Eidgenössisches Schützenfest
Die Leistungen der Schützinnen blieben lange unerwähnt

Die Frauen spielten an den frühen Eidgenössischen Schützenfesten meist bloss eine Nebenrolle. Etwas anders war das beim Entlebucher Amts- und Wyberschiesset.

Cyril Aregger
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Aloysia Meyer (14) aus Malters soll 1832 am Schützenfest in Luzern teilgenommen haben.

Aloysia Meyer (14) aus Malters soll 1832 am Schützenfest in Luzern teilgenommen haben.

Bild: Offizielle Festschrift für das Eidgenössische Schützenfest in Luzern 1901

Wenig ist bekannt über die Rolle der Frauen an den frühen Eidgenössischen Schützenfesten. Es gab aber sehr wohl schon früh Teilnehmerinnen. Dies lässt unter anderem ein Bild der 14-jährigen Schützin Aloysia Meyer aus Malters vermuten, das in der Festschrift zum ESF 1901 in Luzern abgedruckt wurde. Meyer soll 1832 am Schützenfest teilgenommen haben. In der Festschrift von 1924 wird auch die «Jungfer» Christine Britschgi von Lungern erwähnt, die 1853 in Luzern beeindruckende Resultate erzielt haben soll.

«Frauen hatten beim Schützenfest lange eine Nebenrolle inne», sagt Natalia Eschmann, Historikerin und Mitarbeiterin am Luzerner Staatsarchiv. «Es war ein Fest von Männern für Männer.»

«Mutter Renggli aus Entlebuch», die erste Schützenkönigin

Eine aktivere Rolle hatten die Frauen am Entlebucher Amts- und Wyberschiesset, das seit 1886 durchgeführt wird. Zwar waren die Frauen auch hier in erster Linie Begleiterinnen und Gabenspenderinnen, doch bereits 1904 wird «Mutter Renggli vom Meienriesli› in Entlebuch» als Schützenkönigin erwähnt. Von weiteren Schützenköniginnen war danach aber nicht mehr die Rede. Eschmann:

«Offiziell scheint der Brauch, eine Schützenkönigin zu küren, erst ab den 1950ern zu existieren.»

Auch in den Ranglisten der Lokalpresse tauchen bis 1939 keine Schützinnen auf. Gegeben hat es sie aber sehr wohl: Im Jahr 1928 fanden sich unter den 598 Schützen immerhin 73 Schützinnen, 1934 waren es gar an die 100.

Die «überhandnehmende Beteiligung der Frauenwelt»

«Ob die erstarkte Präsenz der Schützinnen eher als Indiz für die gesellschaftliche Emanzipation oder für die Vereinnahmung der Frauen durch die geistige Landesverteidigung in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zu sehen ist, lässt sich heute schwierig sagen», so Eschmann. Auf Zweiteres deutet der Erfolg der Trachtengruppe Wyberschiesset hin: Die Entlebucherinnen mit ihren Gewehren sorgten beispielsweise beim Eidgenössischen Trachtenfest 1939 in Zürich für Begeisterung.

Uneingeschränkt glücklich waren die Entlebucher Männer aber offenbar nicht über schiessbegeisterte Frauen: An der Generalversammlung der Amtsschützengesellschaft 1937 diskutierte man, ob die «überhandnehmende Beteiligung der Frauenwelt am aktiven Schiessen» begrenzt werden solle. Ein Beschluss sollte später gefällt werden, doch der aufziehende zweite Weltkrieg verhinderte einen Entscheid.