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SCHWINGEN: Der König akzeptiert sein Pech

Der verletzte Matthias Sempach wird am Innerschweizerischen nicht schwingen, aber als TV-Experte im Einsatz stehen. Mit ­seiner Verletzung hat sich der König abgefunden.
Interview Claudio Zanini
Erholt sich bei sich zu Hause in Alchenstorf von seiner Verletzung: der Berner Matthias Sempach. (Bild Philipp Rohner)

Erholt sich bei sich zu Hause in Alchenstorf von seiner Verletzung: der Berner Matthias Sempach. (Bild Philipp Rohner)

Interview Claudio Zanini

Es war der Aufreger der bisherigen Schwingsaison: Am Oberaargauischen vor gut einem Monat verdrehte sich Schwingerkönig Matthias Sempach den rechten Fuss. Die Diagnose: Sprunggelenksprengung mit mehreren Bänderrissen und ein Bruch der Schienbeinhinterkante. Doppelt bedauerlich aus Zentralschweizer Sicht: Sempach war als Gast ans Innerschweizerische eingeladen. Statt zu schwingen, wird der König nun aber am Sonntag, 5. Juli, das Teilverbandsfest in Seedorf für Tele 1 live kommentieren. Im Interview äussert sich der 29-Jährige über seine Aufgabe als Babysitter, seine persönlichen Favoriten auf den Festsieg und den Mann der Stunde, Joel Wicki.

Matthias Sempach, ist Ihnen langweilig in Ihrer Zwangspause?
Sempach:
Nein, bisher nicht. Ich bin allerdings immer noch ziemlich eingeschränkt.

Sie verbringen momentan viel Zeit zu Hause. Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?
Sempach:
Vormittags bin ich Babysitter und passe auf meinen Sohn Henry auf, das heisst, ich spiele vor allem mit ihm. Seit dieser Woche gehe ich in die Physiotherapie. Was das Training betrifft, kann ich Rumpf- und Oberkörperübungen machen. Und dann habe ich immer noch ein 40-Prozent-Pensum als Kundenberater bei der Melior. Da versuche ich so gut wie möglich per Telefon von zu Hause aus zu arbeiten.

Und offenbar schauen Sie Tennis, wie Ihr Tweet neulich bei Wawrinkas Sieg in Roland Garros zeigt ...
Sempach:
Ja, da habe ich mich sehr für ihn gefreut. Was die sozialen Medien betrifft, finde ich es gut, da ein wenig mitzuziehen. Für Fans ist das toll, sie bekommen auch mal Einblick in meinen Alltag. Aber ich will es nicht übertreiben. Ein Tweet pro Woche reicht.

Welche Sportarten verfolgen Sie sonst noch von zu Hause aus?
Sempach:
Während der Eishockeysaison befasse ich mich intensiv mit den SCL Tigers. Aber eigentlich interessiert mich die gesamte Liga und natürlich auch das Nationalteam. Sport im Allgemeinen interessiert mich, Ski alpin besonders.

Ist es schwierig, den schwingenden Kollegen nun zuschauen zu müssen?
Sempach:
Ja, das sind die einzigen Momente, in denen es mich wirklich wurmt, dass ich verletzt bin. Aber grundsätzlich habe ich mich rasch mit meiner Verletzung abgefunden.

Das klingt jetzt sehr abgeklärt.
Sempach:
Doch, das ist so. Ich bin grundsätzlich ein Typ, der Dinge abhakt, sobald nichts mehr zu ändern ist. Diese Verletzung habe ich akzeptiert. Ich weiss, dass alles wieder gut wird.

Wie erlebten Sie die Minuten nach der Verletzung am Oberaargauischen?
Sempach:
Da ich nicht wirklich starke Schmerzen hatte, dachte ich in diesem Moment, ich würde wohl vor Saisonende wieder schwingen können. Auf dem Weg ins Inselspital habe ich aber ein Video gesehen, in dem alles schlimmer aussah. Ich bin eigentlich von einer einfachen Bänderverletzung ausgegangen, die Diagnose war dann allerdings komplizierter.

