«Schweiz hat hohes Niveau, aber auch Schwächen»

Portugal

Christian Brägger, Lissabon
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Man hatte auf ihn gehofft. Doch er kam nicht. Portugals Trainer Fernando Santos erschien im Bauch des Estadio da Luz, dem Stadion des Lichts, nicht mit Lichtgestalt Cristiano Ronaldo zur Pressekonferenz. Sondern mit Pepe, dem Verteidiger. Dabei hätte Ronaldos Anwesenheit im Grunde nur noch mehr unterstrichen, dass etwas Grosses naht. Und dass es um alles geht.

Die Portugiesen sind im Fussball jemand Besonderes geworden. Spätestens seit 2016 und dem EM-Titel ist das so, den das Land zwölf Jahre zuvor am Heimturnier im Final gegen Griechenland noch verpasst hatte; es war die bitterste Niederlage seiner Geschichte, ausgerechnet in dieser schmucken Fussballarena, in der sonst Benfica spielt, gab es so viel Schatten. Doch das ist lange her.

Einst hatten die Portugiesen Eusébio «Pantera Negra» (Schwarzen Panther) genannt. Heute haben sie José Mourinho, den Welttrainer, oder Jorge Mendes, den einflussreichsten Spielerberater. Vor allem aber haben sie ihn, Ronaldo. Aber eben, der war nicht da. Sondern Pepe, der sagte: «Wir sind uns sicher, dass wir gegen die Schweiz gewinnen werden. Wenn einer von uns nicht gewinnen will, soll er gar nicht spielen. Es wird kompliziert, aber wenn wir zusammenhalten, wird es für die Schweiz schwer.» 34 Jahre alt ist Pepe inzwischen, er spielt nun für Besiktas und nicht mehr für Real Madrid, für ihn wäre die WM in Russland das letzte Grossereignis. «Wir werden das tun, was uns der Trainer vorgibt. Mit Hingabe. Ich hoffe, es wird ein grosser Tag für uns.»

Santos will die Geschichte umkehren

Zuversichtlich gab sich auch Fernando Santos, der heute 63 Jahre alt wird. Bereits nach dem mühsamen Sieg in Andorra hatte der Europameister-Trainer verkündet: «Wir werden die Geschichte umkehren. Wir haben am Anfang verloren und dann nur noch gewonnen. Die Schweiz hat zuerst alles gewonnen und wird dann am Ende das letzte Spiel verloren haben.» Gestern wiederholte Santos diese Sätze in der Form zwar nicht, aber er verwies darauf, dass er seine Worte schon so gemeint habe. Mit der Unterstützung der 50 000 Anhänger sieht Santos sein Team «einigermassen» in der Favoritenrolle. «Die Schweiz hat ein hohes Niveau, aber sie hat auch Schwächen.» Und ja, natürlich verriet er diese nicht.

Wie Santos hat auch Xherdan Shaqiri heute Geburtstag, der Schweizer wird 26-jährig. Aber nur einer wird den Tag so richtig feiern können.

Christian Brägger, Lissabon