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SCHWINGEN: Christian Stucki: «Mein Gewicht wird oft kritisiert»

Der Berner Christian Stucki tritt am Innerschweizerischen als Gast an. Im Interview spricht der 32-Jährige über mögliche Siegchancen, hupende Autofahrer und den Unfall von Matthias Glarner.
Claudio Zanini
Christian Stucki: «Das Erfreuliche in meiner Karriere überwiegt.» (Bild: Christian Beutler/Keystone (Bern, 7. Juni 2016))

Christian Stucki: «Das Erfreuliche in meiner Karriere überwiegt.» (Bild: Christian Beutler/Keystone (Bern, 7. Juni 2016))

Interview: Claudio Zanini

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Christian Stucki, Sie sind der beliebteste Schwinger der Schweiz, einverstanden?
Uff! Das ist immer relativ. Es gibt viele, die Freude haben, wenn sie mich sehen. Aber ich habe auch immer wieder Kritiker.

Was wird Ihnen denn angekreidet?
Es geht meist um mein Gewicht, das zu hoch sei. Oder dass ich wegen meines Namens von der Einteilung bevorzugt werde. Aber mit solcher Kritik müssen andere Spitzenschwinger ja auch leben.

Erklären Sie mal folgende Situation: Eine Kamera filmt, wie Ihr Sohn Ihnen am Eid­genössischen sagt, dass er in die Badi will – das Video wird zum Renner. Warum?
Es erstaunte mich auch, dass dies so hohe Wellen schlug. Wahrscheinlich macht der Grössenunterschied von Kind zu Vater das Ganze speziell. Viele fanden wohl die Art und Weise, wie er mich fragte, berührend. Ich ging am Samstag des Eidgenössischen schon mit meinem Junior baden, dann wollte er am Sonntag gleich nochmals. Auch ich war froh, als wir schliesslich in die Badi gehen konnten.

Gibt es Situationen im Alltag, in denen Sie Ihre Bekanntheit ausnutzen?
In gewissen Situationen nutze ich das aus – und dann habe ich hinterher wieder ein schlechtes Gewissen. Ich bin eigentlich nicht der Typ, der sich in den Vordergrund stellen will, denn auch ich koche nur mit Wasser.

Sie arbeiten als LKW-Chauffeur. Wie muss man sich das vorstellen? Hupen und winken andere Autofahrer, wenn sie den Stucki hinter dem Steuer entdecken?
Das passiert mir eigentlich eher, wenn ich mit dem PW unterwegs bin, weil dann das Auto angeschrieben ist.

2013 standen Sie im Schlussgang am Eidgenössischen, König wurden Sie nicht. Ist Ihre Karriere unvollendet ohne diesen Titel?
Meine Karriere ist ja noch nicht vorbei. Bis zum Eidgenössischen Schwingfest in Zug 2019 werde ich sicher noch weitermachen. Und vielleicht werde ich da nochmals um den Titel mitschwingen können. Aber auch, wenn ich nicht König werden sollte: Das Erfreuliche in meiner Karriere überwiegt, ich will nicht irgendetwas nachtrauern.

Wenn Sie zurückschauen: Gibt es Veränderungen im Schwingsport, die Ihnen nicht passen?
(Überlegt lange.) Ich finde, wir sollten Sorge tragen zu den Werten im Schwingen. Unter den Veranstaltern ist ein wenig ein Wettbewerb entstanden, alle wollen einander übertreffen. Die Grösse, die wir nun erreicht haben, reicht aus. Am letzten Eidgenössischen gab es viele Zuschauer, die einfach nur das Fest besuchten, um sich auf dem Areal die Lampe zu füllen. Das braucht es nicht.

Werden Sie manchmal eigentlich böse?
Ja, das gibt es schon auch.

In welchen Momenten?
Wenn mir beispielsweise mein Junior nicht gehorcht, kann ich lauter werden. (lacht)

Grundsätzlich haftet an Ihnen das Etikett des gemütlichen Bärs, stört Sie das?
Nein, das stört mich überhaupt nicht. Ich werde oft als «Gmüetsmore» bezeichnet, aber so bin ich halt.

Nun treten Sie am Innerschweizerischen in Alpnach an. Vor vier Jahren holte letztmals ein Gast den Sieg. Trauen Sie sich das am Sonntag auch zu?
Wenn es mir gut läuft, ist alles möglich.

Das müssen Sie jetzt aber präzisieren.
Da gibt es nicht viel zu präzisieren. Es muss wirklich alles passen, dass man als Gast siegen kann. Momentan läuft es gut bei mir. Bis zum Unspunnen muss ich spätestens in Topform sein.

Reden wir doch gleich über den Unspunnen. Gewinnt in diesem Jahr ein Berner?
Ich hoffe es doch sehr.

Auch wenn der Schwinger­könig Matthias Glarner nach seinem Unfall nun ausfällt: Mit Matthias Sempach, Kilian Wenger, Remo Käser und Ihnen ist das Team immer noch stark, die zweite Garde erwähnen wir gar nicht.
Zum Glück ist Glarner nicht etwas Schlimmeres passiert. Er wird uns sicher fehlen. Aber es ist so: Wir sind in der Breite nach wie vor am besten besetzt. Mit Matthias Sempach ist immer zu rechnen, Wengers Formkurve stieg zuletzt. Bernhard Kämpf und Florian Gnägi darf man ebenfalls nicht vergessen.

Was haben Sie sich persönlich vorgenommen für den Saisonhöhepunkt?
Da will ich um den Sieg mitschwingen. Mit dem Unspunnen habe ich noch eine Rechnung ­offen. 2011, beim letzten Mal, blieb ich unter meinen Erwartungen. Die ersten drei Gänge stellte ich allesamt.

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