Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SCHWINGEN: Martin Grab: «Ich kann mir keine Pause leisten»

Martin Grab (37) hat am Sonntag seinen siebten Eidgenössischen Kranz gewonnen. Die Leidenschaft für den Schwingsport sei nach wie vor gross, sagt er – trotz gesundheitlicher Probleme.
Interview Jonas von Flüe
Martin Grab (links) duelliert sich am Sonntagmorgen mit Kilian Wenger. Der Gang endet gestellt. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Martin Grab (links) duelliert sich am Sonntagmorgen mit Kilian Wenger. Der Gang endet gestellt. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Interview Jonas von Flüe

Martin Grab, wie haben Sie den Kranzgewinn am Sonntag gefeiert?

Martin Grab: Meine Frau und ich sind in Estavayer geblieben und haben dort in einem improvisierten Zeltlager übernachtet. Es war eine kurze Nacht. Aber wir haben nicht übertrieben.

Gönnen Sie sich nun einige Tage Pause, um sich vom Eidgenössischen zu erholen?

Grab: Mit meinem Lebenspensum kann ich mir eine Pause nicht leisten. Ich werde bereits am Dienstag wieder auf einer Baustelle erwartet (Grab arbeitet als Spengler und hat seit 2011 eine eigene Firma; Anm. d. Red.).

Nur Karl Meli hat mehr Eidgenössische Kränze gewonnen als Sie. Können Sie Ihren siebten Kranzgewinn für uns einordnen?

Grab: Ich muss das ganze Wochenende zuerst einmal verarbeiten. Aber der siebte Eidgenössische Kranz hat in meinem Palmarès sicher einen ganz besonderen Stellenwert. Er ist sicher nicht so wichtig wie der Unspunnen-Sieg. Aber ich setze ihn auf die gleiche Stufe wie den Gewinn aller sechs Bergkranzfeste. Denn es ist schon eine beachtliche Leistung, wenn man an sieben Eidgenössischen in Serie einen Kranz gewinnt. Der Erfolg in Estavayer ist besonders speziell, weil ich eine sehr schwierige Saison hinter mir habe.

Sie haben im Mai am Schwyzer Kantonalen einen Innenbandabriss erlitten. Waren Sie in Estavayer bei vollster Gesundheit?

Grab: Ich habe alles abgerufen, was ich konnte. Allerdings habe ich schon lange Leisten- und Adduktorenprobleme. Ich klemme mir immer irgendetwas ein und versuche es mit Entzündungshemmer zu behandeln. Diese Probleme sind auch der Grund, weshalb ich hinke. Die Leute meinen, das sei wegen meinem Knie oder weil ich Rückenprobleme habe. Dem ist aber nicht so.

Wie haben Sie die beiden Tage in Estavayer erlebt?

Grab: Ich würde den Wettkampf in zwei gute und zwei schlechte Phasen einteilen. Ich bin verhalten gestartet, was ich der Unsicherheit zuschreibe. Ich wusste wegen der schwierigen Saison nicht, wo ich stehe. Es folgte ein guter Mittelteil. Der Sieg gegen den unbequemen Hanspeter Luginbühl und der gestellte Gang gegen Kilian Wenger haben mir Auftrieb verliehen. Es war sehr wichtig, dass ich gegen Wenger nicht verloren habe. Den siebten Gang gegen Adrian Schenkel hätte ich dann gewinnen müssen, doch in letzter Sekunde habe ich unerwartet verloren.

Was ging Ihnen da durch den Kopf? Dachten Sie, dass der ersehnte Kranz mit dieser Niederlage nicht mehr zu erreichen ist?

Grab: Ich habe im siebten Gang gut gearbeitet und alles versucht, um zu gewinnen. Das wurde zu meinem Glück von den Kampfrichtern mit einer 8,75 honoriert. Danach haben meine Betreuer und ich ausgerechnet, dass es mit einer 10,00 im letzten Gang zum Kranz reichen müsste. Ich wusste zu jenem Zeitpunkt, dass ich das Messer am Hals habe, aber den Kranz habe ich zu keinem Zeitpunkt abgeschrieben.

Kam Ihnen die Einteilung am Schluss entgegen?

