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SCHWINGEN: Hosenlupf um den wohl weltweit besten TV-Deal

Der TV-Vertrag für das Eidgenössische 2019 wird verhandelt. Dabei werden Produktionskosten auf das OK von Zug abgewälzt.
Klaus Zaugg
Das Fernsehen SRF hat die Liverechte am Eidgenössischen, wo zuletzt Matthias Glarner (stehend) Schwingerkönig wurde. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Das Fernsehen SRF hat die Liverechte am Eidgenössischen, wo zuletzt Matthias Glarner (stehend) Schwingerkönig wurde. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Das Eidgenössische Schwingfest ist auch ein TV-Hit. Für unser staatstragendes Fernsehen SRF praktisch zum Nulltarif. Pro Jahr kostet der Globalvertrag mit dem Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) 130 000 Franken. Für diesen Betrag, der in der ESV-Jahresrechnung offen ausgewiesen wird, bekommt das nationale Fernsehen die Live-Rechte für alle offiziellen Schwingfeste (also auch des Eidgenössischen) und kann diese Rechte nach Belieben verwenden oder gegen Entschädigung für einzelne Feste auch an private Lokalfernsehen abtreten. Es dürfte in der Tat der weltweit beste TV-Deal sein.

Bisher ist der TV-Vertrag jeweils für drei Jahre von einem Eidgenössischen zum nächsten abgeschlossen worden. Somit muss nun wieder ein neuer Kontrakt ausgehandelt werden. Das SRF tendiert in diesen unsicheren Zeiten auf Stabilität mit einem Sechsjahresvertrag bis 2022. Der ESV wünscht sich eine stärkere TV-Präsenz im Welschland. ESV-Geschäftsführer Rolf Gasser bestätigt die laufenden Gespräche. «Es sind Vorschläge auf dem Tisch. Es ist richtig, dass wir als Gesamtverband letztlich nur so stark sind wie unser schwächster Teilverband.» Und dies sei der Südwestschweizerische Teilverband, der das Schwingen in der Romandie vertritt. Dort sind Medienpräsenz und Bedeutung des Schwingens im Vergleich zur Deutschschweiz marginal. Dem könnte das Fernsehen etwas abhelfen.

Zuger können noch intervenieren

Inzwischen ist Schwingen in der Deutschschweiz fürs Fernsehen so attraktiv geworden, dass clevere ESV-Verhandler die bisherige Entschädigung von 130 000 Franken wohl auf mindestens eine halbe Million pro Jahr hochpokern könnten. Denn der Erfolg des Schwingens als TV-Ereignis erhöht die gegenseitige Abhängigkeit. Die Schwinger verdanken die Renaissance des vaterländischen Sportes auch dem Fernsehen. Aber das nur dank Zwangsgebühren überlebensfähige nationale Fernsehen kann es sich politisch gar nicht mehr leisten, Formel-1-Rennen live zu übertragen und das Eidgenössische nicht. Zudem können inzwischen auch private TV-Stationen bewegte Farbbilder verbreiten. Rolf Gasser mahnt zur Mässigung. «Es hat sich in den letzten Jahren eine Win-win-Situation für das Fernsehen und für uns entwickelt. Dazu sollten wir Sorge tragen.»

Der neue TV-Vertrag hat auch Auswirkungen auf den Ausrichter des nächsten Eidgenössischen 2019 in Zug. Der ESV organisiert das Fest nicht selber. Er vergibt die Austragung im Turnus an seine Teilverbände. Die wiederum übertragen die Organisation einem lokalen OK. Dieses OK konstituiert sich jeweils als juristische Person und organisiert das Fest nach den Vorgaben des ESV. Die Organisatoren müssen das 30-Millionen-Budget selber stemmen, Sponsoren suchen. 16 Prozent der Ticketeinnahmen kassiert der ESV.

Das Fernsehen hat im bisherigen Vertrag einen Teil der Produktionskosten dem ESV zugeschoben – der ESV belastete diesen Aufwand dem Festorganisator. Fredy Trütsch, Kommunikationschef fürs Eidgenössische 2019 in Zug, bestätigt, dass es sich dabei um einen sechsstelligen Betrag handelt. Über diese Kosten müsse man noch reden. Da diese Kosten im neuen TV-Vertrag festgeschrieben werden, ist jetzt für die Zuger noch Zeit, um zu intervenieren.

Berater aus dem Eishockeyverband

Wieder drei oder sechs Jahre? Mindestens eine halbe Million oder gar eine Million pro Jahr statt wie bisher bloss 130 000 Franken? Die Produktionskosten fürs Eidgenössische zu Lasten des Fernsehens oder des Organisators? Verhandeln die ESV-Vertreter clever oder neigen sie zu viel zu grossem Respekt vor dem staatstragenden Fernsehen? Das sind die Fragen, auf die in den nächsten Wochen eine Antwort gefunden werden muss. Rolf Gasser geht davon aus, dass die ESV-Vertreter schon selbstsicher genug sind, um erfolgreich zu verhandeln. «Wir sind nicht der Meinung, dass wir Florian Kohler als Berater beiziehen müssen.» Florian Kohler ist Geschäftsführer des Eishockeyverbandes und hat kürzlich die TV-Einnahmen von nicht ganz 15 auf über 30 Millionen gesteigert.

Klaus Zaugg

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