SCHWEIZER CUP: Nyffenegger droht Karrierenende

Einer wird nicht dabei sein, wenn Kriens in einer Woche in Thun ins Playoff eingreift: David Nyffenegger muss sich einem schweren Eingriff am Knie unterziehen. Erfolgt die Operation zu spät?

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Ob David Nyffenegger (rechts) wieder mit vollem Einsatz spielen kann, wie hier gegen die Kadetten Schaffhausen, ist fraglich. «Ich habe lange gehofft, dass die konservative Behandlungsmethode das Knie wieder in Ordnung bringen würde», sagt der Mittelaufbauer von Kriens-Luzern. (Bild: Pius Amrein / LZ (Kriens, 31. August 2016))

Ob David Nyffenegger (rechts) wieder mit vollem Einsatz spielen kann, wie hier gegen die Kadetten Schaffhausen, ist fraglich. «Ich habe lange gehofft, dass die konservative Behandlungsmethode das Knie wieder in Ordnung bringen würde», sagt der Mittelaufbauer von Kriens-Luzern. (Bild: Pius Amrein / LZ (Kriens, 31. August 2016))

31 Jahre alt wird David Nyffenegger am Montag, der Huttwiler wäre eigentlich im besten Handballeralter. Die Flausen sind aus dem Kopf, die Routine ist hoch, der Körper wäre gestählt. Mehr als 300 NLA-Partien hat der Mittelaufbauer für Bern Muri, Suhr und Kriens bestritten, und vorgesehen war, dass er im Herbst seiner Karriere beim HC Kriens-Luzern seinen reichen Erfahrungsschatz im Bestreben nach einem erstmaligen Pokalgewinn einbringt.

Dieser Tage ist nicht Handballherbst, sondern tiefer Winter für David Nyffenegger. Der Mittelaufbauer, beim HCK als Back-up für Tom Hofstetter nominiert, weiss, dass ihm in knapp drei Wochen ein Operationstermin bevorsteht. Gezwickt im Knie hatte es schon die ganze Qualifikation, der Defensivspezialist hatte sich nur zu wenigen Teileinsätzen durchringen dürfen. Die medizinische Abteilung des HC Kriens aus der Hirslanden-Klinik hatte einen Knorpelschaden diagnostiziert – keine Bagatelle, im Gegenteil: Eine heikle Blessur für einen Spitzensportler. Im Nachhinein leuchtet die Frage grell auf: Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die Operation schon früher, also in den Septemberwochen nach dem ersten Befund, durchzuführen?

Nyffenegger, einer, der mit seiner Ausstrahlung das Zeug zu einem Teamleader hätte, biss sich durch viele Trainings, durch einige Ernstkämpfe. Bis die Wahrheit nicht mehr zu verdrängen war, dass nur eine Operation das lädierte Knie wieder in Harmonie bringen würde. «Das ­Ärzteteam und ich haben lange gehofft, dass die konservative Behandlungsmethode mit inten­siver Physiotherapie das lädierte Knie wieder in Ordnung bringen würde. Dieser Entscheid war richtig.» Denn wenn es irgendwie möglich sei, den operativen Eingriff zu vermeiden dann stehe er dazu: «Es gibt ja schliesslich auch ein Leben nach dem Handball.»

Im besten Fall in zehn Monaten wieder dabei

Die Operation wird jetzt unumgänglich, aber: «Es war richtig, so lange abzuwarten. Ich würde nichts anders machen.» Dazu steht auch Nick Christen, der CEO des Vereins: «Es gibt immer zwei Seiten im Sport. Einerseits hätte man schon früh auf eine Operation drängen können, dann wäre das Problem womöglich jetzt gelöst. Andrerseits haben wir auch eine Vereinsphilosophie, und die heisst: Der Mensch steht im Vordergrund. Es war richtig, dass wir David die Möglichkeit gegeben haben, den konservativen Heilungsprozess einzuschlagen.»

Im besten Falle spielt David Nyffenegger in frühestens zehn Monaten wieder Handball, wenn der Heilungsprozess nicht optimal verläuft, droht ihm, der so gerne mit Kriens noch schöne Erfolge gefeiert hätte, das Karrierenende: «Ja, damit muss ich mich auseinandersetzen.»

Nyffeneggers definitives Out für das Saisonfinale erforderte bei Kriens Notmassnahmen. Nick Christen: «Es ist uns gelungen, mit dem Schaffhauser Nationalspieler Albin Alini zumindest für den Rest der Saison guten ­Ersatz zu rekrutieren.» Die neue Nummer 2 hinter Regisseur Tom Hofstetter wirft 1,97 Meter Grösse und 100 Kilogramm in die Waagschale, und David Nyffen­egger meint schmunzelnd: «Mit Albin sind die Chancen nicht geringer als mit mir, dass es Kriens in dieser Saison noch ganz weit nach vorne bringt ...»

Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch


Final4-Turnier in Olten. Halbfinals. Samstag. Männer: Endingen (NLB) - GC Amicitia Zürich (15.00). Wacker Thun - Kadetten Schaffhausen (19.15). – Frauen: Spono Nottwil - Rotweiss Thun (13.00). Zug - Brühl St. Gallen (17.15). – Finals am Sonntag: 13.00 Frauen, 15.30 Männer.