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SCHWINGEN: Mehr Zeit für Familie, Freunde und Freizeit

Familie Wicki feiert Weihnachten traditionell: mit gutem Essen, Baum und einem Kirchenbesuch. Für Youngster Joel Wicki (18) ist es die Zeit, um einen Gang runterzuschalten – ohne aber das wichtige Training zu vernachlässigen.
Jonas von Flüe
Joel Wicki (rot-weisses Hemd) geniesst das Fondue im Restaurant Schwarzenegg auf Sörenberg mit Freundin Alicia, Bruder Kevin, Vater Herbert, Kevins Freundin Martina (verdeckt) und Mutter Esthi. (Bild Roger Grütter)

Joel Wicki (rot-weisses Hemd) geniesst das Fondue im Restaurant Schwarzenegg auf Sörenberg mit Freundin Alicia, Bruder Kevin, Vater Herbert, Kevins Freundin Martina (verdeckt) und Mutter Esthi. (Bild Roger Grütter)

Es fehlt an nichts. Auf dem Tisch ist jeglicher Platz mit Köstlichkeiten belegt. Im Caquelon köcheln zwei verschiedene Käsefondues, dazu gibt es jede Menge Beilagen: Kartoffeln, Gurken, Maiskölbchen, Oliven, Rinds- und Schweinefleisch, ja sogar edle Trüffel werden im Bergrestaurant Schwarzen­egg hoch ob Sörenberg serviert. Das Essen duftet und schmeckt vorzüglich. Hungrig muss niemand nach Hause.

Während draussen die Nacht hereinbricht und die Temperaturen Richtung Gefrierpunkt sinken, sitzt Familie Wicki vor dem gemütlichen Kamin im hei­melig eingerichteten Restaurant. Mutter Esthi, Vater Herbert, die Söhne Kevin und Joel sowie deren Freundinnen Martina und Alicia lassen es sich schmecken. Das Glas Wein fassen die drei Männer nur zum Anstossen an. Sie müssen später noch fahren. Joel trinkt generell keinen Alkohol. «Das passt nicht zum Sport», sagt der 18-Jährige.

Kalorienreiche Weihnachtszeit

Richtige Sportler achten halt auf die Er­nährung. Auch Joel Wicki. Der 14-fache Kranzgewinner und Sieger des diesjährigen Bergkranzfestes am Schwarzsee versucht, sich möglichst ausgewogen zu ernähren. Mutter Esthi schaut, dass er immer genug Eiweisse und Kohlenhydrate zu sich nimmt. In der Advents- und Weihnachtszeit darf es aber schon mal die eine oder andere Portion mehr sein, die im Magen des jungen Schwingers landet. Vergangene Woche stand das Weihnachtsessen seines Lehrbetriebs auf dem Programm. «Da haben wir richtig zugelangt», erzählt Wicki laut lachend, «wir haben den ganzen Topf mit Chinoise-Fleisch in die Bouillon geworfen. So konnten wir schneller und mehr essen.» Auch am Familienfest bei Freundin Alicia gab es währschafte Kost. Wer so viel trainiert, darf und muss viele Kalorien zu sich nehmen.

Wenn die Wickis am heutigen Heiligabend Weihnachten feiern, geht es wie in der «Schwarzenegg» besinnlich und traditionell zu und her. Mutter Esthi bereitet ein Fondue Bourguignonne zu, sie hat sich im letzten Moment noch gegen den Hirschpfeffer entschieden. Den obligaten Weihnachtsbaum haben heuer zum ersten Mal die beiden Burschen besorgt – und auch dekoriert, weil sich Esthi an der linken Hand verletzt hat. Am Nachmittag besuchen sie wie in jedem Jahr den Weihnachtsgottesdienst und verfolgen das Krippenspiel der Sörenberger Basisstufe. Joel erinnert sich: «Da haben wir früher, vor vielen Jahren, auch mitgespielt.» Danach geht es nach Hause, wo die Familie gemütlich zusammensitzt, Geschenke auspackt und vielleicht einen der zahlreichen Weihnachtsfilme schaut. «‹Kevin allein zu Haus› läuft sicher auch in diesem Jahr», prophezeit der 24-jährige Kevin. Das ganz grosse Fest brauchen die Wickis nicht. Sie sind eine bescheidene, bodenständige Familie – auch an Weihnachten.

Vater Herbert muss auf die Piste

Zu Wickis Weihnachten gehört aber auch, dass Vater Herbert nach dem Abendessen wieder raus, zur Arbeit muss. Er ist Betriebsleiter der Sörenberg-Bahnen und für die optimale Präparierung der Pisten verantwortlich. Da die Bahnen selbstverständlich auch am 24. und 25. Dezember laufen, muss er an diesen Tagen eben arbeiten, versucht aber, so oft und so lange wie möglich bei seinen Liebsten zu sein. Es ist sein 36. Winter bei den Sörenberg-Bahnen. Weihnachtsferien sind für ihn kein Thema. «Daran haben wir uns gewöhnt, wir kennen ja gar nichts anderes», sagt Joel, der von den Pistenbullys von klein auf fasziniert ist. Er erzählt: «Früher habe ich sogar im Cockpit geschlafen, während mein Vater die Pisten präpariert hat.» Herbert kann nicht verbergen, dass ihm der fehlende Schnee schon ein wenig Sorgen bereitet. Immerhin: Die Hotels und Ferienwohnungen sind über die Festtage dennoch sehr gut belegt.

