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Das Handball-Nationalteam zählt wieder auf Raemy

Lange war Nicolas Raemy wegen einer Kopfverletzung nicht im Nationalteam. Wenn die Schweiz am Sonntag Belgien empfängt, soll der Luzerner auf dem Weg zur EM aber eine wichtige Rolle einnehmen.
Stephan Santschi
Spielt derzeit eine wichtige Rolle im Nationalteam: Nicolas Raemy (mit Ball). (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Winterthur, 5. Januar 2019))

Spielt derzeit eine wichtige Rolle im Nationalteam: Nicolas Raemy (mit Ball). (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Winterthur, 5. Januar 2019))

«Es fägt.» In Berner Mundart umschreibt Nicolas Raemy, was er in diesen Tagen erlebt. Der 27-jährige Luzerner aus Buchrain gewann am Mittwoch mit der Schweiz in Belgien 28:25 und war Teil des Nationalteams, das einen weiteren Schritt Richtung EM 2020 gemacht hat. Im Angriff spielte der rechte Rückraumspieler durch, erzielte zwei Tore und lieferte den einen oder anderen Assist an den Kreis und an den Flügel. «Alles ist gut und ich bin zufrieden, so lange ich dabei bin», sagt er vor dem Sonntag, wenn die Belgier zum Rückspiel der EM-Qualifikation in Schaffhausen gastieren (14 Uhr, BBC Arena, live auf SRF 2).

Selbstverständlich ist das nicht, denn lange war er nicht mehr aufgeboten worden. Nicolas Raemy erlitt im September 2016 bei einem Zusammenstoss in einem Meisterschaftsspiel ein Schleudertrauma mit einer schweren Hirnerschütterung. Fast 17 Monate lang fiel er aus, ehe er im Februar 2018 sein Comeback geben konnte. Lange wollten die Kopfschmerzen nicht verschwinden, egal was er auch versuchte: «Untersuchungen im Swiss Concussion Centre in Zürich, Pillen, Spritzen, Sol-Bäder, Yoga, Chiropraktik, Physiotherapie, Kraniosakraltherapie, Osteopathie – es war eine frustrierende Zeit, die an mir genagt hat.»

Langes Warten auf einen Ernstkampf mit Schweiz

Aufgehört an die Rückkehr zu glauben, habe er aber nie, auch wenn ihm viele dazu rieten. Letztlich sei es die Zeit gewesen, die ihm Linderung gebracht habe. «Und das Gefühl dafür, wann der Körper Ruhe und Erholung braucht.» In der Rückrunde der letzten Saison war ihm die Spielfreude nach der langen Absenz anzusehen, auf dem Weg zum Meistertitel mit Wacker Thun leistete er einen wichtigen Beitrag, gefiel mit Übersicht, stupender Technik und Abschlussstärke. «Jede Sekunde habe ich genossen», sagte er nach einer Saison, in der er auch noch zum Publikumsliebling der NLA gewählt worden war.

Im Januar 2019 kehrte er am Yellow-Cup ins Nationalteam zurück, absolvierte insgesamt sechs Testspiele und am Mittwoch in Belgien stand er erstmals wieder bei einem Ernstkampf für die Schweiz auf der Platte. Erinnert er sich, wann dies das letzte Mal der Fall war? «Nein, wissen Sie es?», entgegnet Raemy nach kurzer Bedenkpause. Es war im Januar 2016 bei der historischen 21:34-Schlappe in der WM-Qualifikation in Holland. «Oh, daran erinnere ich mich noch sehr gut», merkt er mit einem Schmunzeln an. Diese Partie unter Nationaltrainer Rolf Brack gilt als Tiefpunkt in der jüngeren Vergangenheit und Auslöser für die Wende zum Guten. Brack musste im Anschluss gehen, Michael Suter übernahm und machte das Nationalteam mit jungen, hungrigen Akteuren wieder konkurrenzfähig. Das Holland von damals ist durchaus mit dem Belgien von heute zu vergleichen, findet Raemy, womit die Steigerung der Schweiz veranschaulicht wird. «Alles ist professioneller geworden, wir haben mehr Selbstvertrauen, jeder kennt seine Rolle.»

Schaffhausen erwartet über 3000 Zuschauer

Seine eigene Rolle unterscheidet sich dabei ein wenig von jener, die er bei Wacker Thun innehat. Dort fungiert er im rechten Aufbau als eine Art zweiter Spielmacher, trifft viele Entscheidungen, spielt Pässe und geht oft in den Abschluss. Jüngst gewann Raemy, der bis 2014 für den HC Kriens-Luzern spielte, mit den Berner Oberländern den Schweizer Cup. «Im Nationalteam nehme ich weniger Risiko, es hat keinen Platz für Fehler. Das macht es schwieriger», erzählt der 56-fache Nationalspieler. In Belgien hat er seinen Job jedenfalls formidabel erfüllt. «Nicolas ist mittlerweile ein Routinier. Er hat ein sehr gutes Gefühl für das Spiel und bringt grosse Sicherheit rein», lobt Suter, der Dimitrij Küttel von den Kadetten Schaffhausen überraschend 60 Minuten auf der Bank beliess. «Mit Blick auf den Sonntag stehen die Chancen von Raemy gut, wieder in der Startformation zu stehen.»

Mit einem Sieg gegen Belgien können die Schweizer die Tür zur erstmaligen Europameisterschaftsteilnahme seit 2006 weit aufstossen. Vorzeitig qualifizieren werden sie sich aber nicht, weil sich Serbien nach dem Remis gegen Kroatien weiterhin in Schlagdistanz befindet. Das ändert nichts am wiederbelebten Interesse der Fans: Alle 2400 Sitzplätze in der 3500 Zuschauer fassenden BBC Arena sind abgesetzt, im Vorverkauf bei Ticketcorner und an der Tageskasse am Sonntag (ab 12 Uhr) sind noch etwa 400 Stehplätze verfügbar. Kein Zweifel, sie fägt, die Schweizer Nationalmannschaft.

Die Ausganslage

An der EM 2020 nehmen erstmals 24 anstatt wie bis anhin 16 Mannschaften teil. Das beeinflusst auch die Qualifikationsphase. Die ersten zwei Teams pro Gruppe, plus die vier besten Dritten von total acht Gruppen qualifizieren sich für die Endrunde. Mit einem Sieg gegen Belgien ist den Schweizern der dritte Platz definitiv nicht mehr zu nehmen. Beim Vergleich der Gruppendritten zählen nur die Punkte gegen die beiden erstplatzierten Mannschaften. Weil die Schweiz das Heimspiel gegen Serbien 29:24 gewann, ist sie in dieser Hinsicht auf Kurs. Bei Platz zwei erübrigen sich alle Rechenspiele.

EM-Qualifikation

Gruppe 2. 4. Runde. Sonntag, 14.00: Schweiz – Belgien (BBC Arena, Schaffhausen, live SRF 2). – 20.30: Kroatien – Serbien.

Rangliste (alle 3 Spiele): 1. Kroatien 5. 2. Schweiz 4. 3. Serbien 2. 4. Belgien 1.

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