Salopp gesagt, ist es einfach dumm gelaufen. Haben Sie Angst, dass so etwas wieder passieren könnte?
Sempach:
Überhaupt nicht. Klar sind solche Verletzungen oft Schicksal. Durch gezieltes Training und optimale Erholung verringert sich die Verletzungsgefahr. Diesbezüglich gebe ich mein Bestes.

Wann legen Sie die Krücken weg?
Sempach:
Erst in drei Wochen werden zwei von fünf Schrauben entfernt. Wie lange ich danach noch an Krücken gehen werde, weiss ich noch nicht. Das Ziel ist vorläufig, dass ich im August wieder ins Training einsteigen kann.

Am Innerschweizerischen werden Sie nun zum Zuschauen verurteilt. Was können wir vom TV-Experten Mat­thias Sempach erwarten?
Sempach:
Ich denke, als aktiver Schwinger bin ich sehr nahe am Geschehen, kenne die Personen und ihre Geschichten. Vielleicht kann ich da noch hilfreiche Zusatzinformationen einbringen. Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe. Aber wie gesagt: An einem Schwingfest fängt es bei mir an zu kribbeln, da will ich mitmachen, nicht zuschauen.

Wer sind Ihre Favoriten?
Sempach:
(überlegt) Ich nenne jetzt mal vier Namen: Kilian Wenger, Christian Schuler, Philipp Laimbacher und Andreas Ulrich. Aber da gäbe es mindestens noch zehn andere, denen ich es genauso zutrauen würde.

Ihre Freundin Heidi stammt aus der Zentralschweiz. Haben Sie sonst noch Bezugspunkte zu unserer Region?
Sempach:
Ja, ich bin mit einigen Schwingern befreundet: Alain Müller, die Laimbachers und die Gebrüder Gloggner, Martin Grab und einige andere. Aber ansonsten habe ich nicht wirklich viel Kontakt zur Zentralschweiz.

Den Erfolg von Joel Wicki werden Sie mitbekommen haben. Am Montag herrschte grosser Trubel in Sörenberg ...
Sempach:
Waren viele Leute beim Empfang da?

Etwa 400, vielleicht 500. Was würden Sie einem Jungen wie ihm auf den Weg geben?
Sempach:
Das Wichtigste ist, dass man ein gutes, intaktes Umfeld hat. Bei Joel Wicki ist das vorhanden, soweit ich das beurteilen kann. Trotz unbändigem Willen muss genügend Erholung eingeplant sein. Und dann braucht es Glück, dass man verletzungsfrei bleibt.

Kürzlich sagten Sie, Sie würden auch auf den Brünig schwingen gehen, wenn es nur einen Kaffee als Entschädigung geben würde. Das ist doch übertrieben.
Sempach:
Ich stehe zu dieser Aussage. Als ich 1993 mit Schwingen begonnen habe, war das aus reiner Leidenschaft. Zu dieser Zeit war noch gar nicht bekannt, dass man mit Schwingen Geld verdienen könnte. Mit 20 Jahren hatte ich bereits zwei Bergfeste gewonnen, hatte aber noch keinen einzigen Sponsor. Und ich würde heute auch noch schwingen, wenn es kein Geld zu verdienen gäbe.

Sie dürften aber einer der wenigen sein, die vom Schwingen leben.
Sempach:
Das sehe ich nicht so. Es gibt mittlerweile sicher 20 Schwinger, die mit reduziertem Pensum arbeiten. Finanziell geht es sicher dem einen oder anderen nicht so schlecht.

Können wir Sie nach der Verletzung ähnlich stark erwarten?
Sempach:
Nächstes Jahr werde ich 30 Jahre, da bin ich im besten Alter. Ich hoffe, ich werde ähnlich stark wie in den letzten drei Jahren zurückkommen. Wichtig ist, dass ich von November bis April ohne Beschwerden trainieren kann.

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