Handball
«Hey, wieso nicht?!»: Die Luzerner Handballerin Xenia Hodel kann mit der Schweiz Historisches schaffen

Mitte April kann sich das Schweizer Handball-Nationalteam der Frauen erstmals für die WM qualifizieren. Das sei machbar, sagt die Luzernerin Xenia Hodel (22).

Stephan Santschi
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Im Nationalteam wird sie am rechten Flügel gebraucht: Xenia Hodel.

Im Nationalteam wird sie am rechten Flügel gebraucht: Xenia Hodel.

Bild: Anthony Anex/Keystone

16 Monate haben die Schweizerinnen kein Länderspiel bestritten, umso eindrücklicher waren die Auftritte am Wochenende in Minsk. In der Vorqualifikation zur WM 2021 holten sie sich nach einem 26:18-Sieg gegen die Färöer Inseln und einem 25:25-Remis gegen Weissrussland den Gruppensieg. Vor allem die Punkteteilung mit dem stärker eingestuften Gastgeber ist als Ausrufezeichen zu verstehen. «Glückwunsch», sagte Nationaltrainer Martin Albertsen, «doch es liegt noch mehr drin.» Mitte April kann sich die Schweiz im Playoff gegen Tschechien erstmals für eine Endrunde qualifizieren und damit Historisches schaffen.

Wer einen Blick auf das 18er-Kader der Schweizerinnen wirft, entdeckt nicht weniger als 12 Akteurinnen mit Gegenwart oder Vergangenheit bei den Spono Eagles und dem LK Zug. Am auffälligsten war Xenia Hodel, die 22-jährige Linkshänderin Nottwils, die in Minsk mit insgesamt 15 Treffern zur besten Schweizer Skorerin avancierte. «Wir haben gesehen, welches Potenzial in uns steckt», erzählt Hodel. Und zu ihren eigenen Auftritten hält sie fest: «Ich bin zufrieden, ich habe mich steigern können. Ich war überrascht, wie lange ich auf der Aussenposition zum Einsatz gekommen bin.»

Hodel wechselt für die Schweiz die Position

Die 1,76 Meter grosse Luzernerin aus Oberkirch ist bei den Spono Eagles im rechten Rückraum eine Leistungsträgerin. Mangels Alternativen und weil mit Malin Altherr und der Zuger Juniorin Emma Bächtiger im Aufbau grosse Linkshänder-Talente nachrücken, wird Hodel im Nationalteam aber vor allem am rechten Flügel gebraucht. «Ich spiele nicht erstmals auf dieser Position, ich war als Juniorin lange am Flügel. Das ist für mich kein Problem», erklärt die 42-fache Internationale. Am wichtigsten sei ohnehin der Glaube an die eigenen Fähigkeiten, in dieser Hinsicht hat Albertsen in seiner dreijährigen Amtszeit wohl die grössten Fortschritte bewirkt. «Er sagte von Anfang an, dass wir die Besten und Schnellsten der Welt seien», berichtet Xenia Hodel und mit einem Schmunzeln fügt sie an: «Wir wissen, dass dies nicht stimmt. Wenn du diese positiven Dinge aber immer wieder hörst, brennen sie sich in deinem Kopf ein.»

Und so passen die Leistungen des Nationalteams gut zum Schwung, der generell im Schweizer Frauenhandball herrscht. Im OYM in Cham ist die erste Frauen-Akademie in Betrieb genommen worden, im Jahr 2024 steht mit der Schweiz als Co-Gastgeberin der EM ein mittelfristiges Highlight in der Agenda. «Nun geht es darum, nicht euphorisch zu werden. Es ist ein langer Weg, bis wir die Früchte unserer Arbeit ernten können», so Hodel. Lange muss die Schweiz aber nicht warten, um den Korb mit einer ersten nahrhaften Belohnung zu füllen. Tschechien ist im WM-Playoff zwar Favorit, doch mit der Zuteilung des 15. der letzten EM hatte die Schweiz kein Lospech. «Hey, wieso nicht! Wenn wir unser Potenzial abrufen, ist das eine machbare Aufgabe», blickt Hodel dem Hin- und Rückspiel (16./17. April auswärts; 20./21. April zu Hause) mit Zuversicht entgegen.

Kapitel Leverkusen ist abgeschlossen

Für sie selbst geht es am Samstag mit dem Heimspiel gegen Kreuzlingen in der Finalrunde der SPL1 weiter. Auch bei den Spono Eagles war Xenia Hodel zuletzt in starker Form, mit 104 Toren ist sie Nottwils beste Torschützin in der Meisterschaft. «Wir hatten Turbulenzen, nun steigt unsere Form aber an», sagt sie mit Bezug auf die Freistellung von Trainer Ike Cabal Mitte Februar. «Seither ist das Team enger zusammengerückt. Wir müssen in jedem Spiel 110 Prozent abrufen, um Titel zu gewinnen.»

Für Xenia Hodel hat sich der Wechsel zurück nach Nottwil jedenfalls schon jetzt bezahlt gemacht. Eineinhalb Saisons hatte sie in der Bundesliga für Leverkusen gespielt, ehe sie im Winter 2020 die Zelte vorzeitig abbrach. «Es hatte nicht gepasst, es herrschte eine Konstellation, in der ich nicht mehr Handball spielen wollte. Dieses Kapitel ist abgeschlossen», erzählt Hodel, die an der Universität in Luzern ein Rechtsstudium begonnen hat. Ob sie dereinst ein zweites Abenteuer im Ausland in Angriff nimmt, weiss sie nicht. «Sollte der Wunsch nochmals aufkommen, werde ich es wieder probieren. Im Moment ist das aber keine Option, mir geht es gut.»