Schweiz landet auf dem Boden der Realität

Von der totalen Euphorie zur Ernüchterung: Nach dem historischen 5:3-Erfolg am Samstag gegen Deutschland verliert die Schweizer Nationalmannschaft in Luzern gegen eine bescheidene Nummer 45 der Welt, Rumänien, unglücklich 0:1.

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Der Frust ist den FCL-Spielern Adrian Winter (links) und Alain Wiss nach der Niederlage anzusehen. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Der Frust ist den FCL-Spielern Adrian Winter (links) und Alain Wiss nach der Niederlage anzusehen. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Es war eine bittere und unverdiente Niederlage, welche die Schweiz im ersten Länderspiel in der Luzerner swissporarena einstecken musste. Deutlich überlegen über die gesamte Spieldauer musste sie dem Gast einen Erfolg zugestehen, der absolut vermeidbar gewesen wäre. Gheorghe Grozav erzielte in der 56. Minute mit der dritten Torchance der Gäste den Siegestreffer. Die Schweizer dagegen patzerten bei der Chancenauswertung, die letzte Möglichkeit, die Niederlage noch abzuwenden, besass Johan Djourou in der Nachspielzeit. Sein Hechtkopfball wurde jedoch vom rumänischen Goalie mit gutem Reflex noch über die Latte gelenkt.

Der Frust ist den FCL-Spielern Adrian Winter (links) und Alain Wiss nach der Niederlage anzusehen. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
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Johan Djourou hatte in der Nachspielzeit eine grosse Chance zum Ausgleich. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Adrian Winter versucht es mit einem Rückzieher, doch er stand im Abseits. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
11'850 Zuschauer kamen ins Stadion. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Alain Wiss (rechts) gegen Gabriel Andrei Torje. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Ein enttäuschter Gökhan Inler (rechts) und Innocent Emeghara. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Enttäuschte Nationalspieler Innocent Emeghara (rechts) und Eren Derdiyok. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Adrian Winter. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
TV-Kommentator Sascha Ruefer: «Eine Stimmung wie bei der Einweihung einer Kläranlage.» (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Michel Morganella (oben) gegen Alexandru Maxim. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Johan Djourou (oben) gegen Marius Silviu Alexe. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Admir Mehmedi (links) gegen Razvan Rat. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Adrian Winter (links) gegen Vlad Iulian Chiriches. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Philippe Senderos (links) gegen Gheorghe Teodor Grozav. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Nati-Coach Ottmar Hitzfeld (rechts). (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Adrian Winter (rechts) gegen Alexandru Mihaita Chipciu. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Johan Djourou (rechts) gegen Marisu Silviu Alexe. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Alain Wiss (rechts) wird in der 76. Minute eingewechselt. Granit Xhaka verlässt das Spielfeld. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Tranquillo Barnetto (links) gegen Vlad Iulian Chiriches. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Rumäniens Gheroghe Teodor Grozav (links) erzielt gegen Yann Sommer (rechts) und Philippe Senderos das 0:1. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Die Luzerner im Dienste der Nationalmannschaft: Alain Wiss (links) und Adrian Winter. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Die Ersatzspieler bei der Hymne vor dem Spiel. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Diese Elf begannen in der swissporarena. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Sportminister und Bundesrat Ueli Maurer (links) verfolgt das Spiel von der Loge aus. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Alain Wiss (zweiter von rechts) und Adrian Winter (rechts) sitzen zu Beginn nur auf der Ersatzbank. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Ein Flitzer rennt über den Rasen... (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
... und wird von der Security abgeführt. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Einstimmung auf das Testspiel am Mittwochabend vor dem Spiel. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Einstimmung auf das Testspiel am Mittwochabend vor dem Spiel. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Trompeten Sigi und zwei Fans vor der swissporarena. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Admir Mehmedi (links) gegen Vlad Iulian Chiriches. (Bild: Keystone)
Valentin Stocker (links) gegen Marius Valerica Gaman. (Bild: Keystone)
Stephan Lichtsteiner (hinten) gegen Mihai Florescu. (Bild: Keystone)
Rumänien-Keeper Bogdan Ionut Lobont (rechts) muss gegen den heranstürmenden Schweizer Eren Derdiyok wehren. (Bild: Keystone)
Admir Mehmedi (links) gegen Razvan Rat. (Bild: Keystone)
Kopfballduell zwischen Tranquillo Barnetta (rechts) und Christian Tanase. (Bild: Keystone)
Philippe Senderos beim Abspiel. (Bild: Keystone)
Der Krienser Valentin Stocker konzentriert sich auf den Ball. (Bild: Keystone)
Gökhan Inler (links) gegen Marius Silvu Alexe. (Bild: Keystone)
Warmlaufen vor dem Spiel. (Bild: Keystone)
Ein Fan verfolgt das Spiel. (Bild: Keystone)
Torhüter Yann Sommer hält einen Schuss von Rumänen Gheorghe Teodor Grozav, beobachtet von Gökhan Inler. (Bild: Keystone)
Eren Derdiyok (links) gegen Vlad Iulian Chitiches. (Bild: Keystone)
Gökhan Inler bremst Daniel George Niculae. (Bild: Keystone)
Granit Xhaka (links) gegen Daniel George Niculae (Bild: Keystone)
Blerim Dzemaili wurde nicht von Anfang an eingesetzt. (Bild: Keystone)
Xherdan Shaqiri wegen einer Muskelverhärtung auf der Bank. (Bild: Keystone)
29. Mai: Der Bus der Nationalmannschaft vor der Swissporarena. (Bild: Keystone)
Ankunft in der Luzerner Swissporarena: Nationalcoach Ottmar Hitzfeld (im dunklen Traineranzug) mit den FCL-Spielern Alain Wiss (vorne) und Adrian Winter (hinten). (Bild: Keystone)
Ottmar Hitzfeld gibt Anweisungen. (Bild: Keystone)
Bild: Keystone
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Xherdan Shaqiri macht sich warm. (Bild: Keystone)
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Stocker (l.) und Hitzfeld machen sich fürs Training in der Swissporarena warm. (Bild: Keystone)
Ottmar Hitzfeld (r.) und Valentin Stocker beim Training. (Bild: Keystone)
Ottmar Hitzfeld am Dienstag an der Medienkonferenz in Luzern: «Die Erwartungen sind sicherlich gestiegen». (Bild: Keystone)
Philippe Senderos und Steve von Bergen offenbarten am Samstag doch einige Abstimmungsfehler, eventuell erhält Johan Djourou (Bild) eine neue Bewährungschance neben seinem früheren Teamkollegen Senderos. (Bild: Keystone)
Tranquillo Barnetta (Bild), Gelson Fernandes und Eren Derdiyok, die drei grossen Gewinner des Deutschland-Spiels, dürften unangetastet sein und auch in Luzern auflaufen. (Bild: Keystone)
Die Polizei eskortiert die rumänische Fussball-Nationalmannschaft zur swissporarena. (Bild: Keystone)
Spieler der rumänischen Nationalmannschaft am Dienstag in der swissporarena. (Bild: Keystone)
Zuletzt lieferten die Rumänen gute Resultate ab: (Bild: Keystone)
Im November schlugen sie EM-Teilnehmer Griechenland 3:1 und Ende Februar gab es ein beachtliches 1:1 gegen Uruguay. (Bild: Keystone)
Victor Piturca, Trainer der rumänischen Nationalmannschaft an der Medienkonferenz. (Bild: Keystone)
Admir Mehmedi. (Bild: Keystone)
Gökhan Inler (Bild: Keystone)