Grab: In den Gängen eins bis fünf wurde ich speziell angefasst, hatte viele unbequeme Gegner. In den letzten beiden Gängen wurde das aber kompensiert. Von daher empfand ich die Einteilung als sehr fair. Und zum Glück habe ich mich am Schluss noch einmal aufgerafft und den nötigen Plattwurf realisiert.

Sie sind 37-jährig und werden immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Mit welcher Motivation stehen Sie noch im Sägemehl?

Grab: Die Leidenschaft für den Schwingsport ist immer noch sehr gross, und ich bin immer noch bereit, sehr viel für den Sport zu leisten. Das ist das Wichtigste.

In drei Jahren findet das nächste Eidgenössische in der Innerschweiz statt. Sind Sie dann noch aktiv?

Grab: Das werde ich oft gefragt. Aber ich plane nicht so weit nach vorne. Ich nehme Jahr für Jahr.

Also wissen Sie auch nicht, ob Sie das kommende Jahr noch in Angriff nehmen?

Grab: Ich hatte diesen Sommer einige Tiefpunkte und mich ernsthaft gefragt, ob ich weitermachen will. Nun werde ich mich richtig auskurieren und mit einem sauberen Aufbau beginnen. Erst dann werde ich entscheiden, wie es weitergeht.

Hinweis

Der Rothenthurmer Martin Grab (37) ist Vater von fünf Kindern und Inhaber einer Spenglerei. 1998 hat er in Bern seinen ersten Eidgenössischen Kranz gewonnen. Sein grösster Erfolg war der Sieg am Unspunnen-Schwinget 2006. Insgesamt hat er 121 Kränze und 31 Kranzfeste gewonnen.

Entlebucher Direktorin zieht positives Fazit

Estavayer 2016 jvf. Die 39-jährige Entlebucherin Isabelle Emmenegger (Bild) hat als Direktorin des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Estavayer in den letzten vier Jahren dafür gesorgt, dass der Mega-Event am Wochenende reibungslos über die Bühne gehen konnte.

Die Bauerntochter ist in Schüpfheim aufgewachsen, hat das Lehrerseminar in Hitzkirch absolviert und in Freiburg Jura studiert. Sie arbeitete im Bundesamt für Sport und war 2008 als Delegierte des Bundes auch an der Fussball-EM im eigenen Land engagiert.

Emmenegger lebt heute in Kerzers und bezeichnet sich als «bilingue». Das geht so weit, dass ihr auch mal ein deutsches Wort entfällt – so geschehen am Sonntagabend vor versammelten Medienvertretern.

Heikle Situation am Freitag

Emmenegger zieht ein durchwegs positives Fazit. Es sei fast alles reibungslos verlaufen, es habe nur kleinere Zwischenfälle gegeben. «Einzig am Freitag mussten wir eine heikle Phase überstehen», erzählt sie, «es waren mehr Leute auf dem Camping, als wir gedacht haben. Und wir wussten, dass am Samstag noch viel mehr kommen werden.» Doch auch diese Situation habe sich bald entspannt.
Die letzten Wochen waren für sie vor allem stressig. Emmeneggers Arbeitsaufwand überstieg ein normales Pensum um Längen. So musste sie sich mit den Helfern meist am Abend oder am Wochenende treffen, weil diese während des Tages einer anderen Arbeit nachgingen. Nur sie und ihre Assistentin bekommen einen Lohn.

Das Wochenende konnte sie nur bedingt geniessen. Am Samstagmorgen und während des Schlussgangs sass Emmenegger auf der Tribüne. Ansonsten war sie stets unterwegs. «Ich hatte viele schöne Begegnungen», sagt sie.

Mit dem Ende des Schwingfests endet ihre Arbeit aber keineswegs. Bis Ende März ist Emmenegger noch als Direktorin angestellt. Der Abbau des Festgeländes hat bereits begonnen, es folgen der Schlussrapport und die Schlussrechnung. «Dann kommt hoffentlich Ruhe», sagt sie. Und eine neue Herausforderung: Was sie ab April 2017 macht, weiss Emmenegger noch nicht, sie habe aber bereits Gespräche geführt. Die reibungslose Organisation des Eidgenössischen ist zumindest eine gute Verhandlungsbasis.

