SCHWINGEN: «Ich geniesse die Ruhe in vollen Zügen»

Kilian Wenger ist der prominenteste Gast am Schwyzer Kantonalen vom Sonntag in Muotathal. Der 24-Jährige spricht über seine Rolle im Schatten von Matthias Sempach und seinen Alltag.

Interview Jonas von Flüe
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Die beiden Schwingerkönige sind beste Freunde: Kilian Wenger (links) freut sich am Eidgenössischen in Burgdorf mit Matthias Sempach über dessen Sieg. (Bild Philipp Schmidli)

Die beiden Schwingerkönige sind beste Freunde: Kilian Wenger (links) freut sich am Eidgenössischen in Burgdorf mit Matthias Sempach über dessen Sieg. (Bild Philipp Schmidli)

Kilian Wenger, seit dem letzten Eidgenössischen Schwingfest in Burgdorf ist es ruhig geworden um Sie, was tun Sie gerade?

Kilian Wenger: Ich halte momentan Aufsicht in meinem Fitnesscenter in Wil-derswil, weil mein Trainer und Geschäftspartner Roli Fuchs im Mai und Juni das Konditionstraining des SC Bern leitet. Das ist aber nur eine Übergangslösung.

Wie sieht Ihr Alltag sonst so aus?

Wenger: Neben meiner Arbeit im Fitnesscenter arbeite ich noch als Lastwagenfahrer für eine Firma in Interlaken und plane ein Haus in Diemtigen. Das ist zeitintensiv und mit grossem administrativem Aufwand verbunden. Ich wollte eigentlich in diesem Jahr mit dem Bau beginnen, doch der Start verzögert sich nun wegen Einsprachen. Deshalb bleibe ich halt noch eine Weile in meiner Wohnung in Aeschi, in die bald auch meine Freundin einziehen wird.

Ihr Fitnesscenter wurde im Vorjahr eröffnet, wie ist es angelaufen?

Wenger: Es ist sehr gut angelaufen. Wir konnten 600 Jahresabonnements verkaufen und haben jede Menge zu tun. Ehrlich gesagt waren wir selbst überrascht, dass es so eingeschlagen hat, weil es in der Region doch auch einige andere Fitnesscenter hat.

Der Erfolg hat sicher auch mit Ihrem Namen zu tun ...

Wenger: Da bin ich mir nicht so sicher. Wir haben das Center sehr gut konzipiert und mit Roli Fuchs und den anderen Trainern ein sehr gutes Team. Das ist sicher der Hauptgrund unseres Erfolgs.

Sie stehen nun im Schatten von Schwingerkönig Matthias Sempach, sind nicht mehr so oft in den Medien und gehen nicht immer als Topfavorit in ein Schwingfest. Wie gehen Sie mit Ihrer neuen Rolle um?

Wenger: Ich komme mit ihr sehr gut zurecht und geniesse die Ruhe in vollen Zügen. Klar wäre ich nach 2010 auch im Vorjahr wieder gerne Schwingerkönig geworden, doch für meine weitere Entwicklung ist es vielleicht besser, dass ich das Eidgenössische nicht schon wieder gewonnen habe. Für Mättu hingegen kam der Königstitel genau zum richtigen Zeitpunkt. Er kann mit dem Rummel ganz gut umgehen und verfügt über mehr Lebenserfahrung als ich. Er war ja schon vor seinem Triumph ein gefragter Mann.

Was pflegen Sie für ein Verhältnis zu Matthias Sempach?

Wenger: Er ist einer meiner besten Freunde. Wir sind zusammen in die Gewerbeschule gegangen, ich habe damals meine erste Lehre und er seine Zweitlehre als Metzger gemacht. Als ich 18 war, hat er mir mein Kraftprogramm zusammengestellt. Wir waren schon zusammen in den USA und im Februar auch an den Olympischen Spielen in Sotschi. Und er hat mir auch in Burgdorf sehr geholfen, mit dem Rückschlag am ersten Tag umzugehen.

Inwiefern?

