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SCHWINGEN: Auch der Pfarrer fasst sich am Schwingfest kurz

Kranzfeste dauern oft länger als geplant. Auch am Sonntag in Alpnach wird es schwierig für die Organisatoren, den Schlussgang des Innerschweizerischen pünktlich um 17 Uhr zu starten.
Claudio Zanini
Pfarrer Daniel Krieg während der Sonntagsstille. (Bild: Pius Amrein/LZ, Altdorf, 28. Mai 2017)

Pfarrer Daniel Krieg während der Sonntagsstille. (Bild: Pius Amrein/LZ, Altdorf, 28. Mai 2017)

Claudio Zanini

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Der Fahrplan an Schwingfesten ist eng getaktet. So eng, dass er meist gar nicht eingehalten werden kann. Dies führt dazu, dass sich der am frühen Morgen beginnende Wettkampf meist in die Länge zieht. In einer Umfrage der Schwingerzeitung «Schlussgang» vertrat jüngst die Mehrheit der Leser die Meinung, Schwingfeste würden zu lange dauern. Obwohl das Ergebnis nicht überbewertet werden sollte, erstaunt dennoch die Haltung eines Publikums, das dem Schwingsport seit jeher verbunden ist.

Für Paul Vogel, den Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbands (ESV), sind die kritischen Stimmen kein Grund zur Sorge. «Schon früher haben Schwingfeste den ganzen Tag in Anspruch genommen», betont Vogel. Er bestätigt aber auch, dass der Zeitplan selten eingehalten werden könne. Ein Schlussgang, der tatsächlich wie geplant um 17 Uhr über die Bühne geht, ist mehr die Ausnahme als die Regel – Verspätungen, die eine halbe Stunde überschreiten, sind längst keine Sonderfälle mehr.

Mehr Teilnehmer wegen neuer Regel

Gründe für die Verzögerungen seien nicht nur bei den Organisatoren der Schwingfeste zu suchen, man könne an allen Orten ein «wenig schrauben», bemerkt Vogel. Er appelliert insbesondere an die Schwinger selbst, die mitziehen müssen, und führt ein Beispiel an: «Oftmals geht einer nochmals zum Brunnen, obwohl er schon im Sägemehl stehen sollte.» Im Gegensatz zu den Aktiven sehe er bei den Jungschwingern aber eher Handlungsbedarf. Dort werden die Schlussgänge der verschiedenen Jahrgänge oft einzeln abgehalten, anstatt diese parallel auszutragen und somit Zeit einzusparen. Die Präsenzzeit der Junioren würde sich so wesentlich verkürzen.

Einen straffen Wettkampf bei den Aktiven durchzuführen, ist 2017 nicht einfacher geworden. Seit der laufenden Saison läuft eine dreijährige Pilotphase, in der bei Kantonalen Schwingfesten der Innerschweiz mehr Schwinger zugelassen sind. Beim Schwyzer und Luzerner Kantonalen traten in dieser Saison je über 230 Athleten an. Das sind Zahlen in der Grössenordnung eines Teilverbandsfest, wie es das Innerschweizerische in Alpnach ist.

Doch es ist nicht nur das grosse Teilnehmerfeld, das den Wettkampf aufbläht. Ebenso grosszügig fällt zuweilen das Rahmenprogramm aus. Nach den ersten beiden Gängen findet jeweils die Sonntagsstille statt, die es nur noch in der Innerschweiz gibt. Die anderen vier Teilverbände (Berner, Nordostschweizer, Nordwestschweizer, Südwestschweizer) verzichten auf den sonntäglichen Gottesdienst. Weitere Unterbrüche gibt es am Mittag und nach dem fünften Gang, wenn der Festakt ansteht.

Willkommene Pause für die Einteilung

Für das Rahmenprogramm am Sonntag in Alpnach ist Beat Durrer verantwortlich. Viel Spielraum hat er nicht, sein Programm stellt sich praktisch von selbst zusammen. «Gemäss dem Pflichtenheft des Innerschweizer Verbands müssen wir eine Sonn­tagsstille sowie einen Festakt durchführen. Ausserdem vorgeschrieben ist die volkstümliche Unterhaltung, etwa mit Jodel-Darbietungen.» Damit der Zeitplan eingehalten werden kann, wurde der Pfarrer von Alpnach angewiesen, für die Sonntagsstille die 25-Minuten-Grenze nicht zu überschreiten. Auch die Redezeiten während des Festakts wurden limitiert. Dort kommen drei Offizielle zu Wort: der Innerschweizer Verbandspräsident und die Chefs des diesjährigen und letztjährigen OK. «Unser Ziel ist, dass der Festakt nicht länger als 35 Minuten dauert», sagt Durrer. Den Vorwurf, dass die Veranstalter zuweilen trödeln, weist Durrer von sich. Er habe sich mit dem OK des Innerschweizerischen von Einsiedeln – dort fand der Schlussgang im vergangenen Jahr mit reichlich Verspätung statt – in Verbindung gesetzt, um nicht dieselben Fehler zu machen. «Aber es lag gar nicht am Rahmenprogramm. Viel Zeit ging verloren, weil es viele gestellte Gänge gab.»

Das oft verschmähte Rahmenprogramm hat aber durchaus auch Vorzüge. Dem Einteilungsgericht wird in entscheidenden Momenten des Wettkampfes die nötige Bedenkzeit eingeräumt. ESV-Präsident Vogel sagt: «Ge­rade zwischen dem fünften und dem sechsten Gang ist ein Unterbruch wichtig. Damit die Einteilung eine seriöse Auslegeordnung machen kann.» Der Festakt wird somit zur willkommenen Pause für das Kampfgericht, bevor im sechsten Gang um die Kränze gekämpft wird. Und wenn der eigene Liebling das Eichenlaub auf dem Kopf hat, nimmt der Schwingfan eine verspätete Heimreise wohl gerne in Kauf.

Unverzichtbar: Sich frisch machen vor dem nächsten Gang. (Bild: Pius Amrein/LZ, Altdorf, 28. Mai 2017)

Unverzichtbar: Sich frisch machen vor dem nächsten Gang. (Bild: Pius Amrein/LZ, Altdorf, 28. Mai 2017)

Die Schweizer Fahne flattert während des Festakts. (Bild: Pius Amrein/LZ, Altdorf, 28. Mai 2017)

Die Schweizer Fahne flattert während des Festakts. (Bild: Pius Amrein/LZ, Altdorf, 28. Mai 2017)

Das Kampfgericht berät sich. (Bild: Pius Amrein/LZ, Altdorf, 28. Mai 2017)

Das Kampfgericht berät sich. (Bild: Pius Amrein/LZ, Altdorf, 28. Mai 2017)

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