SCHWINGEN: Martin Grab – der Ausnahmekönner ohne Krone

Am Sonntag hat der Rothenthurmer Martin Grab am Schwyzer Kantonalen sein letztes Schwingfest bestritten. Nun schaut der fast 39-Jährige auf seine sechs persönlichen Karrierehöhepunkte zurück.
Erhard Gick und Claudio Zanini
Martin Grab umarmt seinen Sohn Stephan nach dem 125. Kranzgewinn am Schwyzer Kantonalen. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Sattel, 6. Mai 2018))

Martin Grab umarmt seinen Sohn Stephan nach dem 125. Kranzgewinn am Schwyzer Kantonalen. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Sattel, 6. Mai 2018))

Erhard Gick und Claudio Zanini

Die Kranzsammlung

PREMIERE Am 18. August 1996 hatte Martin Grab angefangen, Kränze anzuhäufen. Es sei ein erster Höhepunkt der Karriere, sagt er: «Es war mein erster Kranzgewinn am Neuenburger Kantonal-Schwingfest 1996. Mit 17 Jahren holte ich diesen ersten Kranz. Bisher hatte mir immer ein ‹Vierteli› gefehlt. Dort habe ich die Chance gepackt. Das war eine grosse Genugtuung.» Bilder von diesem Tag hat Grab nicht mehr in seinem Archiv. Insgesamt gewinnt der Rothenthurmer 125-mal Eichenlaub, zum letzten Mal am Sonntag in Sattel. Nur vier andere Schwinger kommen auf diese Anzahl. In einem Atemzug mit dem ersten Kranz nennt er den ersten Festsieg im Jahr 2000 auf dem Stoos.

Martin Grab umarmt seinen Sohn Stephan nach dem 125. Kranzgewinn am Schwyzer Kantonalen. Bild: Alexandra Wey/Keystone (Sattel, 6. Mai 2018) (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Sattel, 6. Mai 2018))

Martin Grab umarmt seinen Sohn Stephan nach dem 125. Kranzgewinn am Schwyzer Kantonalen. Bild: Alexandra Wey/Keystone (Sattel, 6. Mai 2018) (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Sattel, 6. Mai 2018))

Von Bern bis Estavayer

EIDGENÖSSISCHE Bei seinen sieben Teilnahmen an Eidgenössischen Schwing- und Älplerfesten (Esaf) holte Grab immer Zählbares heraus – jedes Mal gewann er den Kranz. Letztmals 2016 in Estavayer, als 37-Jähriger. Die begehrte Auszeichnung gewann er erstmals 1998 in Bern. «Ich war damals erst 19 Jahre alt. Ich wollte den Kranz, das Fachpublikum hatte ihn erwartet. Nach nur sieben Gängen hatte ich ihn auf sicher.» Grab klassierte sich im geteilten 7. Rang, auf dem etwa auch der Freiburger Hans-Peter Pellet landete. Es gibt insgesamt nur drei Schwinger, die sieben Esaf-Kränze besitzen. Nebst Grab sind dies die beiden Könige Peter Vogt (ebenfalls 7) und Karl Meli – Letzerer kommt gar auf deren 9.

Bei den Eidgenössischen reichte es immer zum Kranz: der 6. Gang in Nyon 2001 gegen Jörg Käser. (Bild: Ruth Tischler (Nyon, 25. August 2001))

Bei den Eidgenössischen reichte es immer zum Kranz: der 6. Gang in Nyon 2001 gegen Jörg Käser. (Bild: Ruth Tischler (Nyon, 25. August 2001))

Zwei Könige gebodigt

UNSPUNNEN Sein Sieg am geschichtsträchtigen Unspunnen-Schwinget 2006 stehe «über allem», sagt Grab. Das Fest mit eidgenössischem Charakter findet nur alle sechs Jahre statt. Der Jubel war dementsprechend gross in der Arena in Interlaken. Ein, zwei, drei Luftsprünge gab Grab zum Besten, nachdem er den Favoriten Jörg Abderhalden auf den Rücken gelegt hatte. Der zweite grosse Sieg gelang ihm am Expo-Schwinget 2002, der anlässlich der Landesausstellung durchgeführt wurde. «Es war schon speziell, diese beiden Feste zu gewinnen. In beiden trat ich im Schlussgang gegen die amtierenden Schwingerkönige an und bodigte sie. Am Unspunnen Jörg Abderhalden, am Expo-Schwinget Arnold Forrer.»

