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SCHWINGEN: Die volle Agenda des Titelverteidigers

Marcel Bieri ist der Innerschweizer Aufsteiger der vergangenen Saison. Morgen versucht der 23-Jährige am Zuger Kantonalen, seinen Sieg vom Vorjahr zu wiederholen. Sehr vieles müsste zusammenpassen.
Claudio Zanini
Beim Aufbau des Festareals für das Zuger Kantonale half Marcel Bieri tatkräftig mit. (Bild: Werner Schelbert (Menzingen, 19. April 2018))

Beim Aufbau des Festareals für das Zuger Kantonale half Marcel Bieri tatkräftig mit. (Bild: Werner Schelbert (Menzingen, 19. April 2018))

Claudio Zanini

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Natürlich, Schwinger sind Frühaufsteher. Schliesslich beginnen ihre Wettkämpfe traditionell in den Morgenstunden. Anschwingen ist meist um 7.30 Uhr, auch am Sonntag, wenn mit dem Zuger Kantonalen in Menzingen die Kranzfestsaison startet. Und wer früher aufsteht, kann auch früher Interviews geben – dachte sich wohl Marcel Bieri. Anders ist kaum zu erklären, dass der Zuger vorschlägt, das Gespräch um «Viertel nach sieben» abzuhalten. Nicht 19.15, nein, 7.15.

«Eigentlich bin ich gar kein Frühaufsteher, ich schlafe gerne lange aus», sagt Bieri dann aber. Der Terminvorschlag entstand nicht, weil er es bevorzugt, direkt nach dem Aufstehen mit einem Journalisten zu reden, sondern weil die Agenda keinen anderen Zeitpunkt zuliess. Der 23-Jährige studiert an der Pädagogischen Hochschule in Zug, wo er im Sommer abschliesst, danach ist er Primarlehrer. Er muss also nicht nur fürs Diplom lernen, sondern gleichzeitig eine Stelle suchen. Hinzu kommen vier bis fünf Trainingseinheiten pro Woche und das anstehende Heimfest, das Zuger Kantonale in Menzingen. Letztlich musste irgendjemand noch das Festareal herrichten. Es sind Bieri und seine Kameraden vom Schwingklub Ägerital, die die Arena in dieser Woche aufbauten.

König werden ist einfach

Wenn Marcel Bieri am Sonntag das Areal betreten wird, kennt ihn wohl die Hälfte der Besucher. Denn er wohnt in Edlibach, das zur Gemeinde Menzingen gehört. Und er ist der Titelverteidiger. Überraschend gewann er vor einem Jahr den Schlussgang gegen den vierfachen Sieger Christian Schuler. Bieri sagt: «Ich hatte nie zuvor einen solch guten Tag gehabt.» Es war der erste Zuger Sieg am eigenen Fest seit 14 Jahren, die Aufmerksamkeit ihm dadurch gewiss.

Es heisst, Schwingerkönig zu werden sei einfach, Schwingerkönig zu bleiben hingegen schwieriger. Eine Binsenweisheit, aber sie passt gut zu Bieris Situation. Er ist zwar kein König, «nur» ein Kranzfestsieger. Aber auch er machte nach seinem Triumph die Erfahrung, dass die Arbeit im Sägemehl beschwerlicher wurde. Die Gegner schwingen plötzlich defensiver, sind motivierter und besser auf ihn eingestellt. Darum musste er sich neue Dinge einfallen lassen, seinen Stil variantenreicher machen, das Repertoire erweitern. «Ich habe zwei, drei neue Griffe. Aber die sitzen noch nicht so gut, dass ich sie im Wettkampf anwenden könnte», sagt er.

Doch nicht alle Veränderungen seit dem Sieg waren mühsam. So fanden etwa verschiedene regionale Sponsoren in Bieri einen passenden Botschafter. Im Hinblick auf das Eidgenössische in Zug von kommendem Jahr ist der heimische Hoffnungsträger für die Unternehmen ein Glücksfall. Beziffert werden Sponsorenverträge im Schwingen nie, auch Bieri wird nicht konkret, sagt dafür in gepflegtem Marketing-Deutsch: «Es ist jeweils für beide Parteien eine Chance, um sich im Hinblick auf das Eidgenössische in Zug bestmöglich zu präsentieren.»

Doch der Grossanlass ist noch weit weg. In dieser Saison wird es weder Eidgenössisches noch Unspunnen oder Kilchberger geben, eine Zwischensaison, wenn man so will. Unmotivierter sei er deswegen nicht, sagt Bieri. Gemessen wird er in dieser Saison an seiner ausgesprochen starken Performance vom letzten Jahr mit dem ersten Sieg und den Bergkränzen auf Stoos, Schwarzsee und Brünig. «Es geht mir nicht darum, die letzte Saison zu toppen. Vielmehr möchte ich die Leistungen bestätigen und immer den Kranz gewinnen.» Bieri weiss genau, die Chancen sind gering, dass er den Titelgewinn morgen wiederholt. Es bräuchte erneut einen solch guten Tag wie nie zuvor.

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