Wenger: Nach der Niederlage gegen Martin Koch im zweiten Gang erlebte ich einen der schlimmsten Momente in meiner Karriere. Alles, worauf ich drei Jahre hingearbeitet hatte, war nach zwei Gängen bereits zerstört. Der Titel war am Samstagmorgen bereits weg. Da brauchte ich meine Freunde, die mir geholfen haben, diesen Rückschlag wegzustecken, mich aufzufangen und nach vorne zu schauen. Einer davon war Mättu. Im Sägemehl sind wir Gegner, sonst aber Freunde. Er hat in Frauenfeld 2010 etwas Ähnliches erlebt, war nach drei Gängen ebenfalls weit hinten und hat den Kranz dennoch gewonnen. Deshalb konnte er sich gut in meine Lage hineinversetzen.

Haben Sie nun auch mehr Zeit für andere Hobbys, wie etwa das Skifahren?

Wenger: (lacht) Ich habe mir geschworen, dass ich häufiger auf die Ski stehe, doch ich bin auch im vergangenen Winter nicht oft dazu gekommen. Ein paar Mal war ich allerdings schon in den Bergen. Doch das Training braucht halt genauso viel Zeit wie im Vorjahr.

Vor dem Eidgenössischen haben Sie in Magglingen die Spitzensport-RS absolviert, wie haben Sie in diesem Winter trainiert?

Wenger: Ich war wieder sechs Wochen in Magglingen und habe dort von der perfekten Infrastruktur profitiert. Das Aufbautraining verlief einwandfrei, ich war im Gegensatz zum letzten Jahr nie verletzt und konnte mich optimal auf die Saison vorbereiten.

In den ersten beiden Kranzfesten haben Sie den ersten Gang jeweils verloren, die restlichen Duelle aber allesamt gewonnen. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Saisonstart?

Wenger: Abgesehen von den angesprochenen Gängen gegen Christian Stucki und Matthias Sempach bin ich sehr zufrieden. Die Form stimmt. Es ist natürlich ein Unterschied, ob man den ersten Gang gewinnt und auch eine mentale Herausforderung, dann zurückzukommen. Aber ich bin auch dank meines Königstitels reifer und mental stärker geworden und kann solche Niederlagen gut wegstecken.

Am Sonntag treten Sie nun als Gast am Schwyzer Kantonalen in Muotathal an, wo Sie auf die Schwyzer Elite treffen ...

Wenger: Das wird eine ganz spezielle Herausforderung, denn die Schwyzer haben mit den Laimbachers, Andreas Ulrich und Christian Schuler ganz starke Schwinger in ihren Reihen. Ich werde auch gegen Schwinger antreten, die ich weniger gut kenne. Das wird eine gute Abwechslung. Ich freue mich auf das Fest, denn die Innerschweizer sind ein dankbares Publikum. Ich hoffe, dass ich gut aufgenommen werde.

Schwyzer Kantonalschwingfest

Muotathal. Festplatz Stumpenmatt. Sonntag, 7.15: Appell, anschliessend Anschwingen. – 10.00: Sonntagsstille. – 11.45: Mittagessen. – 13.00: Fortsetzung der Wettkämpfe. – 13.30: Beginn Steinstossen. – 15.15: Festakt auf dem Festplatz. – 16.45: Schlussgang. – 18.00: Rangverkündigung.

Titelverteidiger: Philipp Laimbacher (Sattel).

Favoriten: Christian Schuler (Sieger 2010, 2011), Philipp Laimbacher (Sieger 2007, 2008, 2013), Andreas Ulrich, Martin Grab (Sieger 2001, 2003, 2012), Adi Laimbacher (Sieger 2005, 2009), Schwingerkönig Kilian Wenger.

Kronprinzen: Franz Föhn, Bruno Müller, Edi Kündig, Reto und Bruno Nötzli, Toni Diener, Bruno Linggi, Mike Müllestein.

Stärkste Gäste: Kilian Wenger, Marcel Mathis, Philipp Gloggner, Martin Suppiger, Beat Wampfler.