Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kommentar

Schweizer immer selbstbewusst, aber nie arrogant

Der Auftakt zur EM-Qualifikation wird für die Schweizer Nationalmannschaft zum Charaktertest. Besonders, weil Admir Mehmedi, allen voran aber Xherdan Shaqiri und Haris Seferovic dem Team fehlen.
Christian Brägger, Tiflis
Christian Brägger

Christian Brägger

Tiflis. Es bläst ein kalter und starker Wind hinter dem Kaukasus. Das darf die Schweizer nicht weiter beeinflussen, sie sind in der georgischen Hauptstadt zum Auftakt der EM-Qualifikation der Gast. Die Einheimischen interessiert das bislang zwar nicht gross, mit Ausnahme der zahlreichen georgischen Medienschaffenden, die gestern der Pressekonferenz von Vladimir Petkovic aufmerksam zuhören. Sie sind aufsässig, vor allem sind sie stolz und deswegen auch irritiert, weil laut dem Nationaltrainer der georgische Fussball dem russischen ähnlich sehen soll.

Dabei wurde Petkovics Aussage aus dem Zusammenhang gerissen, weshalb er sie nun korrigiert. «Die Georgier haben die läuferische Stärke der Russen.» Eingehender mit dem Gegner will er sich erst am Abend befassen. Der Fokus liegt auf den eigenen Stärken.

Hat die Mannschaft den Umbruch gemeistert?

Wenn die Schweiz heute um 15 Uhr in die EM-Kampagne startet, steht eine Frage im Raum: Hat die Mannschaft den Umbruch nach der WM tatsächlich gut gemeistert? Acht Spieler stehen im Kader, die in Russland nicht dabei waren. Diese acht Schweizer haben nicht hautnah erlebt, was das 2:1 gegen Serbien und der Nachgang des Turniers auslöste. Sie waren nicht dabei, als vier Routiniers – je nach Lesart – keine Rolle mehr spielten. Sie müssen nicht wie Fabian Schär sagen: «Wir versuchen auszublenden, was gewesen ist.» Das kann ein Vorteil sein, denn mit den Neuen wie Kevin Mbabu oder Albian Ajeti kommt ein frischer Erfolgshunger. Einer, den es nun in dieser Kampagne, an deren Ende die EM in zwölf Städten mit 24 Teams steht, zu stillen gilt. Einer, der im Herbst zu diesem famosen 5:2 gegen Belgien in der Nations League führte, verbunden mit der Qualifikation für das Final Four in Portugal. Es ist just jene Begegnung, die nun als Messlatte dient – und das Finalturnier der Bonus, in dem die Schweizer jene Partien simulieren können, in denen sie ständig scheitern.

Unter Petkovic haben sich die Schweizer etwas angeeignet, das sie in der Form nicht kannten; sie gewinnen seit viereinhalb Jahren sämtliche Pflichtspiele gegen schwächer eingestufte Widersacher. Weil sie zwar selbstbewusst, aber nie arrogant sind. Und weil sie den Fokus auf die eigene Stärke und das Kollektiv legen. Die Partie gegen Georgien wird umso mehr zum Charaktertest, zumal Admir Mehmedi, allen voran aber Xherdan Shaqiri und Haris Seferovic fehlen.

Hohe Erwartung an das Schweizer Team

«Von den Schweizern wird immer viel und immer mehr erwartet», sagt Granit Xhaka. Das sei eine Auszeichnung und mehr Motivation als Druck. Ebenso kann es ein positives Signal ins Team sein, dass sich der 35-jährige Stephan Lichtsteiner dem Konkurrenzkampf stellt, sich nicht in seine Komfortzone zurückzieht. Die Jungen können vom Captain lernen, der mit Goalie Yann Sommer den Nationalcoach signifikanterweise an der Pressekonferenz flankierte. Doch an Lichtsteiner nagt der Zahn der Zeit, und nur solange der Erfolg da ist, wird es an seiner Nomination nichts auszusetzen geben.

Bei Pektovic stellt sich indes die Frage, wie lange er noch Nationaltrainer dieser Schweiz sein will. Die Qualifikation für die EM 2020 ist ein Muss, es wäre dann seine dritte Endrunde in sechs Jahren Amtszeit. Und dennoch könnte der eine oder andere Club ja auf den Gedanken kommen, Petkovic abzuwerben. Wenn es ihn nicht von sich aus wieder zu einem Verein zieht. Seine Statistik spricht für ihn.

Sieg gegen Belgien darf nicht die Ausnahme bleiben

So oder so. Es steht dieser ambitionierten Schweizer Nationalmannschaft ein spannendes neues Fussballjahr 2019 bevor. Eines, das Höhen und Tiefen bringen wird. Eines, in dem sie weitere Fortschritte in ihrer Entwicklung erzielen muss um künftige, höhere Aufgaben zu bewältigen. Damit Belgien nicht die Ausnahme bleibt. Das darf noch nicht der Zenit gewesen sein.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.