Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SCHWINGEN: Jeder eidgenössische Kranz ein Unikat

Von den 275 Schwingern werden wohl 230 ohne Kranz nach Hause gehen. Die begehrten Objekte stellt eine Firma in Langenthal her. Natürlich von Hand.
Claudio Zanini
Kranzgewinner 2013 in Burgdorf: Martin Grab. (Bild Philipp Schmidli)

Kranzgewinner 2013 in Burgdorf: Martin Grab. (Bild Philipp Schmidli)

Claudio Zanini

Am meisten eidgenössische Kränze gewann der 2012 verstorbene Karl Meli. Der Winterthurer, der zweimal König wurde, holte 9-mal das begehrte Eichenlaub. Von den heute aktiven Schwingern sind Nöldi Forrer und Martin Grab mit je sechs Kränzen die Spitzenreiter. Am Wochenende würde wohl ausnahmslos jeder der 275 antretenden Schwinger allzu gerne einen Kranz aus Estavayer entführen. Doch die Kranzquote liegt zwischen 15 und 18 Prozent. Das heisst: Gut 230 Schwinger dürften leer ausgehen.

Da vor dem Fest nicht sicher ist, wie viele Kränze letztlich abgegeben werden, da sich mehrere Athleten im selben Rang klassieren können, hat die Firma Kuert Druck AG 55 Schwingerkränze ins Welschland ausgeliefert. Geschäftsführer von Kuert Druck ist Reto Kurt. Kurt trägt nicht denselben Namen wie sein Unternehmen – mit den Gründervätern ist er nicht verwandt. Seit 1998 und dem Eidgenössischen in Bern stellt die Firma aus Langenthal den Kopfschmuck her. Auch der Chef selbst ist ein Fan des Nationalsports. Darum erfülle ihn dieser Auftrag immer wieder «mit Stolz», sagt er. Im Nu hat Reto Kurt das Protokoll der Sitzung vom 7. Mai 2015 zur Hand. Es war an einem Donnerstag in Murten, als das Organisationskomitee und seine Firma erstmals die Rahmenbedingungen der Kranz-Produktion vereinbarten.

Hohe Präzision

Von blossem Auge sehen die Kränze allesamt gleich aus. Selbstverständlich ist jedes Stück ein Unikat. Sieben Personen, darunter auch Caroline Aeschlimann stellen die Kränze von Hand her. Am Anfang stehen die einzelnen Eichenblätter. Sie sind nicht echt, sondern aus gewachstem Papier gestanzt. Die Blätter besitzen eine natürliche Färbung. Nacheinander werden sie auf einen Draht gebunden. «Bis auf einen halben Zentimeter sind die Abstände der Blätter bei jedem Kranz gleich», betont Kurt. Dazwischen werden einige Eicheln eingeflochten.

Materialwert ungefähr 27 Franken

Am vorderen Ende befindet sich das Herzstück: Das Festabzeichen des Eidgenössischen in Estavayer, welches den Kranz so bedeutungsvoll macht. Im Jahr 2010 wurde dieses Metallabzeichen vom Veranstalter seitlich montiert. «Diese Version kam bei den Schwingern nicht sehr gut an», sagt Reto Kurt. Nun ist es wieder vorne, beim sogenannten «Stern» des Kranzes. Komplettiert wird das Stück durch die rot-weisse Schleife am hinteren Ende des Ovals. Darauf ist der Name des Festes und das Datum mittels Goldprägung angebracht. Unterstützend in der Produktion wirkt auch die Werkstätte für Behinderte im benachbarten Madiswil mit. Nach einer Viertelstunde sei ein Kranz angefertigt. Der Materialwert beträgt 27 Franken, mit dem Festabzeichen im Stern ist er etwas höher. Diesen Betrag zu nennen, fällt Reto Kurt nicht sonderlich leicht. «Der ideelle Wert des Stücks ist natürlich für die Schwinger viel höher. Der Preis wertet den Kranz fast ein wenig ab.» Dass die Bedeutung des Eichenlaubs gross bleibt, ist Kurt enorm wichtig. So war er auch nicht einverstanden, als ein Sponsor 2000 Kränze bestellen wollte, um diese den Festbesuchern zu verteilen – wie zuweilen Strohhüte und Kappen abgegeben werden. Dennoch: Die Kranzabsätze sind für Kuert Druck nicht unbedeutend, machen sie doch zirka 30 Prozent des Jahresumsatzes aus. Rund 3000 Kränze, darunter auch solche für Schützen- Turn- oder Nationalturnfeste, werden jährlich ausgeliefert. Fürs Eidgenössische auch 55 Lorbeer-Kränze für die Hornusser.

Jetzt befinden sich alle Kränze in Obhut des OK-Mitglieds Werner Jakob. Bis sie am Sonntagabend schliesslich auf den Köpfen der wohl 45 besten Schwingern platziert werden.

Der Weg der Produktion: Die Eichenblätter und die Eicheln (oben), das Festabzeichen (unten) und mit der rot-weissen Schleife der begehrte Kranz (rechts). (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Der Weg der Produktion: Die Eichenblätter und die Eicheln (oben), das Festabzeichen (unten) und mit der rot-weissen Schleife der begehrte Kranz (rechts). (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.