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SCHWINGEN: Die Liste der Verletzten wirft Fragen auf

Viele Spitzenschwinger verpassen diesen Sonntag verletzungsbedingt das Bergkranzfest auf dem Brünig. Hat dies vor allem mit Pech zu tun, oder machen die Athleten etwas falsch? Eine Ursachenforschung.
Claudio Zanini
Bruno Nötzli (in Weiss) zog sich auf der Rigi gegen Joel Wicki einen Kreuzbandriss zu und musste die Saison beenden. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Rigi Staffel, 9. Juli 2017))

Bruno Nötzli (in Weiss) zog sich auf der Rigi gegen Joel Wicki einen Kreuzbandriss zu und musste die Saison beenden. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Rigi Staffel, 9. Juli 2017))

Claudio Zanini

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Die Saison nähert sich allmählich dem Höhepunkt, dem Unspunnen-Schwinget am 27. August in Interlaken. Auffallend viele Topathleten pausieren momentan wegen einer Verletzung. So verpassen etwa Matthias Sempach, Philipp Laimbacher, Joel Wicki oder Mike Müllestein den Bergklassiker auf dem Brünig. Christian Schuler und kürzlich auch Bruno Nötzli beendeten gar die Saison. Meist sind es Sehnen- und Bänderverletzungen an Knie, Schulter oder Sprunggelenk, die den Athleten zu schaffen machen.

Die lange Verletztenliste zieht Erklärungsversuche nach sich. Der ehemalige Spitzenschwinger und Funktionär Eugen «Geni» Hasler vertrat jüngst die Ansicht, Krafttraining an Fitnessgeräten, wie es heutzutage betrieben werde, sei vielleicht nicht das Richtige. «Ich habe das Gefühl, dass Sehnen und Bänder mit den Muskeln nicht mehr mithalten können», sagte der Schwyzer gegenüber Radio SRF. Ein Training bei der täglichen körperlichen Arbeit, wie es Hasler selbst bei der Ertüchtigung auf dem heimischen landwirtschaftlichen Betrieb absolvierte, sei besser, da sich die Bänder in einem natürlichen Gleichschritt mit den Muskeln weiterentwickeln. Insofern könne sich das Teilzeitarbeiten, welches bei den Besten der Branche längst Einzug hielt, negativ auswirken.

Für Henning Ott vom Swiss Sportmedizin Center Rheinfelden, sind die Gründe für die häufigen Sehnenverletzungen vielschichtiger. Ott ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie – er behandelt regelmässig Schwinger. «Körperliche Arbeit kann sehr belastend für Sehnen und Bänder sein, da sie meist einseitig ist und nur einzelne Muskelgruppen beansprucht.» Derweil können an Fitnessgeräten Muskelgruppen sehr gezielt trainiert werden. Ott räumt jedoch ein: «Aber auch an den Geräten können schwerwiegende Trainingsfehler gemacht werden. Eine differenzierte Trainingsplanung ist daher unerlässlich für die Schwinger.»

Neue Schwingart sei gefährlicher

Doch wie muss man sich das genau vorstellen? Kann die Sehne gar nicht anders, als irgendwann zu reissen, sobald der anhängende Muskel zu gross geworden ist? Henning Ott sagt: «Die Dicke der Sehne richtet sich nach der Last, die sie aufnehmen muss. Dabei spielt die Grösse des Muskels eine Rolle, ist aber nicht der alleinige Faktor. Vielmehr sind es die umliegenden Strukturen und vor allem die einwirkende Kraft, die entscheidend sind.»

Die Verletzungen nur auf ein Fehltraining abzuschieben, greift also zu kurz. Vorstellbar wäre aber, dass es grundsätzlich gefährlicher geworden ist im Ring. Denn wenn zwei bis ans Maximum trainierte Kolosse aufeinander losgehen, sind logischerweise die wirkenden Kräfte grösser. Dies sei durchaus möglich, sagt Sportmediziner Ott. Andererseits habe das auch Vorteile: «Mit einer eigenen guten Kraft können entstehende Kräfte besser abgefangen und das Skelett stabilisiert werden. Problematisch sind die Kräfte vor allem für die Gelenke.»

Eine weit verbreitete Meinung ist indes, dass heute statischer geschwungen werde als früher. Und wenn sich Athleten auf Biegen und Brechen gegenseitig wie in einem Schraubstock fixieren, sei folglich die Gefahr eines Risses höher. Thedy Waser, technischer Leiter des Innerschweizer Verbands und im Einteilungskampfgericht auf dem Brünig, hält gegen diese These: «Ich sehe viele junge und arrivierte Athleten, die voll auf Angriff schwingen. Von statisch kann also nicht die Rede sein.» Waser führt noch eine weitere mögliche Ursache für die lange Verletztenliste an. «Heute hat man die Möglichkeit, eine MRI-Untersuchung zu machen, somit geht man der Verletzung schneller auf den Grund, und es können Vorsichtsmassnahmen ergriffen werden. Früher wurde oftmals nur ein Verband umgewickelt, und es wurde weiter geschwungen. Die medizinische Betreuung der Schwinger hat sich sicher zum Positiven entwickelt.»

