Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SCHWINGEN: Innerschweizer Schwinger-Präsident kritisiert von Taktik geprägte Schwingweise

Mit dem Zuger Kantonalen beginnt heute in Menzingen die Kranzfestsaison. Der Präsident des Innerschweizer Verbands, Peter Achermann, blickt im Interview weit voraus und kritisiert eine von Taktik geprägte Schwingweise.
Claudio Zanini
Peter Achermann, Präsident des Innerschweizer Schwingerverbands. (Bild: PD)

Peter Achermann, Präsident des Innerschweizer Schwingerverbands. (Bild: PD)

Interview: Claudio Zanini

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Eben war Peter Achermann noch in Mailand an einer Messe für Kücheneinrichtungen, in dieser Branche ist der Urner beruflich tätig. Jetzt sitzt er in Brunnen am See und erzählt von neuen Küchentrends – Keramik sei grad sehr beliebt, sagt er, während seine Hand über den Tisch einer Gartenbeiz fährt. Wenn der 49-Jährige redet, sind da immer die Lachfältchen in der Augenpartie. Sie bleiben auch, wenn er ganz ernst wird während des Gesprächs. Als Präsident des Innerschweizer Schwingerverbands und Mitglied des Zentralvorstands des Eidgenössischen Verbands ist die intensivste Zeit für Achermann vorbei, sobald die Saison beginnt. Immer zwischen Herbst und Frühling finden die grossen Versammlungen statt. Doch ab heute wird wieder geschwungen, das Zuger Kantonale eröffnet die Kranzfestsaison. Zeit, dem obersten Schwinger der Zentralschweiz einige Fragen zu stellen.

Peter Achermann, erklären Sie doch unseren nicht so schwingbegeisterten Lesern, warum man an einem Sonntag in aller Frühe ein Schwingfest besuchen soll?

Wichtig ist, dass man jemanden hat, der einem erklärt, was sportlich abläuft. Danach wird man bald feststellen, dass an einem Schwingfest eine entspannte Stimmung herrscht. Egal ob Kranzfest, Bergfest oder Rangschwingen. Das mögen die Leute, diese familiäre Atmosphäre, in der jeder mit jedem redet.

Ein neueres Phänomen ist, dass einige Athleten – entgegen den Gepflogenheiten – zuerst jubeln und erst später dem Verlierer die Hand geben.

Der Respekt gegenüber dem Gegner hat Priorität. Bei gewissen Schwingern kommt der Jubel manchmal leider zuerst, da spielt aber auch Adrenalin mit. Betreffende Schwinger weisen wir darauf hin. Vor allem die Jungen sollen ja auch Fehler machen dürfen, das ist doch menschlich. Das haben wir früher auch gemacht.

Muss man den Schwingern solche Dinge zu Beginn der Saison wieder in Erinnerung rufen?

Das muss man sowieso im Einzelgespräch machen. Vor der Gruppe solche Dinge anzusprechen, macht wenig Sinn, einen grossen Teil betrifft es ja gar nicht.

Nun stehen wir vor einer Zwischensaison ohne eidgenössischen Anlass. Sind die Athleten deswegen unmotivierter?

Ich glaube, die Motivation ist auch in diesem Jahr sehr gross. Wer nächstes Jahr beim Eidgenössischen ganz vorne dabei sein will, der weiss, dass die jetzige Saison eminent wichtig ist für den Aufbau. Trotzdem steigt natürlich die Spannung vor dem Eidgenössischen, wenn plötzlich noch viel intensiver über unseren Sport geschrieben wird.

Wie oft denken Sie an das Eid­genössische 2019 in Zug?

Mehr als einmal pro Woche. (Lacht.)

Aber schlaflose Nächte haben Sie noch nicht?

Nein, ich schlafe noch gut. Aber bei aller Vorfreude sollte man nicht vergessen: Das ist organisatorisch eine riesige Herausforderung. Doch das OK mit Präsident Heinz Tännler macht eine hervorragende Arbeit.

Wird es noch grösser als in Estavayer 2016?

Wir können nicht viel dagegen machen, wenn dermassen viele Leute kommen wollen. Natürlich wäre ein zu grosses Fest sicher nicht optimal. Es wird zweifelsohne ein Spagat.

Wie stehen die Chancen auf einen Innerschweizer Sieg?

