Schürpf trifft für den FC Luzern zum heroischen Sieg

Der FC Luzern besiegt zum Vorrundenende den FC Basel 2:1. Ob der Sieg Thomas Häberlis Job rettet?

Daniel Wyrsch
Hören
Drucken
Teilen
FCL-Captain Pascal Schürpf (rechts) im Laufduell mit Basels Valentin Stocker.

FCL-Captain Pascal Schürpf (rechts) im Laufduell mit Basels Valentin Stocker.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 15. Dezember 2019)

Mehr Leidenschaft und Siegeswille geht nicht. Mehr Dramatik wie in der unendlich langen Schlussphase dieses Kampfspiels geht nicht. Luzern-Goalie Marius Müller hielt in der 92. Minute mit einer grandiosen Parade gegen den Kopfball von Basel-Stürmer Arthur Cabral den 2:1-Sieg fest. Die FCL-Fans dankten es ihrem Helden nach Spielschluss mit «Marius Müller»-Sprechchören. Dabei wurde der in der Vorrunde überragend spielende Torhüter auf den Videoscreens eingeblendet, wie seine Frau Vivienne mit der Hand über die havarierte Nase ihres Mannes tastete. Der Grund: In der 87. Minute hatte der Keeper zuerst einen Schuss aus kurzer Distanz von Cabral pariert, ehe Silvan Widmer mit einem harten Nachschuss mitten in Müllers Gesicht traf.

Minuten nach der Jubelfeier mit den Fans und allen dem FCL positiv gestimmten Zuschauern unter den 10073 Matchbesuchern in der Swisspor-Arena sagte Marius Müller zu den Journalisten:

«Habt keine Sorge um meine Nase, ich bin ein deutscher Goalie, dem macht ein harter Ball nichts aus.»
Marius Müller

Marius Müller

Martin Meienberger/freshfocus

Häberli fragt nach, ob er für die Medienkonferenz vom Dienstag noch aufgeboten ist

Ex-FCL-Goalie Jonas Omlin (25) war nach der 1:2-Niederlage aus Sicht des FC Basel ruhig. Die Nummer 2 des Nationalteams sprach von einem Dämpfer. Ein Sieg in Luzern hätte die Basler zur Winterpause auf Platz 1 gehievt, da YB in Lugano remisierte. Unnötig sei das Verhalten von FCB-Verteidiger Eray Cömert gewesen. Bereits verwarnt, beschwerte sich dieser nach Spielschluss bei Schiedsrichter Adrien Jaccottet und kassierte prompt die gelb-rote Karte. «Läuft es nicht, werden einige hässig. Schade für Eray, dass er nach der Vorbereitung im ersten Rückrundenspiel gesperrt ist», fand Omlin.

Mit Omlin und Burch spielen zwei Obwaldner in einem SL-Spiel

Der aus Sachseln stammende Omlin war gestern übrigens nicht der einzige Obwaldner auf dem Rasen. Zum ersten Mal überhaupt spielten mit ihm und FCL-Verteidiger Marco Burch (19) aus Alpnach gleich zwei Profis aus dem Kanton Obwalden in einem Spiel der Super League. Omlin war übrigens nicht überrascht vom starken Luzerner Auftritt nach sechs Niederlagen in Serie. «Hier in Luzern habe ich noch kein einziges einfaches Spiel erlebt.»

FCB-Coach Marcel Koller haderte, dass er sein Team zwei Tage vergeblich vor dem FCL gewarnt habe. FCL-Trainer Thomas Häberli fand es schön, nach langer Zeit wieder als Sieger auf dem Podium vor den Medien zu sitzen. Auf die grosse Frage, ob er am Dienstag bei der Vorrundeninformation noch der Trainer sei, antworte er: «Für mich ist das keine grosse Frage.» Und er schaute FCL-Medienchef Markus Krienbühl an und fragte, ob er mit Sportchef Remo Meyer noch immer zu dieser Medienkonferenz eingeladen sei. Dieser nickte. So sicher wirkte das aber nicht.

VAR-Penaltyentscheid gegen den FCL

Typisch Müller. Der 26-Jährige hatte vor der Saison versprochen, dass man mit ihm in Luzern viel Spass haben würde. Das Halbzeit-Fazit: Er hat sein Versprechen bis jetzt mehr als gehalten. Was wäre möglich, wenn alle immer diese Bereitschaft wie Müller zeigen würden, wenn dieses Team immer so ans Limit gehen würde wie gestern gegen den zweiplatzierten FC Basel?

