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Schweizer Nati: Xherdan Shaqiri geht es offenbar nicht gut

Nationaltrainer Vladimir Petkovic sagt, Xherdan Shaqiri fühle sich derzeit leer und ausser Stande, der Schweiz zu helfen.
Christian Brägger aus Zürich
Der Schweizer Nationatrainer Vladimir Petkovic erklärt sich an der Medienkonferenz in Zürich. (Bild: Walter Bieri/KEY)

Der Schweizer Nationatrainer Vladimir Petkovic erklärt sich an der Medienkonferenz in Zürich. (Bild: Walter Bieri/KEY)

Was ist bloss mit Xherdan Shaqiri los? Fast drei volle Monate sind vergangen seit dem Final-Four-Turnier in der Nations League. Und nun, beim ersten Zusammenzug der Schweizer Nationalmannschaft seit den Tagen in Portugal, stellt sich ebendiese oft gehörte Frage: Was ist bloss mit Shaqiri los? Vor den EM-Qualifikationsspielen gegen Irland und Gibraltar ist der Kontext folgender: Shaqiri hat für die beiden Spiele der Nationalmannschaft abgesagt. Mit der Begründung, sich vollumfänglich auf seinen Arbeitgeber FC Liverpool konzentrieren zu wollen.

Nationaltrainer Vladimir Petkovic hatte deswegen Erklärungsbedarf. Nicht zum ersten Mal in seiner Amtszeit. Vor einem Jahr musste er beispielsweise nach der unglücklichen WM in Russland und den Doppeladlergesten eine Charmeoffensive starten. Petkovic tat dies mit der Hilfe der Belegschaft und der Spieler, die geschlossen zur Medienkonferenz erschienen – und damit ein Statement setzten.

Der Trainer zeigt Verständnis für den Wunsch des Spielers

An diesem Montagnachmittag wird Petkovic vom neuen Direktor der A- und U21-Nationalmannschaft flankiert, Pierluigi Tami. Faktisch redet aber nur der Nationaltrainer. Schnell einmal spricht er davon, die 23 besten Spieler im Kader versammelt zu haben. Dann sagt er auf ein erstes Nachfragen:

«Ich verstehe und akzeptiere den Wunsch von Xherdan Shaqiri, diese Pause vom Nationalteam zu nehmen.»

Gemäss Petkovic fühlt sich Shaqiri leer und ausgebrannt und sieht sich deswegen ausser Stande, der Nationalmannschaft in dieser Woche helfen zu können. Übersetzt heisst das: Shaqiri kann ihr nicht geben, was sie von ihm braucht. Weil es dem Offensivspieler nicht gut geht.

In einer schwierigen Phase. Xherdan Shaqiri. (Bild: Keystone)

In einer schwierigen Phase. Xherdan Shaqiri. (Bild: Keystone)

Shaqiri ist anders als seine Mitspieler. Selbst wenn seit seinem Debüt 2010 der Punkteschnitt der Schweiz ohne ihn leicht besser ausfällt als mit ihm. Shaqiri ist Thema, wenn er nicht da ist, und er ist es, wenn er da ist. Hat er ein tolles Jahr wie das vergangene, dann ist er das Puzzleteil, das die Nationalmannschaft besser macht und er der Mann, der für den Unterschied gegen Serbien oder Belgien sorgt.

Aber der 27-Jährige ist in Liverpool Edelreservist, ganze fünf Meisterschaftsminuten hat er bisher in den Beinen. Einen grossen Teil der Vorbereitung verpasste er wegen einer Muskelverletzung, die von der Partie um Platz drei gegen England im Final- Four-Turnier herrührte. Weil es im Verein nicht gut läuft, sind sofort die Diskussionen um seinen Anspruch und die Wirklichkeit in einem Spitzenklub aufgeflammt. Diskussionen, die es früher schon bei Bayern München gab.

Shaqiri ist anders in seinem Charakter und Denken

Shaqiri ist aber auch anders in seinem Charakter und Denken. Gespräche mit ihm sind oft nicht einfach. Und er ist auch anders, was seinen Umgang mit der Nationalmannschaft betrifft. Vielfach haben Länderspiele Akteuren wie Fabian Schär oder Haris Seferovic geholfen, schwierige Phasen im Verein zu überbrücken und nach Zusammenzügen mit Selbstvertrauen in den Kluballtag zurückzukehren. Aber Xherdan Shaqiri empfindet das offenbar ganz anders, er wählt den temporären Rückzug. Vielleicht auch, weil er Mühe hat, im Mannschaftsgefüge neben dem Platz seine Rolle zu finden.

Shaqiri und Petkovic standen in regem Austausch, der Entscheid, nicht an diesem Zusammenzug teilzunehmen, wurde bereits Mitte vergangener Woche gefällt. Laut Petkovic hat ein Einrücken keinen Sinn gemacht. «Er kann sich nicht darauf konzentrieren, Fussball zu spielen. Er braucht Zeit, um gedanklich zurückzufinden. Ich habe ihm eine ziemlich lange SMS geschickt mit positiven, erfreulichen Gedanken, um zu helfen, aus der kleinen Krise herauszukommen.»

Xherdan Shaqiri muss sich beim FC Liverpool beweisen. (Bild: EPA)

Xherdan Shaqiri muss sich beim FC Liverpool beweisen. (Bild: EPA)

Das alles tönt nach tiefgreifenden Problemen und nicht nach blosser Unzufriedenheit über eine Situation im Verein. Die Worte Petkovics überraschen insofern, weil das Verhältnis zwischen Spieler und Coach nicht als das beste gilt. Ein Granit Xhaka zum Beispiel hat einen viel besseren Draht zum Trainer, aber Xhaka würde einen Termin mit der Nationalmannschaft auch nicht einfach so sausen lassen.

Petkovics ungekannte Offenheit

Petkovic sagt denn auch in einer ungekannten Offenheit, das Verhältnis zu Shaqiri sei okay, aber es könnte besser sein.

«Wir müssen uns gegenseitig noch mehr öffnen. Ich bin bereit, alles zu unternehmen, um ihn zu schützen. Es tut mir leid, dass ich ihm jetzt nicht direkt behilflich sein kann.»

Ein Shaqiri in Topform würde nicht nur der Schweiz helfen, sondern auch Petkovic. Sein Vertrag läuft bis zum Ende der EM-Qualifikation. Es geht also um das Wohlbefinden aller. Auch deshalb hat Tami die Causa ganz zuoberst auf die Prioritätenliste gesetzt. Weil die Frage, was bloss mit Shaqiri los ist, für Unruhe sorgt.

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