Analyse: Sportredaktor Jonas von Flüe über die Zukunft der Innerschweizer Schwinger

Reichmuth und Wicki können 2019 in Zug Schwingerkönig werden

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2016 ist Geschichte. Die Berner stellen mit Matthias Glarner den neuen Schwingerkönig und haben mit dem Gewinn von 17 Kränzen die Innerschweizer als erfolgreichsten Teilverband abgelöst. 1998 gewannen die Berner letztmals am meisten Kränze. Im Hinblick auf das Eidgenössische 2019 in Zug stellt sich die Frage, ob die Berner auch in den kommenden Jahren der dominierende Teilverband sein werden. Wird in Zug der Königstitel zum vierten Mal in Serie an einen Berner gehen?

Das bezweifle ich zum jetzigen Zeitpunkt stark. Trotz der beeindruckenden Kranzausbeute, trotz Glarners Krönung muss sich die Konkurrenz aus der Innerschweiz nicht verstecken. Denn der Höhepunkt der Berner Dominanz scheint hinter uns zu liegen. 2013 in Burgdorf waren die Mutzen derart stark, dass es zu Paarungen innerhalb des Teilverbandes kam, um die Spannung an der Spitze hochzuhalten. Die Frage war nicht, ob, sondern welcher Berner König wird. Dieses Szenario war in Estavayer zu keiner Zeit ein Thema. Denn an der Spitze mischten auch viele Schwinger aus anderen Regionen mit, und fast bis zur allerletzten Sekunde war ungewiss, ob die Berner auch 2016 den König stellen würden. Nur dank Glarner fällt die Bilanz derart positiv aus.

Die beiden Wettkampftage haben gezeigt, dass ein Generationenwechsel im Gange ist. In den Hauptrollen: der Bündner Armon Orlik, der Berner Remo Käser und der Thurgauer Samuel Giger. In den Nebenrollen: der Chamer Pirmin Reichmuth und der Aargauer Nick Alpiger. Sie alle haben in Estavayer ihren ersten Eidgenössischen Kranz gewonnen und sind zwischen 18 und 21 Jahre alt. Und hätte sich der Sörenberger Joel Wicki nicht vor zwei Wochen eine Unterschenkelfraktur zugezogen, wäre wohl auch er Teil dieser Liste.

In drei Jahren, wenn das Eidgenössische zum ersten Mal seit 2004 (Luzern) wieder in unserer Region stattfinden wird, werden die Innerschweizer Hoffnungen vor allem auf dem Duo Reichmuth/Wicki liegen. Beide hatten in ihrer noch jungen Karriere grosses Verletzungspech. Reichmuth hat sich bereits zwei Mal das Kreuzband gerissen, Wicki hat sich nun das Bein gebrochen. Sie können die Innerschweizer Formation dereinst anführen, wenn die ältere Generation um Philipp Laimbacher, Christian Schuler und Andreas Ulrich nicht mehr da ist. Sie können sich in den nächsten drei Jahren so entwickeln, dass sie in Zug zu den ganz grossen Favoriten auf den Königstitel zählen werden. Gemeinsam mit den anderen genannten Jungspunden. Hinsichtlich ihrer Einstellung und ihrem Ehrgeiz zählen die beiden schon zu den ganz Grossen des Schwingsports.

Reichmuth und Wicki sind aber bei weitem nicht die einzigen Innerschweizer, die den Zenit ihrer Karriere noch nicht erreicht haben. Der Technische Leiter der Innerschweizer, Thedy Waser, zieht nicht umsonst ein positives Fazit und weist auf die sechs Athleten hin, die in Estavayer ihren ersten Eidgenössischen Kranz gewonnen haben. Sven Schurtenberger und Mike Müllestein können schon heute jeden noch so starken Gegner ausbremsen. Und die Routiniers Christian Schuler und Philipp Laimbacher haben eindrücklich bewiesen, dass sie zu den allerbesten Schwingern gehören. Während der 28-jährige Schuler auch in Zug noch einmal einen Angriff auf den Thron wagen wird, hat Laimbacher in Estavayer mit dem fünften Eidgenössischen Kranzgewinn das Maximum erreicht. Seine Verletzungsliste ist schier endlos.

2004 in Luzern haben die Innerschweizer 20 Kränze gewonnen. Das Fest in der eigenen Region hat sie besonders motiviert. Die Vorzeichen für das Eidgenössische 2019 in Zug sind ebenfalls gut. Die Vorfreude kann bereits heute beginnen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.