich erschlossen. Was der Fussballverband nun aber beim Cupfinal herausliess, ist an Absurdität fast nicht mehr zu überbieten.

Wir brauchen ganz sicher keinen neuen Schweizerpsalm. Wir brauchen auch keine Fussballer, die die Nationalhymne besser singen können als wir. Wir brauchen aber einen Fussballverband, der nicht einfach vor einer Gruppe von Chaoten klein beigibt. Das gilt übrigens nicht nur für das Abspielen der Nationalhymne, sondern auch in Bezug auf den Umgang bei Fussballkrawallen.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»,

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch