SCHWINGEN: Die Konstanz ist ihre Stärke

Adi und Philipp Laimbacher nehmen zum dritten Mal am Kilchberger Schwinget teil. Sie kennen jedes Fest, dennoch machen sie eine neue Erfahrung.

Jonas von Flüe
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Philipp (rechts) und Adi Laimbacher sind wohl die stärksten Brüder der Schweiz. (Bild: Keystone / Nadia Schärli)

Philipp (rechts) und Adi Laimbacher sind wohl die stärksten Brüder der Schweiz. (Bild: Keystone / Nadia Schärli)

Zusammen haben sie über 200 Kränze gewonnen – 204, um genau zu sein. Die Laimbachers sind die erfolgreichste Schwinger-Familie aller Zeiten. Während die Karriere von Ivo (30) im Vorjahr mit dem erstmaligen Gewinn des eidgenössischen Kranzes zu Ende ging, sind Adi (33) und Philipp (wird am Freitag 32) noch voller Tatendrang. Am Sonntag werden sie zum dritten Mal nach 2002 und 2008 am Kilchberger Schwinget teilnehmen können. «Das zeigt, dass wir über Jahre konstant gut schwingen konnten», sagt Philipp, «doch es gehört auch Glück dazu. Viele haben die Qualifikation nicht geschafft,» erinnert er an die vielen Verletzten in den Reihen des Innerschweizer Schwingerverbandes (ISV). Er weiss, wovon er spricht. 2011 verpasste er den Unspunnen-Schwinget wegen eines Abrisses des linken Kniescheibenbands, fiel 20 Monate aus. Seither schätzt er seine Gesundheit umso mehr.

Philipp: «Ivo fehlt schon»

Mit dem Rücktritt von Ivo hat sich für Adi und Philipp so einiges geändert. Das Trio hat über viele Jahre zusammen trainiert, sich vor jedem Schwingfest zusammen warmgemacht und sich gegenseitig immer unterstützt. «Er fehlt schon», gesteht Philipp, «aber er ist ja als Zuschauer häufig an den Wettkämpfen mit dabei und kann uns immer noch Mut zusprechen. Das ist sehr wertvoll.»

Aus drei Laimbachers wurden also zwei. An Erfolgserlebnissen mangelt es ihnen deswegen nicht. Adi hat mit dem Gewinn des 100. Kranzes seiner Karriere auf der Schwägalp sein grosses Saisonziel erreicht. «Was in dieser Saison noch folgt, ist eine sehr schöne Zugabe», sagt der vierfache Familienvater. Er ist damit erst der dritte Innerschweizer nach Martin Grab (113 Kränze) und Eugen Hasler (101), der Aufnahme in den exklusiven 100er-Klub findet.

Auch Philipp ist mit seiner Saison mehr als zufrieden. An jedem Fest hat er einen Kranz geholt, neun an der Zahl. «Die Bergkranzfeste waren extrem hart. Viele gute Schwinger gingen mal leer aus. Ich nicht», sagt er.

Adi: «Ich kämpfe oft für Philipp»

Und so treten die Laimbacher-Brüder in Kilchberg zuversichtlich und voller Selbstvertrauen an. Auch im Wissen, voneinander am Saisonhöhepunkt profitieren zu können. «Im Wettkampf gibt es immer wieder Situationen, in denen er für mich und ich für ihn kämpfe. Philipp hat mir schon viele starke Gegner vom Leib gehalten, ich habe dasselbe schon oft für ihn getan», sagt Adi, der Ehrgeizigere der beiden.

Ihr Kranz-Konto werden Adi und Philipp Laimbacher nicht vergrössern können, weil es am Kilchberger Schwinget schlicht kein Eichenlaub zu gewinnen gibt (siehe links). Einen starken Auftritt ist den wohl stärksten Brüdern der Schweiz dennoch zuzutrauen – und für die Innerschweizer Mannschaft von enormer Bedeutung.

Adi Laimbacher. – Wohnort: Schwyz. – Geburtsdatum: 28. 12. 1980. – Beruf: Zimmermann/Geschäftsleiter. – Grösse: 1,90 Meter. – Gewicht: 110 Kilogramm. – Kränze: 100. – 2014: 8 Kränze.

Philipp Laimbacher. – Wohnort: Sattel. – Geburtsdatum: 5. 9. 1982. – Beruf: Verkauf Aussendienst. – Grösse: 1,85 Meter. – Gewicht: 105 Kilogramm. – Kränze: 79. – 2014: 9 Kränze.

