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Kommentar

Schweizer Fussball, ich mach mir Sorgen

Die Young Boys ziehen in der Champions-League-Qualifikation gegen Roter Stern Belgrad den Kürzeren, der FC Basel setzt sich nicht gegen den Linzer ASK durch. Die Analyse zum Scheitern von YB und FC Basel im internationalen Wettbewerb.
François Schmid-Bechtel

YB scheitert gegen Roter Stern Belgrad. Der FC Basel am Linzer ASK. Ein Jammer. Kein Schweizer Klub in der Champions League. Nicht, dass eine Champions-League-Teilnahme für eine Super-League-Mannschaft selbstredend ist. Aber wenn man wie im Fall von YB und dem FCB gegen Teams mit weniger Geld und weniger Talent ausscheidet, hat man einiges falsch gemacht.

Zu wenig Leidenschaft? Fabian Lustenberger und YB scheitern in Belgrad. (Bild: Claudio de Capitani/freshfocus)

Zu wenig Leidenschaft? Fabian Lustenberger und YB scheitern in Belgrad. (Bild: Claudio de Capitani/freshfocus)

«Wir waren über zwei Spiele die bessere Mannschaft.» Vom Trainer über den Sportchef bis zu den Spielern herrschte bei den Young Boys Konsens in der Nachbetrachtung. Einzig Guillaume Hoarau war nicht linientreu. «Im Leben kriegt man, was man verdient», sagte er. Und: «Wir müssen noch härter arbeiten und schuften, weil das ungenügend war.» Und: «Sie hatten mehr Killerinstinkt.»

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet jener Spieler, der in seiner Karriere am meisten erreicht hat, die schonungsloseste Analyse abliefert. Denn Genügsamkeit stand noch nie am Anfang grosser Taten. Ausserdem: Was heisst schon bessere Mannschaft?

Fehlende Entschlossenheit, wenig Inspiration

Natürlich hatte YB mehr Ballbesitz, mehr Spielanteile, mehr Offensivaktionen, mehr Freistösse aus aussichtsreicher Position. Aber eine Flanke wie vor dem 1:0 von Roter Stern Belgrad haben wir von YB nicht gesehen. Einen Laufweg und eine Entschlossenheit wie bei Vukanovic’ Treffer zum 1:0 gab es bei YB nicht. Dafür viele technische Fehler, wenig Inspiration, zaudernde Freistossschützen und fehlende Präzision auf den letzten 30 Metern.

Bei Roter Stern sah es bis auf das Tor nicht besser aus. Was es aber nicht erträglicher macht, das Aus der Berner zu akzeptieren. Im Gegenteil. Ein Kollege, FCZ-Fan seit Urzeiten, hielt vor drei Tagen anerkennend fest: «Die Young Boys sind zu gut für diese Liga. Wie sie den FCZ auseinandergenommen haben. Sie hätten auch 8:0 gewinnen können.»

Zu gut für die Super League, aber zu schlecht für Roter Stern Belgrad? Das spricht nicht für die Super League. Das Geld ist gewiss ein Grund, weshalb wir auf internationalem Parkett immer bedeutungsloser werden. Es fehlt Geld, um grosse Spieler zu verpflichten. Es fehlt Geld, um hoffnungsvolle Talente zu halten.

Weltberühmt in der Schweiz ist kein Gütesiegel

Die Schweizer Liga ist Durchlauferhitzer, Talentfabrik und Zulieferer in einem. Aber das sind viele andere Ligen wie die serbische und die österreichische auch. Dieses Bewusstsein gilt es bei den Spielern zu fördern. Ständig werden in der Super League Stars geboren.

Letzte Saison war beispielsweise Vincent Sierro in St. Gallen ein Überflieger. In den beiden Duellen gegen robuste aber biedere Belgrader war der Walliser kaum fähig, Akzente zu setzen. Weltberühmt in der Schweiz, das ist im Fussball kein internationales Gütesiegel.

Wahrscheinlich wird Sierro die internationale Tauglichkeit noch erlangen. Wie auch die vielen anderen jungen YBler. Schade nur, dass der Umbruch von Sportchef Christoph Spycher nicht so orchestriert wurde, damit YB bereits jetzt reif ist für die Champions League. Konkret fehlt dieser Mannschaft heute – nicht im Ligaalltag, sondern für die internationale Bühne – im Zentrum ein abgebrühter Taktgeber mit Wasserverdrängung. Die Lücken, die Djibril Sow und Sékou Sanogo hinterlassen haben, sind noch nicht gefüllt.

Es braucht mehr Leidenschaft

Roter Stern Belgrad und der Linzer ASK haben sich gegen die derzeit besten Schweizer Teams durchgesetzt, weil sie leidenschaftlicher aufgetreten sind. Apropos Leidenschaft: Wenn mir zugetragen wird, dass der Super-League-Trainer XY nur etwa bei 70 Prozent der Trainings anwesend war, oder der Challenge-League-Trainer YX den Gegner nicht beobachten kann, weil er den Abend bei Frau und Kind verbringen will, erklärt auch das den Niveauabfall.

Unser Wohlstand ist gewiss nicht förderlich für den entbehrungsreichen Weg zum Fussballprofi. Umso mehr sollen die, die Ja sagen zum Fussball, ihr Ding kompromisslos (auch keine typisch schweizerische Qualität) durchziehen. Unser Fussball braucht mehr Leidenschaft, um konkurrenzfähig zu bleiben.

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