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SCHWINGEN: Ein Böser aus Kalifornien

Ein Kalifornier tritt am Innerschweizerischen am Sonntag an. Er heisst Frank Kaech und hat in den USA bereits 50 Kränze gewonnen. In dieser Woche hilft er in Einsiedeln beim Aufbau des Festgeländes.
Claudio Zanini
Am Sonntag schaut er nicht zu, sondern steht im Sägemehl: der US-Amerikaner Frank Kaech gestern auf der Tribüne der Arena in Einsiedeln. (Bild Boris Bürgisser)

Am Sonntag schaut er nicht zu, sondern steht im Sägemehl: der US-Amerikaner Frank Kaech gestern auf der Tribüne der Arena in Einsiedeln. (Bild Boris Bürgisser)

Frank Kaech ist so was wie ein Schwingerkönig. In den USA. Und für einmal ist dort tatsächlich alles ein paar Nummern kleiner als bei uns. Am grössten Fest in Amerika sind nicht 52 000 Zuschauer in der Arena wie am Eidgenössischen, sondern maximal 500 Personen. «Also wenn 500 da sind, dann sprechen wir von einem sehr, sehr guten Tag», präzisiert Kaech. Wird das Drumherum aber ausgeblendet, ist er halt doch ein Schwingerkönig. Dreimal gewann er das «Championship Schwingfest». Sportlich sei es zwar nicht höher einzustufen als die anderen Feste im kalifornischen Schwingkalender. Aber irgendwie sei es trotzdem das mit der grössten Bedeutung, meint Kaech.

Mit «Swiss Wrestling», wie er sagt, begann er als 5-Jähriger. In Escalon (Kalifornien), einem Ort mit 7000 Einwohnern, ist er geboren. Kaech arbeitet als Kaufmann und schätzt für Banken den Wert von Bauernhöfen ein. In seiner Freizeit betreibt er selbst eine Ziegenfarm. Seine Eltern wuchsen ebenfalls in Amerika auf. Die Eltern seines Vaters stammen aus Luzern. Die Eltern der Mutter aus Stans. In der Schweiz fühlt er sich zu Hause. Er kennt das Land gut, will aber «irgend einmal noch Graubünden sehen», sagt der 28-Jährige. Er spricht zwar kein Deutsch, aber «Schwiizer­düütsch» verstehe er ein bisschen. Und im Verlauf des Gesprächs rutschen ihm noch weitere schweizerdeutsche Begriffe raus. Vornehmlich Schwingervokabular. «Chranz» gelingt ihm jedenfalls akzentfrei.

Training mit Grab und Schuler

Ausserhalb der Schweiz gibt es hauptsächlich zwei Gebiete, in denen Ausländer dem Sägemehlsport frönen: Quebec (Kanada) und Kalifornien. An der Westküste der USA gibt es sieben Schwingklubs und gut 30 Aktivschwinger. «Viele von ihnen haben Schweizer Vorfahren», sagt Kaech. Neun Schwingfeste finden pro Saison statt. Immer mit Kranzabgabe – im Gegensatz zur Schweiz. Das Niveau sei nicht so hoch. Das merke er jetzt wieder, wenn er mit dem Schwingklub Einsiedeln trainiert. Dort, wo Spitzenschwinger wie Martin Grab oder Christian Schuler im Schwingkeller auftauchen.

Eingefädelt hat diese Verbindung zu Einsiedeln Jasmin Abegg. Die Schwester vom Jungschwingerleiter der Einsiedler, Adrian Abegg, lernte Kaech in Kalifornien kennen. Bei der Familie Abegg wohnt er zurzeit. Schon im letzten Jahr trainierte er im Sommer mit den Einsiedlern. «Das Training hier ist von ganz anderer Qualität. Da ist so viel mehr Erfahrung vorhanden. Hier kann ich technische Fortschritte machen.» Wie gut ihm die Vorbereitung mit den Schwyzern tat, bewies er am Schaffhauser Kantonalen im letzten August, als er seinen ersten Kranz auf Schweizer Boden holte. Denn: Auch wenn er sich noch so viele Kränze in den Staaten erkämpft – in unserem Land sind sie nichts wert.

Zehn Ausländer in Estavayer

Mitte Juni kam Kaech wieder in die Schweiz. Am Freiburger Kantonalen verpasste er am Wochenende den Kranz. Nun wird der US-Bürger auf der Brüelwiese in Einsiedeln das Innerschweizer Verbandsfest bestreiten. Wie es sich gehört hilft er als temporärer Athlet des veranstaltenden Klubs beim Aufbau des Festgeländes. 8500 Zuschauer werden am Sonntag da sein. Vor so vielen Leuten ist Kaech noch nie angetreten. Noch ein paar Nummern grösser wird es im August, wenn der Kalifornier am Eidgenössischen teilnimmt. Streng genommen musste er sich dafür nicht qualifizieren. Denn die kalifornischen Schwingklubs durften Athleten nominieren, die in Estavayer vier von zehn Startplätzen für ausländische Schwinger belegen. Während sich kanadische Schwinger ebenfalls nicht qualifizieren müssen, ist die Hürde für in Europa lebende Ausländer höher. Sie müssen laut Rolf Gasser vom Eidgenössischen Schwingerverband in dieser Saison drei Gänge an einem Kranzfest gewinnen. «Die ausländischen Schwinger sind die nötigen Farbtupfer», betont Gasser. Den Kranz hat seit 1977 aber kein Ausländer mehr gewonnen.

Rücktritt nach Eidgenössischem

Für Kaech ist dies ein enorm hohes Ziel. Seine Freundin und seine Eltern werden ihn in Estavayer unterstützen. Er hat sich bereits entschieden, nach dem Eidgenössischen mit Schwingen aufzuhören. «Du kannst weltweit nicht mehr als das in diesem Sport erreichen. Zudem habe ich vermehrt Schmerzen im Rücken und Nacken», erklärt er seinen Entscheid. Auch am Sonntag wird es für ihn schwierig, vorne mitzumischen. «Aber wissen Sie: Eigentlich ist nichts unmöglich», sagt er in einer äusserst überzeugenden Art.

Claudio Zanini

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