Schweizer nur im Youtube-Kanal präsent

Genügt haben die Nati im ersten Olympia-Einsatz gegen Gabun (1:1) nicht – schon gar nicht den eigenen Ansprüchen. Korrekturen sind nötig und auch zu erwarten. So jedenfalls sind die Reaktionen der Betroffenen zu interpretieren.

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Von Coach Pierluigi Tami wird erwartet, dass er am Sonntag gegen Südkorea Umstellungen vornimmt. (Bild: Keystone)

Von Coach Pierluigi Tami wird erwartet, dass er am Sonntag gegen Südkorea Umstellungen vornimmt. (Bild: Keystone)

Spuren haben die Schweizer Fussballer beim eher missratenen Auftakt nur geringe oder vor allem am falschen Ort hinterlassen. Im «Youtube»-Kanal kursierte schon bald einmal das Filmchen, wie Admir Mehmedi ein paar Zentimeter vor dem leeren Tor ohne Einwirkung des Gegners den Ball verfehlte. Der Offside-Pfiff schmälerte die Schadenfreude der (neutralen) Briten nur bedingt. «Ich war wohl im Geist schon beim Jubeln», bemühte sich Mehmedi um eine Erklärung der clownesken Szene.

Schwer taten sie sich auch bei der übrigen Aufarbeitung der höchst mässigen Partie. Nach 20 dominanten Minuten waren sie nahezu von der Bildfläche verschwunden. «Wir waren wohl selber überrascht, wie einfach uns am Anfang alles gefallen ist», meinte Oliver Buff. Die Schweizer wähnten sich voreilig in Sicherheit. Steven Zuber bestätigte die eigene und mutmasslich fatale Lethargie: «Unser Fehler war, sie ins Spiel kommen zu lassen.»

Pierluigi Tami fiel auf, «dass wir wegen der Aggressivität des Gegners taktische Probleme hatten in der ersten Hälfte». Er empfand den optisch zumindest teilweise ansprechenden Auftritt vor der Pause als ungenügend. «Die zweite Halbzeit war besser. Die Organisation funktionierte wieder.» Mehr Stabilität ist indes kein Garant für einen höheren Ertrag. Die Schweizer investierten ihre gesamte Energie nur noch in die Organisation.

Mit dieser Formation ist die Schweiz gegen Gabun gestartet. (Bild: Keystone)
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Die Spieler betreten den Platz. (Bild: Keystone)
Nationalhymnen im Stadion von Newcastle. (Bild: Keystone)
Admir Mehmedi schiesst die Schweiz in der 7. Minute 1:0 in Führung. (Bild: Keystone)
Jubel bei den Schweizern nach dem Tor, oben Luzerns Xavier Hochstrasser. (Bild: Keystone)
Schweizer Fans in Newcastle. (Bild: Keystone)
Admir Mehmedi gegen Merlin Tandjigora (Bild: Keystone)
Steven Zuber gegen Franck Engonga (Bild: Keystone)
Coach Pierluigi Tami. (Bild: Keystone)
In mancher Situation entschieden sich die Schweizer im falschen Moment für die falsche Aktion - wie beispielsweise Oliver Buff, der auf ungeschickte Weise einen Penalty anpeilte und stattdessen in der 78. Gelb-Rot sah. (Bild: Keystone)
Innocent Emeghara am Boden. (Bild: Keystone)
Kurz vor der Halbzeit erzielt Aubameyang den Ausgleich. (Bild: Keystone)
Nationalhymne vor dem Spiel. (Bild: Keystone)

Mit dieser Formation ist die Schweiz gegen Gabun gestartet. (Bild: Keystone)

Im Mittelfeld rackerten sie alle wie Schwerarbeiter, strebten den vom Trainer verlangten Ballbesitz an. Aber irgendwie kam ihnen dabei die Souplesse vergangener U21-EM-Tage abhanden. Es fehlte ein Regisseur mit Ideen. Tami selber war daran nicht ganz unbeteiligt. Er setzte im rechten Couloir auf Steven Zuber und nominierte im Zentrum an der Seite von Fabian Frei den «Fusswerker» Xavier Hochstrasser - Pajtim Kasami, der Spieler von Fulham mit den Qualitäten einer Nummer 10, sass lange nur frustriert auf der Ersatzbank.

«Wir haben jetzt zwei Tage Zeit, um die Fehler intern zu analysieren und die nötigen Korrekturen vorzunehmen. Verloren ist ja noch nichts. Alle Teams sind punktgleich», blickte Diego Benaglio im Stil des Routiniers wenige Minuten nach dem enttäuschenden 1:1 nach vorne. Der Captain und auch alle übrigen Beteiligten wissen: Eine Steigerung im hohen zweistelligen Prozentbereich ist unabdingbar, um gegen die im Startspiel gegen Mexiko (0:0) beeindruckende Auswahl von Südkorea bestehen zu können.

Tami hat in der jüngeren Vergangenheit schon mehrfach seine taktische Flexibilität nachgewiesen. Er ist kein zögerlicher Typ. Das 0:1 im Test gegen Senegal passte ihm nicht, worauf drei Wechsel folgten. Rochaden im gleichen Umfang sind auch am kommenden Sonntag in Coventry zu erwarten - und auch nötig, um zur Stilsicherheit und erwünschten Kreativität zurückzufinden.

Sven Schoch