SCHWINGEN: «Ich würde genau gleich schwingen»

Der Chamer Pirmin Reichmuth (18) durchlebt die schwierigste Zeit seiner noch jungen Karriere. Erstmals nach seinem Kreuzbandriss spricht er über den Unfall – und wie er den Alltag meistert.

Interview Jonas von Flüe
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Muss sich in Geduld üben: Pirmin Reichmuth im Haus seiner Eltern in Cham mit einigen seiner Trophäen. (Bild Stefan Kaiser)

Muss sich in Geduld üben: Pirmin Reichmuth im Haus seiner Eltern in Cham mit einigen seiner Trophäen. (Bild Stefan Kaiser)

Pirmin Reichmuth, Sie haben auf der Rigi das Kreuz- und das Innenband im rechten Knie gerissen. Wie haben Sie die Szene im Gang gegen Bruno Gisler erlebt? Wie ist der Unfall genau abgelaufen?

Pirmin Reichmuth: Es hat im Gang gegen Bruno Gisler bereits nach zwei Minuten verdächtig geknackt in meinem rechten Knie, worauf ich den Gang unterbrechen musste. Danach schien es wieder zu funktionieren. Ich setzte den Gang also fort, doch das war im Nachhinein wahrscheinlich ein Fehler. Aber ein Spitzensportler denkt in so einer Situation nicht ans Aufhören. Als ich danach kurz anzog, verlor mein rechtes Standbein den Halt und knickte zusammen.

Haben Sie sich auch überlegt, ob Sie etwas falsch gemacht haben, mit zu viel Risiko geschwungen haben?

Reichmuth: Ich denke nicht, dass ich etwas falsch gemacht habe. Wenn du gewinnen willst, musst du etwas riskieren. Ich würde noch einmal genau gleich schwingen, wenn ich in dieser Situation wäre. Es war einfach nur Pech.

Was ging Ihnen unmittelbar nach dem Unfall durch den Kopf?

Reichmuth: Ich dachte sofort: Verdammt, das wars jetzt mit dem Kilchberger Schwinget! Das war ein sehr bitterer Moment.

Wann werden Sie operiert?

Reichmuth: Vermutlich in drei bis vier Wochen, je nach Verlauf meiner Physiotherapie und der Entwicklung meines Knies. Es muss zuerst komplett abschwellen, erst dann kann es operiert werden.

Wie haben Sie die Zeit seit dem Unfall erlebt?

Reichmuth: Es gab sehr viele Reaktionen und Genesungsglückwünsche von allen Seiten. Das gibt in solchen Momenten enorm Kraft. Ich habe versucht, sofort nach dem Unfall nach vorn zu schauen. Ab jetzt heisst das Ziel nur noch: Fit in die Saison 2015.

Haben Sie aktuell Schmerzen?

Reichmuth: Nein.

Sie haben in diesem Jahr ausgezeichnet geschwungen, standen am Innerschweizer Schwingfest in Ihrem Heimatort Cham gar im Schlussgang. Wie steckt man als so junger Athlet diesen Rückschlag weg? Wer oder was gibt Ihnen Kraft?

Reichmuth: Sie sagen es: Ich bin noch jung. Klar, diese Verletzung ist ein grosser Rückschlag. Jedoch bringt es in meiner Situation rein gar nichts, dem nachzutrauern. Ich muss nach vorn schauen. Meine Familie und mein Umfeld geben mir in solch harten Situationen sehr viel Kraft und Rückhalt.

Mit welchen Gefühlen denken Sie an die nächsten Wochen und Monate, in denen Sie nicht schwingen können?

Reichmuth: Es wird sicher eine harte Zeit. Schwingen ist mein Leben, meine Leidenschaft, meine Passion. Aber irgendwie werde ich diese schwierige Phase überstehen.

Wie wird Ihr Alltag in den nächsten Wochen durch die Verletzung und die Operation beeinträchtigt?

Reichmuth: Im Moment muss ich pro Woche zwei- bis dreimal in die Physiotherapie, damit mein Knie bis zur Operation wieder beweglich wird, was eine schnellere Heilung der Verletzung möglich macht. In den ersten paar Wochen nach der Operation werde ich sicher stark eingeschränkt sein. Danach geht es dann los mit der Physiotherapie und dem Aufbautraining.

Gehen Sie auch noch ins Training?

Reichmuth: Ja, ich gehe trotz der Verletzung noch zusätzlich zwei- bis dreimal pro Woche ins Kraft- und Konditionstraining, damit mein Stoffwechsel aktiv bleibt.

Sie haben Ihre Metzgerlehre mit einer Auszeichnung abgeschlossen und wollen später Sport studieren. Deshalb haben Sie sich für die Berufsmittelschule angemeldet. Können Sie Ihre Schule wie vorgesehen starten?

Reichmuth: Ja, wenn alles nach Plan läuft, werde ich die Schule wie vorgesehen aufnehmen können.

Wissen Sie schon, wann Sie das Schwingtraining wieder aufnehmen können?

Reichmuth: Dies ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer vorauszusagen. Man weiss ja nicht, wie rasch die Heilung vorangeht. Mit dem Aufbautraining im Kraftbereich werde ich so bald wie möglich starten können. Auf die ersten Versuche im Sägemehl werde ich jedoch sechs bis acht Monate warten müssen.

Am Wochenende findet mit dem Brünig-Schwinget einer der Saisonhöhepunkte statt. Viele Schwinger suchen nach einer Verletzung ein wenig Abstand zum Sport. Wie werden Sie das Fest verfolgen?

Reichmuth: Ich werde zu Hause sein und das Fest via Liveticker verfolgen. Zwischendurch werde ich sicher auch das Radio einschalten.