Der Frust ist den FCL-Spielern Adrian Winter (links) und Alain Wiss nach der Niederlage anzusehen. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Gute Möglichkeiten nicht verwertet

Coach Hitzfeld hatte sich und seine Spieler auf eine schwierige Partie vorbereitet. Er wollte vor dem heiklen WM-Ausscheidungsauftakt im September gegen Slowenien und Albanien nochmals sehen, wie sich seine Mannschaft gegen einen Gegner wehrt, der selber wenig für das Spiel tut und mehrheitlich mit Konterangriffen zum Erfolg kommen will. «Rumänien ist zu vergleichen mit Slowenien, Albanien oder Zypern», glaubt der Schweizer Teamchef.

Ruhe bewahren, die Geduld nicht verlieren und die wenigen sich bietenden Torchancen eiskalt verwerten schien das Rezept, um nach dem Sieg über Deutschland auch gegen die Rumänen ein positives Resultat zu erreichen. Doch daraus wurde nichts, weil die wenigen guten Möglichkeiten eben nicht verwertet wurden und die Rumänen sich hartnäckig und mit vielen Fouls gegen die Schweizer Überlegenheit wehrten.

Cornerverhältnis 8:0

8:0 lautete das Cornerverhältnis am Ende für die Schweiz. Der wie schon gegen Deutschland herausragende Tranquillo Barnetta war auch gestern - sowohl als Vorbereiter, als auch als Vollender - wieder der auffälligste Schweizer. Seine beiden Abschlussversuche (11./41.) - die besten im ersten Durchgang - waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt und auch Eren Derdiyok, der gegen Deutschland noch dreimal getroffen hatte, scheiterte kurz vor der Pause mit einem Kopfball knapp.