Erholung vom strengen Alltag

Die Faszination für grosse, schwere Maschinen kann Joel Wicki nun im beruflichen Alltag ausleben. Als Baumaschinenmechaniker-Lehrling ist er täglich von ihnen umgeben. Bis gestern Mittwoch war er am Seetalplatz in Emmenbrücke im Einsatz. «Wir sorgen dafür, dass alle Maschinen bei der Wiederaufnahme der Arbeiten im neuen Jahr funktionstüchtig sind», erzählt er. Bis zum 4. Januar gönnt er sich nun aber wohlverdiente Ferien. Die Arbeit macht ihm auch im letzten von vier Lehrjahren noch viel Spass, sie sei abwechslungsreich, verlange eine hohe Konzentration, und es komme ihm immer mehr Verantwortung zuteil. «Die Arbeit ist aber streng, denn wir haben viel zu tun», sagt er. In den kommenden zehn Tagen will sich Joel Wicki ein wenig zurückziehen, sich vom fordernden Alltag entspannen. Weihnachten ist auch für ihn die Zeit, um einen Gang runterzuschalten, das alte Jahr ausklingen und Revue passieren zu lassen und sich auf die Aufgaben im neuen Jahr vorzubereiten. Wie sehen seine Pläne aus? «Viel vorgenommen habe ich mir in den nächsten Tagen nicht. Ich geniesse die Ruhe, werde viel zu Hause sein, das eine oder andere Mal Skifahren gehen und natürlich im gewohnten Mass weitertrainieren. Trotz der Festtage will ich meinen Rhythmus beibehalten.»

Das Training kommt nicht zu kurz

Das Schwingen, es ist allgegenwärtig im Alltag der Familie Wicki. Auch Kevin ist passionierter Schwinger, hat eine schwere Knieverletzung hinter sich, trainiert nun aber mit Joel und den an­deren Athleten des Entlebucher Schwingerverbandes mehrmals pro Woche. Auch wäh­rend der Festtage. Bis Neujahr fahren die Wicki-Brüder noch mindestens zweimal nach Willisau, ins «Sportrock», wo sie an ihrer Fitness feilen. «Das Aufbautraining im Winter ist enorm wichtig», sagt Kevin, der ältere der Brüder, «jetzt werden die Grundlagen für die kommende Saison gelegt. Deshalb können wir keine Pause machen.» Immerhin aufs Training im Sägemehl wird während der Festtage verzichtet. So hat Joel mehr Zeit als sonst, sich der Berufsschule zu widmen.

Abschlussprüfungen im Juni

Das kommende Jahr bringt so einige Höhepunkte und Herausforderungen im Leben des erst 18-jährigen Joel Wicki mit sich. Da ist zum einen der Schwingsport: Ende August findet in Estavayer das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest statt. Der zweimalige Nachwuchsschwinger des Jahres wird zum zweiten Mal an einem Eidgenössischen teilnehmen und strebt den erstmaligen Kranzgewinn an.

Zudem möchte er seine Bergkranzsammlung komplettieren, liebäugelt darum mit Teilnahmen auf dem Weissenstein und der Schwägalp. Und da ist ja noch das Luzerner Kantonale im 20 Minuten entfernten Escholzmatt am 29. Mai. «Ein Heimsieg wäre besonders schön», sagt Joel Wicki, was uns zum anderen Höhepunkt seines Jahres führt: Anfang Juni stehen die Lehrabschlussprüfungen an. Ausgerechnet dann, wenn die Saison so richtig lanciert wird, seine Hilfe beim Auf- und Abbau der Arena in Escholzmatt gefragt ist. Hat der junge Athlet da keine Angst, dass ihm das alles zu viel wird, Sport und Schule? In seiner gelassenen Art winkt Wicki ab – und sagt: «Nein, nein, das wird dann schon gehen.» Mutter Esthi sorgt dafür, dass sich ihr jüngster Sohn auf das Wesentliche fokussiert und am Boden bleibt. Beide wissen: Die Ausbildung geht vor.

Und so blickt Joel Wicki an Weihnachten zum einen zurück auf eine äusserst erfolgreiche Saison und zum anderen vorwärts auf ein spannendes und forderndes Jahr 2016. Er weiss, dass er immer auf die Unterstützung seiner Familie zählen kann. Wie beim Fondue-Essen im «Schwarzenegg» gilt auch beim Support: Es fehlt an nichts.

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