Man sollte die Schwinger nicht unter Druck setzen. Die Chancen sind sicher vorhanden, allerdings muss die Konstellation passen, einer muss zwei gute Tage haben. Aber ich bin der Meinung, Siegermuni Kolin sollte in der Innerschweiz bleiben. Es wird einen neuen König ­geben, ich bezweifle, dass Matthias Glarner – nach seinem Unfall im letzten Sommer – den Titel verteidigen kann.

Welche Feste sind für Sie in diesem Jahr die Höhepunkte?

Zuerst einmal das Innerschweizerische Verbandsfest in Ruswil, wo wir unser 125-jähriges Bestehen feiern. Ausserdem steht der Brünig-Schwinget, welcher ebenfalls auf 125 Jahre Geschichte zurückblicken kann, ganz oben auf der Liste. Schwingerisch ist auch der Schwäg­alp-Schwinget sehr attraktiv mit 60 Nordostschweizern, 15 Bernern und 15 Innerschweizern. Das Highlight der Jungen wird der Eidgenössische Nachwuchsschwingertag in Landquart Ende August.

Im letzten Jahr gab es einen Ber- ner Dreifachsieg auf dem Brünig. Was braucht es, damit die Inner­schweizer um den Titel mitreden?

Da braucht es sicher auch Glück mit der Einteilung. Im letzten Jahr gab es leider zu viele taktische Gänge. Das ist aus Sicht der Zuschauer schade, denn die wollen attraktiven Schwingsport sehen.

Sie meinen damit, dass viele Berner oft auf einen Gestellten schwingen, um dem Team zu helfen?

Das ist das, was ich kritisiere. Nehmen wir das Beispiel des ersten Ganges auf dem Brünig: Samuel Giger zeigt einen Angriff nach dem anderen gegen Christian Stucki und gewinnt ihn dann. Das macht doch Schwingen aus, wenn man auch mal etwas riskiert.

Trotzdem, die Breite des Berner Kaders hätten Sie wahrscheinlich auch gerne.

(Lacht.) Aus meiner Sicht sind wir ganz klar breiter aufgestellt.

Scherzen Sie jetzt?

Nein, überhaupt nicht. Uns fehlt ein wenig die Breite an der Spitze, einverstanden. Wenn ich das Mittelfeld anschaue, haben wir ein ganz anderes Potenzial als die Berner.

Wie wird dann die Spitze breiter?

Es braucht noch mehr Athleten, die das Schwingen an erste Stelle setzen. Aber das ist nicht einfach. Es gibt ja auch noch die Familie und den Job, zumal unsere Schwinger Vollzeit arbeiten.

Sind Profischwinger immer noch verpönt in der Szene?

Es gibt sicher breite Kreise, die das für den falschen Weg halten. Es wäre auch nicht vernünftig, nur zu schwingen, denn es gibt ein Leben nach dem Sport, daher ist es wichtig, an eine berufliche Weiterbildung zu denken.

Der Berner Remo Käser hat in ­Zusammenarbeit mit Red Bull jüngst einen Film gemacht. Sehen Sie da eine Grenze überschritten, oder dient das letztlich dem Sport?

Das sehe ich ganz pragmatisch, denn für solche Fälle haben wir Statuten und Re­glemente im ESV, in diesem Fall das Werbereglement. Wenn sich jemand an diese Leitplanken hält, sehe ich keine Probleme. Es gibt immer wieder Leute, die das Reglement auszuloten versuchen. Doch im Zentralvorstand sind wir da auf einer Linie. Wenn es irgendeine Einschränkung im Reglement braucht, nehmen wir die sofort auf. Bei unseren Innerschweizer Schwingern sehe ich allerdings keinen, der es mit den Sponsoren übertreibt.

Ein Schwinger der alten Schule ist der bald 39-jährige Martin Grab, der in eine weitere Saison steigt. Können Sie das verstehen?

Wenn jemand gerne «z Bärg» geht, dann geht er gerne «z Bärg». Punkt. Martin liebt es zu schwingen, das ist sein Leben. Auch wenn er natürlich niemandem mehr etwas beweisen müsste.

Wird auf dem Brünig für sein Risiko belohnt: der Thurgauer Samuel Giger (links), der im ersten Gang den Berner Christian Stucki bezwingt. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (30. Juli 2017))

Wird auf dem Brünig für sein Risiko belohnt: der Thurgauer Samuel Giger (links), der im ersten Gang den Berner Christian Stucki bezwingt. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (30. Juli 2017))

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.