Ständig wie Müller unterwegs ist Pascal Schürpf. Er war gegen seinen Stammklub Basel ein unerschrockener Angreifer und Abwehrmann in einem. Man kann den FCL-Captain in seinem 100. Spiel für die Innerschweizer nur loben. Dabei musste Schürpf in der 72. Minute das Feld wegen einer Verletzung verlassen. Bei einem Flankenversuch ging der Basler in extremis zu Boden, musste sich dabei an einer Rippe schmerzhaft weh getan haben. Er blieb lange auf dem Rasen liegen, ehe er sich in der Kabine noch einmal hinlegte:

Martin Meienberger/freshfocus

«Die Rippe tut höllisch weh, ich konnte fast nicht mehr aufstehen. Aber in der Garderobe sah ich im TV, wie meine Mannschaft sich verteidigt hat, wie Marius Müller alles abgewehrt und sich eine rote Nase geholt hat.» Es sei fantastisch, mit Basel eine Mannschaft besiegt zu haben, «die im Strumpf ist».

Schürpf hat einen grossen Beitrag zu diesem heroischen Überraschungserfolg geleistet. In der 10. Minute war er zur Stelle, als FCB-Goalie Jonas Omlin einen Aufsetzer von Lucas Alves zur Seite abgewehrt hatte. Der Linksaussen nahm volles Risiko, traf mit dem stärkeren linken Fuss unhaltbar zum 1:0. In der 64. Minute schnürte Schürpf mit dem Penalty seinen Doppelpack. «Zum Glück brachte ich den Ball knapp an Jonas Omin vorbei zum 2:1 ins Tor», sagte Schürpf. Dem Strafstoss-Urteil war ein Niederreissen von Eray Cömert an Stefan Knezevic vorausgegangen.

Schürpf: «Vor den Ferien wollten wir unbedingt noch etwas holen»

Basel hatte kurz zuvor ebenfalls per umstrittenen Penalty durch Luca Zuffi zum 1:1 ausgeglichen. Für diesen Elferentscheid hatte Schiedsrichter Adrien Jaccottet nach Intervention des VAR die TV-Bilder angeschaut. Ein Kopfball von Silvan Widmer traf Silvan Sidler aus nächster Nähe sehr unglücklich an der Hand.

Zu den Diskussionen über den FCL-Coach erklärte Schürpf: «Thomas Häberli ist für uns momentan der Trainer. Nach sechs Niederlagen in Serie ist es normal, dass ein Trainer in Frage gestellt wird.» Und: «Vor den Ferien wollten wir unbedingt noch etwas holen.» Tönt nicht nach Support für Häberli.

Luzern – Basel 2:1 (1:0)
10 073 Zuschauer. – SR Jaccottet.
Tore: 10. Schürpf (Lucas) 1:0. 61. Zuffi (Handspenalty) 1:1. 64. Schürpf (Foulpenalty) 2:1.
Luzern: Müller; Knezevic, Lucas, Burch; Sidler, Males (95. Cirkovic), Mistrafovic, Voca, Schürpf (72. Emini); Margiotta (61. Matos), Ndiaye.
Basel: Omlin; Widmer, Cömert, Alderete (15. Bergström), Petretta; Xhaka; Zhegrova, Zuffi, Frei (46. Okafor), Stocker (77. Pululu); Cabral.
Bemerkungen: Luzern ohne Grether (gesperrt), Schwegler, Schulz, Arnold, Ndenge, Kakabadse und Binous (alle verletzt). Basel ohne Bua, Kuzmanovic und Van Wolfswinkel (alle verletzt). Alderete verletzt ausgeschieden. Verwarnungen: 21. Xhaka (Foul), 32. Males (Foul), 60. Müller (Unsportlichkeit), 63. Cömert (Foul), 63. Cabral (Unsportlichkeit), 79. Matos (Foul).

Die Noten der FCL-Spieler nach dem Sieg gegen Basel

Die Innerschweizer schaffen gegen Vizemeister Basel eine unerwartete Auferstehung. Spielerisch treten vor allem Torhüter Müller und Torschütze Schürpf hervor. Die Bilanz in der Übersicht:
Daniel Wyrsch