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SCHWINGEN: Eine Grossfamilie – eine Leidenschaft

Erich Fank­hauser (24) will beim Luzerner Kantonalfest in Inwil ganz vorne mitmischen. Auch seine beiden jüngeren Brüder Reto (21) und Marco (19) sind auf dem Vormarsch.
Simon Gerber
Vergnügen sich auf dem elterlichen Bauernhof Deupel in Finsterwald mit Holzspalten: die Schwinger Marco, Reto und Erich Fankhauser (von links). (Bild Nadia Schärli)

Vergnügen sich auf dem elterlichen Bauernhof Deupel in Finsterwald mit Holzspalten: die Schwinger Marco, Reto und Erich Fankhauser (von links). (Bild Nadia Schärli)

Wer in Hasle im Entlebuch Richtung Heiligkreuz weiterfährt, erreicht auf einer kurvenreichen Strasse nach sieben Kilometern und auf 1100 Metern über Meer den Bauernhof Deupel. Hier eröffnet sich dem Besucher eine wunderbare Rundsicht in einer intakten Landschaft. Genau so stellt man sich das Zuhause einer Schwingerfamilie vor.

Vater als Lehrmeister

Den fünf Gebrüdern Fankhauser wurden die Zwilchhosen quasi in die Wiege gelegt. Schon Papa Peter war im Sägemehl erfolgreich, erkämpfte sich 21 Kränze. Er war nicht nur ein ausgezeichneter Lehrmeister, sondern ist noch heute eine wichtige und kompetente Bezugsperson. Momentan wohnen die drei Kranzschwinger Erich, Reto und Marco, welche sich zum Verwechseln ähnlich sehen, noch zu Hause. In der heimeligen Stube gehören Gespräche über den Schwingsport zum Alltag. Siege und Niederlagen im Sägemehl bieten immer wieder Diskussionsstoff, werden analysiert und notfalls auch kritisiert. Einen Konkurrenzkampf untereinander kenne man nicht, sagt Erich. «Jeder mag dem andern den Erfolg gönnen. Aber wenn einer den ersten Bergkranz gewinnt, dann läuft es so, wie es unter Brüdern üblich ist: Alle andern wollen dieses Ziel auch erreichen.»

Die Fankhausers mit ihrem ruhigen und besonnenen Charakter ergänzen sich bestens, trainieren gemeinsam, spielen miteinander Schwyzerörgeli und unternehmen auch viel zusammen in der Freizeit. «Das tönt jetzt etwas gar harmonisch und stimmt natürlich nicht immer. Wir sagen uns auch hin und wieder die Meinung», sagt Reto mit einem verschmitzten Lachen.

Der Kleinste ist der «Grösste»

Die drei Naturburschen aus dem Entlebuch sind mittlerweile im Schwingsport zum Begriff geworden. Erich ist mit einer Grösse von 1,76 Metern zwar der Kleinste, gilt aber mit 17 gewonnenen Kränzen als der «Grösste» in der Familie. Der gelernte Maurer kompensiert seine körperlichen Defizite durch eine ausgefeilte Technik. Schon früh sorgte der mental starke Athlet für die ersten Schlagzeilen. Mit 16 Jahren qualifizierte sich Erich als jüngster Teilnehmer für das Eidgenössische Schwingfest 2007 in Aarau. Dort hat er alle acht Kämpfe bestritten. Sechs Jahre später, in Burgdorf, erfüllte sich der Luzerner mit dem Gewinn des eidgenössischen Kranzes einen Kindheitstraum. Dies sei für ihn ein sehr emotionaler Moment gewesen. «Weil auch meine Brüder Marco und Reto aktiv waren, feierten wir den Erfolg gemeinsam.»

Die letzte Saison von Erich Fankhauser war durch eine Verletzung geprägt. Er zog sich im Mai beim Training am linken Knie einen Innenbandriss zu. Die lange Pause sei für ihn zwar ärgerlich gewesen, aber er habe sich an den Wettkämpfen viel Zeit genommen, um seine beiden jüngeren Brüder zu betreuen. Mit intensivem Training im Winter und dem zusätzlichen Besuch des Sportler-WK für Spitzenschwinger in Magglingen legte Erich Fankhauser den Grundstein zu einer weiteren erfolgreichen Saison. Diese sei mit den beiden Kranzgewinnen als Gast am Berner Oberländer und am Urner sehr gut angelaufen. «Ich bin noch nicht auf dem gleichen Level wie 2013. Die Wettkampfpraxis und die Aggressivität fehlen noch etwas», so Fankhauser.

