SCHWINGEN: Bruno Müller beendet ein langes Kapitel

Mit Bruno Müller (37) hängt der älteste Schwinger der Innerschweiz die Zwilchhosen an den Nagel. Beim letzten Auftritt holte sich der Zuger seinen 70. Kranz.

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Der älteste Innerschweizer Schwinger Bruno Müller (37) erklärt seinen Rücktritt. Der Zuger gewann in seiner Karriere 70 Kränze. (Bild Werner Schelbert)

Der älteste Innerschweizer Schwinger Bruno Müller (37) erklärt seinen Rücktritt. Der Zuger gewann in seiner Karriere 70 Kränze. (Bild Werner Schelbert)

Die Zahlen können sich sehen lassen: In seiner Karriere gewann Bruno Müller 70 Kränze im Schwingen, 30 im Nationalturnen und drei im Ringen. Als zweitältester Eidgenosse hinter dem Ostschweizer Stefan Burkhalter (41), war Müller der älteste Schwinger der Innerschweiz. Nun ist Schluss: Am Basellandschaftlichen Kantonalen stieg der Mann aus Unterägeri zum letzten Mal in den Sägemehlring. Im Interview äussert sich der dreifache Familienvater über zukünftige Pläne und zweifelhafte Entscheidungen der Kampfrichter.

Bruno Müller, wir sind ein wenig enttäuscht. Zu Beginn der Saison sagten Sie, bis zum Eidgenössischen 2019 in Zug weiterzumachen ...

Bruno Müller: Natürlich war das nur ein Spass. Ich habe in dieser Saison ganz einfach gemerkt, dass der Zeitpunkt für den Rücktritt aus dem Schwingsport gekommen ist.

Wann haben Sie das gemerkt?

Müller: Ich war mit einigen Kampfrichter-Entscheidungen unzufrieden ehrlich gesagt. Und das will ich mir in meinem Alter nicht mehr Sonntag für Sonntag antun. Eine herbe Enttäuschung war auch, dass ich am Nordostschweizerischen nicht teilnehmen durfte, obwohl man mir im Januar die Teilnahme versprochen hatte.

Welche Fehlentscheidungen sprechen Sie genau an?

Müller: Da möchte ich nicht genau ins Detail gehen. Diejenigen, die es angeht, wissen Bescheid.

Dennoch können Sie mit Ihrer letzten Saison und vier Kranzgewinnen wohl zufrieden sein.

Müller: Grundsätzlich bin ich zufrieden. Ich habe in dieser Saison gemerkt, dass ich immer noch mit den jüngeren Athleten mithalten kann. Schade, konnte ich aufgrund meiner Leistenverletzung nicht am Innerschweizerischen teilnehmen. Ich hätte mir sicher zugetraut, dort einen Kranz zu gewinnen.

Und nun ist definitiv Schluss, oder lassen Sie noch eine Hintertür offen?

Müller: Die Schwingkarriere ist definitiv beendet. Wenn es der Körper zulässt, werde ich vielleicht einzelne Male beim Nationalturnen teilnehmen. Ausserdem bin ich noch als Leiter im Nationalturnen tätig, und meine beiden Söhne üben den Sport aus. Die Kollegen vom Schwingklub Zug und Unterägeri haben bereits nachgefragt, ob ich im Training hie und da noch auftauchen werde. Das kann sicher vorkommen.

Was war rückblickend Ihr Karriere-Highlight?

Müller: Für mich war jeder Kranzgewinn ein Highlight. Ich war nie ein Schwinger, von dem man zu Festbeginn wusste, dass er auf alle Fälle die Auszeichnung holt. Sicher war 2011 ein tolles Jahr mit dem zweiten Rang am Innerschweizerischen und der anschliessenden Schlussgangteilnahme am Brünig. Und der Sieg am Zuger Kantonalen 2002 natürlich.

Sie waren lange dabei. Was muss sich im Schwingen künftig aus Ihrer Sicht ändern?

Müller: Ich würde eine Regelung begrüssen, welche die Athleten verpflichtete, dieselbe Anzahl Rangschwingen wie Kranzfeste absolvieren zu müssen. Es darf nicht sein, dass einer an sieben Kranzfesten und nur an einem Rangschwingen teilnimmt.

Was machen Sie nun in der wieder gewonnenen Freizeit?

Müller: Ich freue mich vor allem, an den Sonntagen wieder ausschlafen zu können. Natürlich werde ich mehr für meine Frau Conny und die drei Kinder da sein. Und wenn ich Zeit finde für eine gemütliche Grillade mit einem guten Glas Wein, bin ich bestimmt nicht böse.

Interview Claudio Zanini