Im ersten Länderspiel auf der Luzerner Allmend seit 1997 hatte Hitzfeld sein Team gegenüber dem Deutschland-Spiel auf drei Positionen umbesetzt. FCB-Goalie Yann Sommer debütierte im Schweizer A-Team, Johan Djourou rückte für Steve von Bergen in die Innenabwehr und Valentin Stocker ersetzte den gegen Deutschland überragenden Gelson Fernandes. Stocker spielte schliesslich rechts aussen, Admir Mehmedi rückte dafür ins Zentrum und Granit Xhaka nach hinten in die defensive Position neben Gökhan Inler.

Besorgniserregend war, dass die Schweizer Innenabwehr einmal mehr zu fehlerhaft agierte und nur wenig Sicherheit ausstrahlte. Djourou vermochte seine fehlende Spielpraxis nicht zu verbergen, immer wieder produzierte er Fehlpässe oder schnitzerte mit Stellungsfehlern. Auch sein Nebenspieler Philippe Senderos wirkte dadurch verunsichert und nervös.

Verteidigung nicht auf der Höhe

So war die Schweizer Hintermannschaft auch beim Gegentor nach knapp einer Stunde nicht im Bilde. Reto Ziegler liess Gabriel Torje von der rechten Seite flanken und die beiden Innenverteidiger schauten zu, wie Gheorghe Grozav aus fünf Metern einköpfelte. Grozav war es auch gewesen, der nach knapp einer Minute und einem ersten Ballverlust von Djourou freistehend aus rund acht Metern zum Schuss gekommen war, glücklicherweise das Gehäuse aber verfehlt hatte. Es waren die beiden einzigen Torchancen der Gäste, die mit dem Siegestreffer überreich belohnt wurden.

Im zweitletzten Test vor dem ersten WM-Ausscheidungsspiel am 7. September in Slowenien ist beim Schweizer Team nach dem historischen Sieg über Deutschland wieder Ernüchterung eingekehrt. Einmal mehr tat es sich extrem schwer gegen einen vorwiegend verteidigenden und auf Konter lauernden Gegner. Zündende Ideen, wie das rumänische Abwehr-Bollwerk durchbrochen werden könnte, fehlten. In der zweiten Halbzeit wurden dann auch die Torchancen zur absoluten Mangelware, so dass die zweite Schweizer Niederlage im dritten Testspiel dieses Jahres nicht mehr zu verhindern war. Die besten beiden Möglichkeiten vergaben ausgerechnet die beiden Innenverteidiger Senderos und Djourou nach Freistossflanken von Barnetta (58./91.).

Debüt von Winter

In der 64. Minute gab FCL-Stürmer Adrian Winter sein Debüt in der Nationalmannschaft. 16 Zeigerumdrehungen später wurde auch sein Teamkollege Alain Wiss eingewechselt. Er kam zu seinem zweiten Länderspiel. Neben den beiden FCL-Spielern standen mit dem Adligenswiler Stephan Lichtsteiner und dem Krienser Valentin Stocker noch zwei weitere Luzerner auf dem Platz.

Coach Hitzfeld bleibt jetzt nur noch eine Gelegenheit, sein Team auf den WM-Qualifikationsstart vorzubereiten. Am 15. August trifft die Schweiz auf EM-Teilnehmer Kroatien. Ein Gegner, der der Schweiz von der Spielweise her wieder besser passen dürfte.

si

Schweiz - Rumänien 0:1 (0:0)

Swisspor-Arena, Luzern. - 11'850 Zuschauer. - SR Moen (No). - Tor: 56. Grozav (Torje) 0:1.

Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Senderos, Djourou, Ziegler (85. Morganella); Inler, Xhaka (76. Wiss); Stocker (64. Emeghara), Mehmedi (64. Winter), Barnetta; Derdiyok.

Rumänien: Lobont; Papp, Gaman (85. Goian), Chiriches, Rat; Bourceanu (55. Grigore), Florescu (55. Lazar); Torje (82. Maxim), Grozav (66. Chipciu), Tanase; Niculae (52. Alexe).

Bemerkungen: Schweiz ohne Dzemaili, Shaqiri, Behrami, Rodriguez (alle verletzt), Benaglio, Wölfli (beide Ersatzgoalie), Fernandes, Von Bergen, Affolter (alle nicht eingesetzt). Verwarnung: 80. Chiriches (Foul).

Mehr zum Länderspiel in der swissporarena lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Luzerner Zeitung und ihren Regionalausgaben sowie als Abonnent kostenlos im E-Paper.

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