SCHWINGEN: Krafttraining braucht Mathis nicht

Allzu gerne würde Marcel Mathis das Ob-/Nidwaldner Kantonale gewinnen, wie 2012. Am Sonntag hat er in Beckenried die Chance dazu. Noch vor einer Woche musste der Nidwaldner ohne Kranz nach Hause.

Claudio Zanini
Drucken
Teilen
Modellathlet: Marcel Mathis, zu Hause auf seinem Landwirtschaftsbetrieb in Büren. (Bild: Roger Grütter (Büren, 5. Mai 2017))

Modellathlet: Marcel Mathis, zu Hause auf seinem Landwirtschaftsbetrieb in Büren. (Bild: Roger Grütter (Büren, 5. Mai 2017))

Claudio Zanini

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Marcel Mathis mache kein Krafttraining, heisst es. Damit wäre der Nidwaldner vielmehr die Ausnahme als die Regel im Schwingsport. Doch daraus zu folgern, dass der eidgenössische Kranzschwinger aus Büren grundsätzlich weniger trainiert als die Konkurrenz, würde wohl zu kurz greifen. Also: Was ist da dran? Benötigen Sie kein Krafttraining, Marcel Mathis?

Die Frage hört der 28-Jährige nicht zum ersten Mal. Ob es clever ist, dem im Bagger sitzenden Schwinger, der soeben die Schaufel ausfährt, mit einer lästigen Frage zu begegnen, sei dahingestellt. Mathis jedenfalls lächelt. «Ich mache zwar kein Krafttraining, aber das stimmt für mich so. Ich hatte auch noch nie gröbere Verletzungen», entgegnet er mit starkem Argument und platziert die Schaufel der Baumaschine auf der Wiese, als würde er sogleich die Vorurteile Stück für Stück abtragen. «Ich versuche auch während der Arbeit, körperliche Tätigkeiten bewusst auszuführen – das ist für mich auch Training.» Den landwirtschaftlichen Betrieb seines Vaters hat er vor einiger Zeit übernommen. «Die Arbeit leidet eher unter dem Schwingsport als umgekehrt», sagt er.

Das Bild von einem nicht Hanteln stemmenden Schwinger wäre an sich unproblematisch. Bei Mathis dient es allerdings manchmal als Erklärungsversuch für seine zuweilen unbeständigen Ergebnisse. Auf Höchstleistungen folgte meist eine Baisse. 2013 stieg er als 25-Jähriger zum Eidgenossen auf, als er in Burgdorf den neunten Rang belegte. «Und danach hatte ich zwei schlechte Saisons hintereinander», sagt Mathis.

Das Tief nach dem Kranz in Burgdorf

Mit einem Eidgenossen geht man nun mal härter ins Gericht, sei es die Einteilung am Schwingfest, sei es der Zuschauer oder der Beobachter. Erwartet wird, dass derjenige mit drei Sternchen hinter seinem Namen – so werden Eidgenossen im Festführer gekennzeichnet – Leistung abliefert, dass er nicht über nominell schwächere Gegner stolpert und dass er so die höchste Auszeichnung im Schwingsport rechtfertigt. Mathis geriet nach Burgdorf allerdings in ein Tief. Kein schlimmes zwar, aber er lernte die Massstäbe kennen, die für Eidgenossen eben gelten.

In der letzten Saison aber gelang ihm wieder alles nach Wunsch. Je näher das Eidgenössische 2016 rückte, desto entfesselter trat der Nidwaldner auf. Zwei Wochen vor dem Showdown im Welschland landete Mathis auf dem geteilten zweiten Rang auf der Schwägalp, einem der fünf Bergfeste, der Champions League unter den Kranzfesten, wenn man so will. Er besiegte etwa Armon Orlik, der 14 Tage später im Schlussgang am Eidgenössischen stehen wird, platt. Und schliesslich holte Mathis in Estavayer den zweiten eidgenössischen Kranz. Im Gespräch wird immer deutlicher, wie hinfällig das Thema mit dem fehlenden Krafttraining ist. Seit letzter Saison befolgt er einen strikten Trainingsplan, achtet genau auf die Ernährung und arbeitet auch im mentalen Bereich.

Wie unangenehm ein Fest als Eidgenosse werden kann, erlebte Mathis am Zuger Kantonalen vergangene Woche. Im vierten Gang traf er auf Titelverteidiger Christian Schuler, der ihm gar nicht liegt. Im Ausstich folgten zwei auf dem Papier schwächere Gegner. Beide hatten wenig Interesse an einem aktiven Gang, Mathis lief die Zeit davon, er bekam zweimal einen Gestellten notiert – Kranzgewinn verpasst.

Am Ob-/Nidwaldner Kantonalen will er es morgen in Beckenried besser machen. Sein grosses Ziel sei, wieder einmal ein Kranzfest zu gewinnen, wie in Giswil 2012. Im ersten Gang trifft er morgen auf den starken Neueidgenossen Mike Mülle­stein. Es ist das harte Los eines Spitzenschwingers.

Ob-/Nidwaldner

113. Ob-/Nidwaldner Kantonalschwingfest. Beckenried. Programm. Sonntag. 6.00: Kassenöffnung. – 7.30: Anschwingen. – 10.00: Sonntagsstille. – 10.20: Fortsetzung der Wettkämpfe. – 12.00: Mittagspause. – 13.15: Fortsetzung der Wettkämpfe. – 17.00: Schlussgang.

Favoriten: Christian Schuler, Andreas Ulrich, Mike Müllestein, Joel Wicki, René Suppiger, Benji von Ah, Marcel Mathis.

Spitzenpaarungen: Christian Schuler – René Suppiger. Mike Müllestein – Marcel Mathis. Alex Schuler – Benji von Ah. Andreas Ulrich – Jonas Brun. Joel Wicki – Lutz Scheuber. Adrian Steinauer – Alexander Vonlaufen.Guido Gwerder – Stefan Gasser. Roger Bürli – Martin Zimmermann. Andreas Höfliger – Simon Zimmermann. Armin Reichmuth – Christian Odermatt.