Ob es tatsächlich mehr Verletzungen als früher gibt, ist nicht bekannt, denn verlässliche Statistiken existieren nicht. Gut möglich, dass die Anzahl Blessuren immer etwa gleich war – nur werden sie durch die gesteigerte Berichterstattung zusätzlich akzentuiert.

Brünig-Schwinget. Sonntag, 30. Juli. Programm. 8.00: Anschwingen. – 9.30: Sonntagsgruss. – 12.00: Mittagessen. – 13.15: Ausschwingen. – 17.00: Schlussgang. – 18.00: Rangverkündigung.

Sieger der letzten Jahre: Thomas Sempach (2016), Bernhard Kämpf (2015), Kilian Wenger (2014).

Wir erinnern uns an das Innerschweizerische in Alpnach, als die Einteilung ihren kompletten Spielraum ausreizen musste, um Stucki am Triumph zu hindern. Der Berner befindet sich 2017 in bestechender Form.Vor einer Woche gewann er das Bergfest auf dem Weissenstein, sein vierter Saisonsieg.Der Publikumsliebling ist derTopfavorit. (cza) (Bild: KEYSTONE/Urs Flueeler)

Wir erinnern uns an das Innerschweizerische in Alpnach, als die Einteilung ihren kompletten Spielraum ausreizen musste, um Stucki am Triumph zu hindern. Der Berner befindet sich 2017 in bestechender Form.Vor einer Woche gewann er das Bergfest auf dem Weissenstein, sein vierter Saisonsieg.Der Publikumsliebling ist derTopfavorit. (cza) (Bild: KEYSTONE/Urs Flueeler)

DerjungeThurgauer siegte indieser Saison schon dreimal und belegt den 3. Platz in der Jahreswertung. Als Gast am Berner Kantonalen lief es ihm für einmal nicht nachWunsch, als erim Anschwingen Matthias Sempach unterlag. Auch auf dem Brünig geht es für Giger im1.Gang ansEingemachte,wenner auf Christian Stucki trifft. (cza) (Bild: EDDY RISCH (KEYSTONE))

DerjungeThurgauer siegte indieser Saison schon dreimal und belegt den 3. Platz in der Jahreswertung. Als Gast am Berner Kantonalen lief es ihm für einmal nicht nachWunsch, als erim Anschwingen Matthias Sempach unterlag. Auch auf dem Brünig geht es für Giger im1.Gang ansEingemachte,wenner auf Christian Stucki trifft. (cza) (Bild: EDDY RISCH (KEYSTONE))

Kilian Wenger (27) Zuletzt auf dem Weissenstein startete Wenger mit zwei Unentschieden und musste die Konkurrenz früh ziehen lassen. Doch auch er konnte in dieser Saison bereits Selbstvertrauen tanken – zweimal ging er als Sieger vom Platz. Zum Auftakt muss sich der König von 2010gegen den St. Galler DanielBösch beweisen. (cza) (Bild: THOMAS DELLEY (KEYSTONE))

Kilian Wenger (27) Zuletzt auf dem Weissenstein startete Wenger mit zwei Unentschieden und musste die Konkurrenz früh ziehen lassen. Doch auch er konnte in dieser Saison bereits Selbstvertrauen tanken – zweimal ging er als Sieger vom Platz. Zum Auftakt muss sich der König von 2010gegen den St. Galler DanielBösch beweisen. (cza) (Bild: THOMAS DELLEY (KEYSTONE))

Armon Orlik (22) Der Bündner hatte im Mai am Aargauer Kantonalen vielGlück, dass er sich nicht gravierender amNackenverletzte.Rasch kehrte Orlik zurück, belegte am Nordostschweizer einen Spitzenplatz und gewann das Bündner-Glarner. Beim Berner Kantonalen gab er zuletzt wieder Forfait.DieFrage ist, obOrlikmental bereit ist für den Brünig-Sieg. (cza) (Bild: GIANCARLO CATTANEO (KEYSTONE))

Armon Orlik (22) Der Bündner hatte im Mai am Aargauer Kantonalen vielGlück, dass er sich nicht gravierender amNackenverletzte.Rasch kehrte Orlik zurück, belegte am Nordostschweizer einen Spitzenplatz und gewann das Bündner-Glarner. Beim Berner Kantonalen gab er zuletzt wieder Forfait.DieFrage ist, obOrlikmental bereit ist für den Brünig-Sieg. (cza) (Bild: GIANCARLO CATTANEO (KEYSTONE))

Sven Schurtenberger (25): Beim tragischen Schlussgang vor drei Wochen auf der Rigi ging Schurtenbergers erster Bergkranzfestsieg fast ein wenig unter. Das Potenzial des Schwingers aus Buttisholz ist unbestritten – er hat schon die Besten gestellt. Regelmässig erreicht er aber erst im Verlauf des Fests Betriebstemperatur. Siegt er zum Auftakt gegen Orlik, liegt alles drin. (cza) (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))

Sven Schurtenberger (25): Beim tragischen Schlussgang vor drei Wochen auf der Rigi ging Schurtenbergers erster Bergkranzfestsieg fast ein wenig unter. Das Potenzial des Schwingers aus Buttisholz ist unbestritten – er hat schon die Besten gestellt. Regelmässig erreicht er aber erst im Verlauf des Fests Betriebstemperatur. Siegt er zum Auftakt gegen Orlik, liegt alles drin. (cza) (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))

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