Auch Marco mit Potenzial

Mit seinen 1,85 Metern ist Marco nicht nur der grösste, sondern auch der jüngste der Fankhauser-Buben. Wer als 17-Jähriger in seinem Palmarès bereits einen Bergkranz vorweisen kann, dem muss grosses Talent attestiert werden. Diese Ausnahmeleistung gelang dem Sennenschwinger 2013 auf dem Stoos. Mit diesem Exploit löste der Jungspund das Ticket für das Eidgenössische in Burgdorf. Bei seiner Premiere verblüffte der gelernte Plattenleger selbst die Fachleute. Er war bis zum Schluss dabei und verlor nur ein einziges Duell. Diese Leistung überrascht Bruder Erich nicht. «Er ist der Ehrgeizigste und Trainingsfleissigste von uns allen. Marco setzt voll auf die Karte Schwingen und ist nur selten im Ausgang. Er hat noch viel Potenzial.» So verpasste er beispielsweise im letzten Jahr in Ruswil am Luzerner den Schlussgang nur knapp.

Unterschiedliche Ziele in Inwil

Mit unterschiedlichen Zielen tritt das Trio am Sonntag beim Luzerner Kantonalfest in Inwil an. Erich zählt zum engeren, Marco zum erweiterten Favoritenkreis, derweil Reto den Kranzgewinn anstrebt. Auf die Frage nach dem Sieger erfolgt die schnelle Antwort von Erich: «Ein Entlebucher. Wir sind derzeit ein sehr starkes Team.» Vier Auszeichnungen wie 2012 in Wolhusen wird es für die Fankhausers diesmal aber nicht mehr geben. Beat hat sich für den Hausbau in dieser Saison eine Auszeit genommen. «Aber er nimmt uns die administrativen Aufgaben ab und betreut unsere gemeinsamen Sponsoren», hält Erich Fankhauser fest. Ueli (28), der fünfte im Bunde, startet am Sonntag ebenfalls. Er ist der Hobbyschwinger dieser Familie. Vor genau 31 Jahren, auch in Inwil, stand Vater Peter Fankhauser im Schlussgang. Diese Tatsache dürfte die Jungmannschaft noch zusätzlich motivieren ...

Luzerner Kantonalfest, Inwil

Sonntag. 8.00: Anschwingen. – 8.30: Beginn Steinstossen. – 10.00: Sonntagsstille. – 10.30: Fortsetzung Schwingen. – 11.30: Mittagessen. – 13.00: Fortsetzung der Wettkämpfe. – 15.15: Festakt mit Fahnenübergabe. – 17.00: Schlussgang. – Festgelände: Auf den Schul- und Sportanlagen Rägeboge.

Titelverteidiger: Fabian Marti (Schwarzenberg)

Luzerner Favoriten: Philipp Gloggner (Sieger 2012), Sven Schurtenberger (Sieger 2013), Hansjörg Gloggner, Erich Fankhauser, Joel Wicki.

Kronprinzen: Alain Müller, Werner Suppiger, Marco Fankhauser, René Suppiger, Philipp Scheidegger, Stefan Stöckli, Reto Gloggner.

Stärkste Gäste: Benji von Ah, Andi Imhof, Peter Imfeld, Stefan Gasser, Melk Britschgi, Rainer Betschart.

Wichtigste Absenz: Martin Suppiger (nach Knieverletzung im Formaufbau).

Die Spitzenpaarungen: Philipp Gloggner - Benji von Ah. Andi Imhof - Erich Fankhauser. Alain Müller - Peter Imfeld. Hansjörg Gloggner - Remo Betschart. Melk Britschgi - Jonas Brun. Joel Wicki - Stefan Gasser. Carlo Gwerder - Sven Schurtenberger. Fabian Marti - Rainer Betschart.

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