Die übrigen Schwyzer Teilnehmer

Andreas Ulrich (28)

Spätestens seit dem dritten Rang am Eidgenössischen Schwingfest 2013 zählt Andreas Ulrich bei allen Wettkämpfen zum (erweiterten) Favoritenkreis. Ulrich hat in diesem Jahr neun Eidgenossen besiegen können. Er gewann das Schwyzer Kantonale und holte sich sechs weitere Kränze. Zuletzt am Bergkranzfest auf der Schwägalp, wo er guter Zweiter wurde und viel Selbstvertrauen tanken konnte, allerdings gegen Nöldi Forrer verlor. Zudem verpasste er auf dem Stoos nach Niederlagen gegen Kilian Wenger und Matthias Aeschbacher den Kranz. Ulrich kann auch in Kilchberg überraschen, um den Sieg wird er aber kaum mitreden können.

Andreas Ulrich. – Wohnort: Gersau. – Geburtsdatum: 24. September 1985. – Beruf: Forstwart/Landwirt. – Grösse: 1,81 Meter. – Gewicht: 100 Kilogramm. – Kränze: 57. – 2014: 7 Kränze, 1 Kranzfestsieg (Schwyzer).

Philipp Schuler (32)

Von den 18 Innerschweizer Teilnehmern haben 9 noch keinen eidgenössischen Kranz gewinnen können. Philipp Schuler ist der erfahrenste von ihnen. Bereits vor sechs Jahren war er am Kilchberger im Einsatz. Gewinnen konnte er kein Duell, nach vier Gängen war das Fest für ihn zu Ende. Mit seinen 95 Kilogramm zählt der dreifache Familienvater zu den Leichtgewichten unter den Schwingern. Dennoch konnte er schon manchem Favoriten ein Bein stellen, ihn mit einem Gestellten zurückbinden. In Kilchberg sind aber auch seine Qualitäten neben dem Sägemehl gefragt. Als wichtige Bezugsperson ist er eine Stütze seines Bruders Christian.
Philipp Schuler. – Wohnort: Rothenthurm. – Geburtsdatum: 12. Mai 1982. – Beruf: Lastwagenmechaniker. – Grösse: 1,81 Meter. – Gewicht: 95 Kilogramm. – Kränze: 36. – 2014: 4 Kränze.

Reto Nötzli (25)

Am Innerschweizer Schwingfest überstrahlte Reto Nötzli alle. Dank seines Sieges im Schlussgang über den einheimischen Pirmin Reichmuth gewann er sein erstes Kranzfest – nach dem Gewinn des eidgenössischen Kranzes in Burgdorf der zweite grosse Erfolg in seiner von Verletzungen geprägten Karriere. Die Bestätigung seines Sieges ist dem Pfäffiker bisher allerdings noch nicht gelungen. Sowohl auf dem Brünig wie auch auf der Schwägalp verpasste er den Kranz deutlich. Auf der Schwägalp verlor er gar die ersten drei Gänge. Ihm fehlt in dieser Saison die Konstanz. Sein drei Jahre jüngerer Bruder Bruno ist in Kilchberg Ersatz.
Reto Nötzli. – Wohnort: Pfäffikon. – Geburtsdatum: 24. August 1989. – Beruf: Zimmermann/Chauffeur. – Grösse: 1,83 Meter. – Gewicht: 98 Kilogramm. – Kränze: 21. – 2014: 3 Kränze, 1 Kranzfestsieg (Innerschweizer).

Christian Schuler (26)

Seine Erinnerung an die letzte Austragung im Jahr 2008 ist eine unangenehme: Bereits nach zwei Gängen musste Christian Schuler den Wettkampf wegen Knieproblemen abbrechen. Sechs Jahre später ist er aber im besten Schwingeralter und hat sich zum Innerschweizer Leader hochgekämpft. Die körperliche Verfassung sowie die Resultate stimmen. Doch mental bekundete Schuler in diesem Jahr oft Probleme, war zu wenig konstant, um öfter um den Sieg mitzuschwingen. Sein Ziel: seine Leistung während des ganzen Tages abzurufen. Gelingt ihm das, kann ihm die Überraschung gelingen. Die Erfahrung und das Können zum Sieg hat er.
Christian Schuler. – Wohnort: Rothenthurm. – Geburtsdatum: 2. November 1987. – Beruf: Marketingfachmann. – Grösse: 1,86 Meter. – Gewicht: 108 Kilogramm. – Kränze: 66. – 2014: 8 Kränze, 2 Kranzfestsiege (Zuger, Urner).