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SCHWINGEN: Fall Gisler kann zum Umdenken führen

Der Fall Bruno Gisler zeigt, dass das Doping-reglement des Verbandes veraltet ist. Eine Mitgliedschaft bei Swiss Olympic scheint die einzige Lösung zu sein.
Jonas von Flüe
Bruno Gisler zeigt mit skeptischem Blick die beiden Sprays, die er vor dem Eidgenössischen angeblich verwechselt hat. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Bruno Gisler zeigt mit skeptischem Blick die beiden Sprays, die er vor dem Eidgenössischen angeblich verwechselt hat. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

25 Dopingkontrollen wurden 2013 im Schwingsport durchgeführt. Eine davon fiel bekanntlich positiv aus: Bruno Gisler, Sieger des Innerschweizerischen in Emmen, wurde am Eidgenössischen in Burgdorf positiv getestet (siehe Box). Er ist der fünfte des Dopings überführte Schwinger in den letzten zwölf Jahren.

Im Vergleich zu anderen Sportarten ist die Zahl auf Doping getesteter Schwinger extrem klein. 2012 wurden Schweizer Bobfahrer 175-mal kontrolliert, Radfahrer 296-mal. Alleine Fechter Max Heinzer musste 2013 9-mal zum Dopingtest antraben, Radfahrer Mathias Frank wurde gar 17-mal kontrolliert. Dieser Unterschied hat einen simplen Grund: Der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) ist als einziger grosser Verband nicht Mitglied von Swiss Olympic und steht deshalb auch nicht unter der Obhut von Antidoping Schweiz. Er bestimmt selbst, welcher Schwinger wann auf Doping getestet wird.

Spitzenschwinger Nöldi Forrer ist gar der Meinung, dass bei der Auswahl der kontrollierten Schwinger Willkür herrsche. «Sonst hätten ein paar Schwinger riesiges Losglück gehabt», sagt er gegenüber der «Sportlounge» des Schweizer Fernsehens.

Eine Person entscheidet

Der ESV-Dopingverantwortliche Al­fred Brunner entscheidet nämlich alleine, bei wem ein Dopingtest durchgeführt wird. Für Matthias Kamber unverständlich: «Bei uns wäre das undenkbar», erklärt der Direktor von Antidoping Schweiz. Er sieht einen Zielkonflikt, wenn ein Verband seine eigenen Sportler kontrolliere.

Antidoping Schweiz führt die Kontrollen im Auftrag des Schwingerverbandes durch, wertet die Ergebnisse aus und informiert den Dopingverantwortlichen, falls eine Probe positiv ausfällt. Über Sanktionen entscheidet dann ebenfalls ein ESV-Organ: die vierköpfige Dopingkommission.

3140 Kontrollen in der Schweiz

Ein Vorgehen, wie es bei anderen Sportarten seit Jahren nicht mehr gängig ist. Die Dopingbekämpfung wird meist komplett von Antidoping Schweiz durchgeführt. «Wir erstellen für jede Sportart ein Kontrollkonzept, das wir regelmässig anpassen. Die Kontrollen werden von uns angesetzt, durchgeführt und ausgewertet. Die unabhängige Disziplinarkammer von Swiss Olympic wäre anschliessend für die Sanktionierung zuständig», erklärt Matthias Kamber.

Im Jahr 2012 hat Antidoping Schweiz insgesamt 3140 Kontrollen durchgeführt. Seit rund zehn Jahren werden Dopingkontrollen vor allem ausserhalb der Wettkämpfe, also in Trainings oder zu Hause, durchgeführt. Jedoch wurden nur zehn Schwinger 2013 abseits eines Wettkampfs kontrolliert. Dabei wäre genau jene Zeit, in der die Schwinger viel Aufbauarbeit leisten und keine Wettkämpfe bestreiten, für Dopingmissbrauch prädestiniert. «Schwingen ist eine Risikosportart, die genau kontrolliert werden müsste – auch in der wettkampffreien Zeit. Die Schnellkraft spielt eine Rolle, also auch muskelaufbauende Mittel wie Anabolika», sagt Kamber.

Matthias Kamber würde es begrüssen, wenn der ESV Swiss Olympic beitreten würde, um die Richtlinien von Anti­doping Schweiz zu übernehmen. «So würde die Glaubwürdigkeit des Sports verbessert, aber auch die Transparenz wiederhergestellt», sagt er. Gedanken über eine Mitgliedschaft macht sich auch ESV-Obmann Mario John. In der «Sportlounge» sagte er: «Wir müssen Swiss Olympic beitreten, um unter die Obhut von Antidoping Schweiz zu kommen.»

Ganz einfach dürfte dieses Unterfangen nicht werden. Eine Mitgliedschaft ist mit Kosten verbunden und würde die Eigenständigkeit des Schwingerverbandes einschränken. Ob die entscheidungsfähigen ESV-Abgeordneten einem Beitritt zustimmen würden, ist also ungewiss. Zeit, um sich darüber Gedanken zu machen, haben sie indes genug. Die Traktandenliste für die nächste Abgeordnetenversammlung im März 2014 sei bereits gemacht, sagt John, deshalb werde ein Beitritt erst 2015 zum Thema.

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