Ausgelassener Jubel nach dem Unspunnen-Sieg 2006 in der Arena in Interlaken. (Bild: Fabienne Arnet (Interlaken, 3. September 2006))

Ausgelassener Jubel nach dem Unspunnen-Sieg 2006 in der Arena in Interlaken. (Bild: Fabienne Arnet (Interlaken, 3. September 2006))

In der Höhle des Löwen

SCHWÄGALP Die Bergfeste gelten als Königsklasse im Schwingsport. Sechs davon gibt es. Die hochkarätigen, kleinen Teilnehmerfelder machen die Anlässe besonders attraktiv. Beim Schwäg­alp-Schwinget 2002 trat alles an, was Rang und Namen hatte. Darum streicht Grab diesen einen Sieg speziell heraus. «Ich ging als junger Schwinger in die Höhle des Löwen. Die ganz Grossen waren vertreten: Jörg Abderhalden, Arnold Forrer, Urban Götte, Hans-Peter Pellet, Leo Betschart et cetera. Ich habe an diesem Bergfest alles gewonnen, im Schlussgang auch gegen Arnold Forrer. Das war eine meiner stärksten Leistungen überhaupt», sagt er. Es sollte sein einziger Sieg auf der Schwägalp bleiben. In der selben Saison gewann er auch auf dem Brünig und der Rigi.

Ein grosser Sieg im Schlussgang gegen Arnold Forrer: Martin Grab räumt auf der Schwägalp 2002 ab. (Bild: Archivbild (Schwägalp, 18. August 2002))

Ein grosser Sieg im Schlussgang gegen Arnold Forrer: Martin Grab räumt auf der Schwägalp 2002 ab. (Bild: Archivbild (Schwägalp, 18. August 2002))

Nutzloser Schlussgang

FRAUENFELD Es mag vielleicht merkwürdig anmuten, dass Grab seine Schlussgangniederlage am Eidgenössischen in Frauenfeld zu den persönlichen Highlights zählt. Doch das Wochenende im August 2010 hat sich bei ihm eingebrannt. «In Frauenfeld hatte ich es endlich in den Schlussgang geschafft. Doch es war gleichzeitig eine meiner grössten Enttäuschungen. Ich stand im Schlussgang, konnte aber nicht König werden.» Die Dramatik war besonders: Der 20-jährige Kilian Wenger zeigte eine beherzte Vorstellung, bodigte unter anderem Titelverteidiger Jörg Abderhalden und stand mit sieben Siegen und einer uneinholbaren Punktzahl im Schlussgang. Hätte Grab gewonnen, wäre Wenger nach wie vor Erster gewesen. Er hätte sich aber nicht König nennen dürfen.

Kilian Wenger bezwingt Grab am Eidgenössischen 2010 und wird Schwingerkönig. (Bild: Archivbild (Frauenfeld, 22. August 2010))

Kilian Wenger bezwingt Grab am Eidgenössischen 2010 und wird Schwingerkönig. (Bild: Archivbild (Frauenfeld, 22. August 2010))

Ein komplettes Set

Bergfeste Wenn man so will, ist Martin Grab der ungekrönte Schwingerkönig. Doch an den Bergfesten präsentierte er sich zumeist in königlicher Verfassung. Den Klassiker auf dem Brünig gewann er sogar fünfmal – das brachten sonst nur Rudolf Hunsperger und Geni Hasler fertig. 2012 komplettierte er seinen Trophäenschrank, nachdem er den Schwarzsee-Schwinget gewann. Grab hat als einziger Schwinger alle sechs Bergfeste mindestens einmal gewonnen. «Das war ein spezieller und grosser Moment», resümiert er. Nach dem Sieg 2012 sagte er voller Tatendrang: «Ich will mich noch nicht auf den Erfolgen ausruhen. Ich habe noch immer das Temperament und das Feuer. Erst wenn das Feuer erlischt, ist der Rücktritt ein Thema.»

Mit dem Siegermuni namens Sheriff beim Schwarzsee-Titel im Jahr 2012. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone (Schwarzsee, 24. Juni 2012))

Mit dem Siegermuni namens Sheriff beim Schwarzsee-Titel im Jahr 2012. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone (Schwarzsee, 24. Juni 2012))

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